Die Chinesin Mabel lebte als Ärztin in Peking. Weil sie sich um ihren kranken Bruder kümmerte, blieb sie unverheiratet. Als die Kommunistische Partei im Jahr 1949 an die Macht kam, wurde die hübsche Familienvilla beschlagnahmt. Jetzt musste Mabel in einer Gartenhütte leben. Weil sie als Christin bekannt war, galt sie den Behörden als verdächtig.
Während der Kulturrevolution (1966–1976) verlor Mabel auch ihre Stelle als Ärztin. Nun musste sie in einer Arbeiterkolonne harte körperliche Arbeit verrichten. Vor ihrer Wohnung wurde ein Schild aufgestellt, das sie anklagte, „imperialistische Schriften“ verteilt zu haben. Es handelte sich um Bibeln.
Mabel hatte so viel zu leiden, dass sie fast am Leben verzweifelte. Doch Gott richtete sie wieder auf. Später sagte sie: „Gott hat mir die Kraft zum Durchhalten gegeben; ich weiß selbst nicht wie.“ Nach dem Tod von Mao Tse-tung wurde das Leben wieder leichter. Mabel wurde zwar nicht rehabilitiert und erhielt ihr Haus auch nicht wieder zurück. Aber auf einmal bekam sie eine Flut von Besuchern – vor allem kommunistische Funktionäre. Und das Erstaunlichste war: Sie baten alle um Bibeln.
Alle gaben denselben Grund für ihr Kommen an: „Während der Kulturrevolution stand hier ein großes Schild. Sie waren angeklagt, Bibeln zu verbreiten. Vielleicht haben Sie ja noch welche.“ – Mabel konnte mit Christen Kontakt aufnehmen, die ihr Bibeln beschafften. So wurden durch die Treue dieser alten Frau zahlreiche Menschen dazu geführt, an Jesus Christus zu glauben.
Mabel sagt: „Es stärkt den Glauben, wenn man weiß, warum man leiden muss. Aber jeder Tag war hart. Und nicht immer habe ich die Nähe Jesu empfinden können. Aber Er hat mir die Kraft gegeben, weiterzugehen; und das war genug.“
‘Der Herr ist nahe’
