“Die Schrödingergleichung ist das Grundgesetz der Quantenmechanik. Sie beschreibt, wie sich der Zustand eines winzigen Teilchens über die Zeit verändert. Sie ist die Grundlage für Microchips in Mobiltelefonen und Computern. Unter den vielen Innovationen, die wir ihr verdanken, zählen auch der Laser und die Magnetresonanztomographie.” Hans Hofmann-Reinecke/TE
“Denn im physikalischen Welle-Teilchen-Dualismus steckt eine theologische Komponente, die Sie vielleicht nicht sofort vermutet hätten.
Hinter diesem wissenschaftlich-sperrigen Begriff verbirgt sich das quantenphysikalische Prinzip, dass Objekten sowohl Eigenschaften von Wellen als auch von Teilchen zu eigen sein können. Oder salopp formuliert: Licht ist sowohl Welle als auch Teilchen, obwohl sich das gegenseitig auszuschließen scheint.
Solche scheinbaren Paradoxien finden wir nicht nur in der Quantenphysik, sondern auch in der Theologie. Es gibt nämlich auch eine Art theologischen Welle-Teilchen-Dualismus. Die ersten Theorien in diese Richtung wurden in der Bibel aufgestellt; und zwar immer dort, wo vom göttlichen Ursprung Jesu die Rede ist: „Am Anfang war das Wort. Das Wort bei Gott und das Wort war Gott“ (Johannes 1,1), wobei „Wort“ hier für Jesus steht.
Jesus war von Beginn der Schöpfung an da („Der Vater und ich sind eins“ Johannes 10,30). Dann aber „nahm [er] die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt.“ (Philipper 2,7).
Ja, was denn nun? Gott oder Mensch? Fisch oder Fleisch? Teilchen oder Welle? Für dieses Prinzip gibt es den theologischen Fachbegriff „hypostatische Union“, der besagt: Jesus ist beides. Gott und Mensch. Er verhält sich wie Welle und Teilchen, obwohl auch das sich scheinbar ausschließt.
Wie hübsch, dass dieses scheinbare Paradoxon sowohl in der Quantenphysik als auch in der Theologie in beiden Fällen für sich beansprucht, Licht zu sein („Ich bin das Licht der Welt“, Johannes 8,12). Ich mag solche Querverbindungen……
Wir Menschen neigen dazu, die Dinge so aufzudröseln, dass sie als Eindeutigkeiten für sich stehen. Mehrdeutigkeit oder gar Paradoxie macht uns nervös. Wir müssen der Sache dann auf den Grund gehen. Dafür gibt es unter anderem Quantenphysiker. Diese Wissenschaftler operieren mit Fragestellungen, bei denen dem Laien schwindlig wird (scrollen Sie für den Kick gerne noch mal zur Formel am Anfang zurück) und hantieren mit Gegenständen, die so winzig sind, dass sich selbst der sonst so limitierte menschliche Geist solche Beschränktheit nicht mehr vorstellen kann. Wer sagt „Ich glaube nur, was man sehen kann“, outet sich schon mal nicht als Wissenschaftler.
Wie kann man glauben, dass Jesus zugleich Gott und Mensch sei? Zugleich Licht-Teilchen und Licht-Welle? Fisch und Fleisch? Das kann man durchaus annehmen. Nur darf man dafür keine wissenschaftliche Formel erwarten…
Wie Jesus zugleich zwei Zustände annehmen kann und nach der Kreuzigung wie Schrödingers Katze zugleich tot und es mit der Auferstehung irgendwie doch nicht war – das dürfen wir gerne wissen mögen, sollten es aber nicht verstehen können wollen. Denn das ist, wie der Katzenzustand in der Quantenoptik im Übrigen, für die allermeisten Menschen nicht relevant.
Nicht das Wie bringt uns weiter, sondern das Warum. Denn es scheint eine weitere Eigenschaft Gottes zu sein, dass er nicht nur den menschlichen Verstand überstrapaziert, sondern dass man sich auch physisch derart an ihm reiben kann, bis man als Mensch verglüht. Gottes Antwort, als Mose bittet, ihn sehen zu dürfen: „Mein Gesicht kannst du jedoch nicht sehen, denn jeder Mensch, der mich sieht, muss sterben.“ (2. Mose 33,20)
Der Evangelist Johannes bezieht sich auf die physische Unfassbarkeit Gottes, als er sagt: „Niemand hat Gott je gesehen. Doch sein einziger Sohn, der selbst Gott ist, ist dem Herzen des Vaters ganz nahe; er hat uns von ihm erzählt.“ (Johannes 1,18).
Damit fasst er zugleich die Aufgabe zusammen, für die Jesus uns das Paradoxon, Gott und Mensch zu sein, zumutet. Wir können ihn für ein Teilchen halten, wir können ihn zur Welle erklären, aber wie das Licht uns erreicht, ist nicht wichtig, sondern dass. Jesus macht für uns sichtbar und erlebbar, was wir weder erklären noch begreifen, aber womit wir immer rechnen können: Gott selbst.” Kathrin Faludi/erf.de
Die Natur ist wie sie ist. Die physikalischen Formeln versuchen lediglich einen Weg zu finden das zu beschreiben, zu berechnen, mehr nicht. Es geht an die Grenzen des Verständlichen. Gott ist wie er ist. Er sagt „Ich bin“. Berechnen geht nicht, Verstehen wohl auch nicht. Unfassbar. Zitat von Blaise Pascal: „Es ist das Herz, das Gott spürt, und nicht die Vernunft. Das ist der Glaube: Gott spürbar im Herzen und nicht in der Vernunft.“
