Heute vor 70 Jahren. 5. März 1953 – Der sowjetische Diktator Josef Stalin stirbt in Moskau an den Folgen eines Schlaganfalls.

“Der Abend des 28. Februar war wie gewohnt verlaufen. Stalin fuhr mit den engsten Kampfgenossen Chruschtschow, Malenkow, Bulganin und Berija auf seine Datscha nach Kunzewo nahe Moskau, wo bis vier Uhr morgens gegessen und getrunken wurde. Die Gäste fuhren im Anschluss nach Hause.

Acht Stunden später, mittags um 12, rechneten die Leibwachen damit, dass Stalin aufsteht. Aber es rührte sich nichts. Auch in den nächsten Stunden nicht. Niemand wagte, nachzusehen. Denn Stalin zu überraschen oder zu stören, überhaupt irgendetwas ohne seinen Befehl zu tun, das konnte den Tod bedeuten. Um 22 Uhr sahen die Wachleute nach und fanden Stalin im Unterhemd auf dem Boden liegend: in seinem Urin, unfähig zu sprechen, aber bei Bewusstsein. Der Tyrann war Opfer seiner eigenen Schreckensherrschaft geworden. Weil er so viel Angst vor seinen unberechenbaren Launen verbreitet hatte, war ihm niemand früher zu Hilfe gekommen. Die vier inzwischen wieder herbeigeeilten Genossen, die in der Nacht zuvor noch mit ihm gezecht hatten, ahnten wohl, dass es mit Stalin zu Ende ging. Ganz sicher waren sie sich aber nicht, ob die Zeit schon reif war, sich als Nachfolger in Stellung zu bringen. Noch atmete Stalin ja. Womöglich war er noch betrunken. Doch die nach einigem Zögern herbeigerufenen Mediziner diagnostizierten einen Schlaganfall. Sie bemühten sich hektisch, Stalins Leben zu retten. Allgemeines Hoffen und Bangen begann, ob der sterbende “Unsterbliche” noch einmal die Augen öffnet, sein Vermächtnis verkündet oder sonst irgendein Zeichen gibt. So hat es Stalins Tochter Swetlana Allelujewa überliefert. Eine Szene, wie aus einem Horrorfilm oder einer surrealen Groteske. Mit einer Drohgebärde trat Stalin, der die Arbeiter und Bauern zu Kommunisten nach seinen Vorstellungen machen wollte, ab. Als wollte er die Zweifler ein letztes Mal warnen. Am 5. März 1953 stellten die Ärzte um 21:50 Uhr den Tod fest, der erst am nächsten Morgen offiziell bekannt gegeben wurde. Das Unfassbare war geschehen. Die Parteiführung rief das schockierte Volk zur Einigkeit und Geschlossenheit auf. “Wir hatten”, schrieb Ilja Ehrenburg, “völlig vergessen, dass Stalin ein Mensch war. Er hatte sich in einen allmächtigen und geheimnisvollen Gott verwandelt. Und nun war dieser Gott an Gehirnblutungen gestorben. Das erschien uns unwahrscheinlich.”

Stalins Tod stürzte die Sowjetunion in ein machtpolitisches und seelisches Vakuum. Denn weder war die Nachfolge des Diktators geregelt, noch war klar, wie es ohne ihn weitergehen könnte. Nikita Chruschtschow übernahm zunächst die Parteileitung, Jahre später wurde er auch Regierungschef. Er triumphierte beim Kampf um die Stalin-Nachfolge und warf sämtliche Rivalen, insbesondere den brutalen und gefürchteten Geheimdienstchef Lawrenti Berija aus dem Rennen.

Und er ließ den “Unsterblichen” endgültig sterben. Zum einen mit seiner berühmten Geheimrede im Jahr 1956, in der Stalins Verbrechen und der absurde Personenkult erstmals offiziell benannt wurden. Zum anderen mit seinem Beschluss, den einbalsamierten Stalin von Lenins Seite im Mausoleum zu entfernen.” Mdr.de

Stalins Tochter Swetlana Allilijewa wurde im März 1953 zu dem sterbenden Diktator auf dessen Datscha in Kunzewo gerufen und sagte über Stalins Ende: “Vater starb schrecklich und schwer. Gott gibt den Gerechten einen leichten Tod.”

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