Das alte, rot-blau gestreifte Friseurschild hängt noch an der Wand. "Look Better, Feel Better" steht drauf. Gleich daneben standen die Drehstühle für die Kunden, die sich hier in der North Snelling Avenue am Rand von St. Paul von Barbier Schulz die Haare stutzen ließen. Ein Foto an der Wand zeigt einen jungen, schlanken Mann auf einem der Stühle, stolz hält er einen Scheck in die Kamera: Die ersten Dollars, die Charles M. Schulz, der Sohn des Friseurs, 1950 im Alter von 27 mit seinem Comicstrip verdiente, dessen zeitlos philosophischer Witz bis heute weltweit verehrt wird. 60 Jahre ist es in diesem Herbst her, dass die ersten Folgen der "Peanuts" in US-Zeitungen erschienen und zu einem der weltweit erfolgreichsten Comicstrips der Geschichte wurden. 2600 Zeitungen veröffentlichten in den besten Zeiten täglich eine neue Folge, rund 150 Millionen Leser erreichte Schulz so.(zeit.de)
Wer Charlie kennt, weiß welch tragische Figur er in diesen Geschichten spielt, er
leitet das schlechteste Baseballteam der Welt, das noch nie einen Punkt gemacht
hat. Er wird von Luzie gequält, die ihm beim Football immer den Ball beim Kick-Off
vor den Füßen wegzieht. Sein Hund ist total eigensinnig und lässt sich nur von ihm
bedienen. Und zu guter Letzt bleibt seine Zuneigung für das kleine rothaarige
Mädchen immer unerwidert und führt nur zu Peinlichkeiten. Charles M. Schulz und sein Charlie haben viele Menschen mit ihrem Tiefsinn durchs Leben begleitet. Ein Beispiel:
„Charlie Brown übt mit Pfeil und Bogen. Er schießt auf eine Wand, und wo der Pfeil gerade hingetroffen hat, malt er den Kreis darum und die Zwölf auf das Einschußloch. So hat er immer das Ziel getroffen. Jemand der zuschaut sagt: "Charlie, das geht anders herum. Du mußt erst die Zwölf und den Kreis malen, und dann mit dem Pfeil die Mitte treffen."
Noch ein Beispiel:
„Snoopy ist ein kleiner Hund und Charlie Brown ein Junge von vielleicht acht oder zehn Jahren. Beide sind dick befreundet und unterhalten sich über Gott und die Welt. Snoopy, der Hund, hat oft tief gehende Einsichten. Das Erntedankfest steht vor der Tür. In Amerika ist das der Thanksgiving Day. Er wird im November gefeiert. Und in jeder amerikanischen Familie gibt es an Thanksgiving einen Truthahn. Das ist so Tradition, davon lässt sich niemand abbringen. Das wusste auch Snoopy, der Hund. Schon Tage vorher ist ihm das Wasser im Mund zusammen gelaufen, so hatte er sich auf den Truthahn gefreut. Als aber der Thanksgiving Day gekommen war, durfte er nicht mitfeiern. Er musste er vor das Haus, zu seiner Hütte, und bekam einen Napf hingestellt mit dem üblichen Hundefutter. Da saß er nun und ärgerte sich und schwelgte in Selbstmitleid. Über Snoopy sieht man eine Sprechblase und da steht drin: »Es hätte noch schlimmer kommen können. Ich hätte auch als Truthahn geboren werden können.“
Einmal frägt Lucy Charlie Brown: "Denkst du oft an später?" "Oh, ja", erwidert Charlie Brown, "immerzu." – Lucy hakt nach: "Und was möchtest du später einmal werden?" – Darauf sagt Charlie Brown sehnsüchtig: "Unwahrscheinlich glücklich!"
Dieser kleine Dialog bringt die Sehnsucht eines jeden Menschen auf den Punkt: Wir wünschen uns, glücklich zu sein. Ich bin noch keinem Menschen begegnet, der dies nicht ersehnt. Manche reden nicht von "Glück", sie sagen "Lebensfreude" oder "Erfüllung" dazu. Denn: Einfach ist "Glück" nicht zu beschreiben…
