Pastor Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) war lange Jahre Leiter der nach ihm benannten v. Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel bei Bielefeld. Einer seiner Mitarbeiter erzählt folgendes Erlebnis: Der chirurgische Chefarzt von Bethel musste Vater Bodelschwingh in einem Fall bedauernd mitteilen, dass ein Patient nicht mehr zu retten sei. Da platzte Bodelschwingh mit der Frage an den Professor heraus: “Haben Sie schon gebetet um seine Rettung?”
Der Professor lächelte etwas mitleidig, und seine Assistenten taten das gleiche. Bodelschwingh sah darüber hinweg und meinte: “Also nein! Gut, dann will ich jetzt einmal die Sache mit Gott bereden!”
Wohl eine Stunde lang lag er in seinem Zimmer auf den Knien und betete. Dann ging er wieder in die Krankenstube des Patienten. Hier empfing ihn gleich die pflegende Schwester: “Herr Pastor, seit einer halben Stunde geht es dem Kranken ganz plötzlich auffallend besser!”
Nach einigen Wochen war der Kranke genesen. Da pochte in einer stillen Stunde der Professor an Bodelschwinghs Tür: “Herr Pastor, ich will ganz gewiss nicht wieder lächeln, wenn sie zum Beten auffordern!”
Er hört die Seufzer deiner Seelen
und des Herzens stilles Klagen,
und was du keinem darfst erzählen,
magst du Gott gar kühnlich sagen.
Er ist nicht fern,
steht in der Mitten,
hört bald und gern
der Armen Bitten.
Gib dich zufrieden!
Paul Gerhardt (1607-1676)
Veröffentlicht unter Die gute Saat
