
Du hast bestimmt schon einmal die Geschichte von den sechs Männern und dem Elefanten gehört. In der Geschichte stehen sechs Männer um einen Elefanten herum und berühren ihn beim Versuch, herauszufinden, was sie dort gerade fühlen. Ein Mann berührt den Bauch des Elefanten und denkt, es handele sich um eine Wand. Ein anderer ergreift sein Ohr und denkt, es sei ein Fächer. Ein anderer hält seinen Schweif für ein Seil. Und so geht es immer weiter, ohne dass einer der Männer darauf kommt, was sie tatsächlich befühlen. Was ist die Quintessenz dieser Geschichte? Was Gott betrifft, sind wir alle blind. Wir kennen einen Teil von ihm, aber wir wissen nicht wirklich, wer er ist. Niemand ist mehr im Recht als der andere. Stattdessen tappen wir alle im Dunkeln und meinen, wir wüssten mehr, als wir tatsächlich wissen.
Natürlich hat die Analogie zwei große Haken: Zum einen wird die Geschichte aus der Sichtweise von jemandem erzählt, der genau weiß, dass der Elefant ein Elefant ist. Damit die Geschichte überhaupt Sinn macht, muss der Erzähler eine präzise und klare Vorstellung von dem Elefanten haben. Der zweite Haken ist sogar noch fataler: Obwohl die Geschichte eine sehr gute Beschreibung der menschlichen Unfähigkeit, Gott mit unseren begrenzten Fähigkeiten zu kennen, ist, klammert sie die Frage aus, die unser Weltbild so erschüttert, nämlich: Was, wenn der Elefant spricht? Was, wenn er den blinden Männern sagt: „Diese wandähnliche Struktur ist meine Bauchseite. Bei dem Fächer handelt es sich in Wirklichkeit um mein Ohr. Und das ist kein Seil, das ist mein Schwanz.“ Würde man, vorausgesetzt, der Elefant hätte all dies gesagt, den sechs Männern dafür, dass sie seine Aussagen ignoriert haben, Demut bescheinigen? http://www.evangelium21.net
