Der Rocksänger Mick Jagger, ehemaliger Bürgerschreck und das Hirn der Rolling Stones, wird am Mittwoch 80 Jahre alt. Es hat lange gedauert bis ich in meinem Idol Mick Jagger das erkannt habe was er wirklich ist, ein Pfennigfuchser und Abstauber. Seine beiden Ex-Frauen Bianca Jagger und Jerry Hall lassen ja bis heute kein gutes Wort an ihm, es wird schon seine Gründe haben. Eigentlich lebt diese Gruppe noch heute von den Jahren 65 bis 73, schon ein erstaunlicher Umstand. Es wird auch berichtet, der von einem Hells Angel erstochene Fan (Altamont) habe zuvor eine Schusswaffe auf Mick Jagger gerichtet. Dass die drei weiteren Toten auf das Konto des Tumults vor der Bühne gingen ist so verkürzt aufgeschrieben nicht richtig. – Sie starben weit weg von der Bühne. Einer davon ertrank.
Die Stones kokettierten ja mit dem Satanismus – und auch deshalb akzeptierten sie damals die Hells Angels (!) als Ordner. – Das ging für sie mal nich so glimpflich aus. – Aber in Zukunft ließen sie dann die Hände vom praktischen Satanismus.. Sie haben aus Altamont – auch spirituell – gelernt. Die Standard-Bühnenabsage der Stones lautet: Good night – ’n‘ God bless you! – Das ist aber keine 180 Grad Wende.
Das jüngste Kind Jaggers ist noch zu jung für die Schule. Kürzlich hat Jagger (nicht die Band) einen Song über die Covid–Zeit und sonstige Plagen gemacht. Die Stones waren auch Impf-Befürworter. Es gab sogar Impf-Stationen bei ihren Konzerten. Auf dem Plakat darüber stand ein Zitat aus You Can’t Always get What You Want: You Get What You Need! – Need = Anspielung auf die Covid-Needle – – – sehr dunkle Ironie das von einer Band, die zu Zeiten kollektiv auf Heroin war. – Oh ja: Der nette Charlie Watts, Gott hab‘ ihn selig, auch – der auch. Auch der Jagger. Er hat überlebt.
Mit ihm ist die 68er „LOVE & PEACE“ – Bewegung ist gescheitert und kommerzialisiert worden. Mick Jagger und Co. sind heute ganz gewöhnliche reiche Männer. Die 2019er FFF-Bewegung wird genauso scheitern.
Mick Jagger kann ganz entspannt sein im Jahr 1964: Sollte seine Karriere als Sänger der Rolling Stones den Bach runter gehen, dann werden sie ihn wieder an der London School of Economics nehmen, die er abgebrochen hat. Die Professoren waren so begeistert von dem fleißigen, pflichtbewussten Schüler, dass sie signalisiert haben: Der darf wiederkommen, wenn er sich ausgesponnen hat. In einem Interview sagt der 21-Jährige über sein Musiker-Dasein: „Ich mache das jetzt schon zwei Jahre – und es läuft ganz gut. Ich denke, wir sind für ein weiteres Jahr oder so ganz gut aufgestellt.“
Mick Jagger und seine Band waren für ein paar Jährchen länger gut aufgestellt, wie man weiß – zusammen haben die Stones heute fast 300 Jahre auf dem Buckel und 300 Millionen Platten verkauft. Und von wegen ausgesponnen: Der Mann, der heute 78 Jahre alt wird, wurde zur Ikone, zum ersten bösen Buben des Rock, von Gott begnadet oder vom Teufel, wer weiß das schon. In den Sechzigern waren sein Aussehen – dicke Lippe, Knackpo, lässige, bei James Brown abgeschaute Tanzschritte – und seine Stimme das Synonym für jugendliche Revolte. Seine Texte handeln von Drogen und Sex und anderen Dingen, die zuvor nicht öffentlich verhandelt worden waren.
Michael Philip Jagger wurde im Londoner Vorort Dartford geboren, weil es seine Eltern 1943 während der deutschen Luftangriffe nicht mehr nach London hinein geschafft hatten. Man meint die Bomber und Sirenen noch im Song „Jumping Jack Flash“ zu hören: „I was born in a cross-fire hurricane“, singt Jagger da. Ein Problemkind war der spätere Rebell freilich nicht. Und selbst in seinen wüsten Zeiten hatte der verhinderte Wirtschaftsstudent ein Auge aufs Geschäft. Mochte sein Songwriting-Partner Keith Richards noch so sehr eintauchen in den Drogensumpf – Jagger riskierte bei Wein, Weib und Gesang nie zu viel. Er ist das Hirn der Stones, Richards das Herz.
Vielleicht waren die Rollen in der Grundschule schon verteilt. Richards, so heißt es, habe Cowboy werden wollen, Jagger habe sich einen roten Sportwagen erträumt. Als sich die beiden einige Jahre später auf Bahnsteig 2 im Bahnhof von Dartford wieder begegneten, hatte der Lehrersohn Jagger einen Stapel Blues-Schallplatten unter dem Arm. Man kam ins Gespräch – und das nach Lennon/ McCartney wohl zweitwichtigste Songwriting-Gespann in der Geschichte der Popmusik war geboren: die Glimmer Twins.
Eine Autobiografie von Mick Jagger gibt es nicht. „Ich schaue lieber nach vorne als zurück“, sagt er. „Ich will nicht enden wie ein alter Fußballer, der im Pub erzählt, wie er 1964 im Finale die entscheidende Flanke geschlagen hat.“ Überhaupt gibt Jagger erstaunlich wenig von sich preis. Keith Richards sagt: „Mick hält eine Menge zurück. Er besinnt sich auf die Zeit, in der er nur Mick Jagger war, nicht der Star.“ Seine Distanz mache sein Charisma aus, befand einmal die Zeitschrift „Vanity Fair“. „Mick Jagger gehört zu den berühmtesten Menschen der Welt, aber wer ist er wirklich? Weiß er es überhaupt selbst?“ Davon darf man wohl ausgehen. Auch davon, dass er mit seiner Karriere ganz zufrieden ist. Sollte das nicht der Fall sein, könnte der Rebell, der heute so sehr im Establishment angekommen ist, dass er von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, wieder an der London School of Economics anfangen. Dort haben sie ihn mittlerweile zum Ehrenmitglied ernannt. Merkur.de
Segenswunsch zum 80. Geburtstag und die Erkenntnis aus Psalm 90:
“Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.” Psalm 90
