Der Schriftsteller Martin Walser ist im Alter von 96 Jahren gestorben.

“An der Glaubensfrage kommen wir dabei nie vorbei. Gott oder nicht Gott bleibt eine entscheidende Frage, deren Beantwortung nach Barth oder Kierkegaard nie positiv abzuschließen ist.”

“Früher fühlten sich die Menschen einer religiösen Gottheit gegenüber verpflichtet, eine Rechtfertigung vorzubringen”, so Walser. “Sie konnten sich nicht selbst rechtfertigen. (…) Deswegen benötigten sie dazu eine höhere Instanz. Schließlich entstanden daraus die Religionen mit ihren unterschiedlichen Moralvorstellungen, weil die Menschen als solche sich nicht selbst rechtfertigen konnten.”

“Wenn dieses Glaubensproblem in einem Menschen einmal wach geworden ist, kann er nicht mehr so einfach zur Tagesordnung übergehen wie ein bekennender Atheist. (…) Hinter uns liegen nun 2000 Jahre, die von der offenen Frage nach einem Gott geprägt sind. Die völlige Beruhigung im heutigen Atheismus, also auch von Intellektuellen, halte ich geradezu für eine Vernichtung unserer Geistesgeschichte. (…) Weil wir dann sagen müssten, dass die ja alle nicht ganz bei Trost waren. Wir können doch nicht über 2000 Jahre lang die Gottesfrage so wichtig nehmen und dann zur Tagesordnung übergehen und behaupten, sie interessiere uns nicht.”

Auf die Frage, was für ihn Jesus Christus bedeute, antwortet Walser: “Wenn Sie gestatten, kann ich darauf eigentlich nicht antworten. Er ist einfach so viel, in jedem Alter etwas anderes. Ich kann nicht sagen, was er für mich ist. Daran, dass er die größte Herausforderung in unserer erlebbaren Geschichte ist, kann kein Zweifel sein.” (pro)http://www.theeuropean.de/martin-walser/9984-rechtfertigung-religion-und-atheismus

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