Eine Dame kam gerade in dem Augenblick an einem Wirtshaus vorbei, als der Wirt einen jungen Mann zur Tür hinauswarf. Das Gesicht des Mannes zeugte von dem Laster, dem er frönte. Mit geballten Fäusten und wilden Flüchen drohte er, sich an dem Wirt zu rächen. Die gläubige Frau trat auf den Mann zu, legte die Hand auf seinen Arm und fragte, was geschehen war. Zuerst stand der junge Mann da, als habe ihn der Schlag getroffen. Dann wandte er sein Gesicht der Dame zu, indem er am ganzen Leib zitterte. Etwas erleichtert, wie es schien, aber mit einem Seufzer, sagte er: „Ich glaubte, es war die Stimme meiner Mutter. Sie klang so ähnlich. Aber sie ist schon lange tot.“ „Sie hatten also eine Mutter, die Sie liebte?“, fragte die Dame. „Ja, ich hatte eine Mutter, die wie ein Engel war“, antwortete der junge Mann und brach in Tränen aus. „Sie hatte mich lieb. Aber jetzt will niemand mehr etwas von mir wissen.“ Mit sanfter Stimme wies die Christin den jungen Mann auf den hin, der nicht aufhört, uns zu lieben. Und ihre Worte erweckten im Herzen des jungen Mannes Erinnerungen, die längst unter dem Unrat des Sündenlebens verschüttet gelegen hatten. Als die Dame weiterging, folgte ihr der junge Mensch und merkte sich ihre Wohnung. Jahre vergingen. Die Frau hatte den Vorfall längst vergessen. Da meldete sich ein Fremder bei ihr. Ein anständig gekleideter Herr begrüßte sie und sagte, er sei von weit hergereist, um ihr für einen großen Dienst zu danken, den sie ihm vor langer Zeit erwiesen habe. „Ich habe mich wohl sehr verändert, dass Sie mich nicht mehr erkennen. Aber ich würde Sie immer wiedererkennen, denn Ihre Stimme ist so ähnlich wie die Stimme meiner Mutter.“ Da erinnerte sich die Frau an jene Begegnung mit dem jungen Mann, der auf dem Weg des Verderbens gewesen war, weil er meinte, niemand habe ihn noch lieb, und den die Erinnerung an die Stimme seiner Mutter gerettet hatte.
Hast du auch eine Stimme der Liebe, die zu retten vermag?
Missionsbote
