Megatrend: Der Trend zur Gottesferne
Es gibt immer mehr Menschen, die konfessionslos und wohl auch religionslos glücklich sind. Sie können mit „Gott“ nichts anfangen; oder sie verstehen unter „Gott“ ein Konstrukt, das sie selbst nach eigenem Gutdünken passend zu ihrem Leben zusammen basteln. Ganz im Sinne einer Baumarktkette: „Respekt, wer’s selber macht.“ Eine Kirche, die ihr Kerngeschäft der biblischen Gottesbeziehung vernachlässigt, verliert den großen Goldschatz, der sie reich und einzigartig macht: den Goldschatz einer unendlichen Geborgenheit, die Gott in Jesus Christus schenkt und die zur Selbst- und Nächstenliebe befreit. „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir, o Gott“ (Augustin).
Megatrend: Der Trend zum Zerfall der Gesellschaft
Unsere gegenwärtige Gesellschaft zerfällt durch immer mehr Konfliktthemen, in denen Menschen durch machtvoll ausgetragene Moraldebatten in Schwarz-Weiß-Lager auseinander dividiert werden. Statt politischen Pluralismus als Bereicherung wertzuschätzen, werden Andersdenkende diffamiert und ausgegrenzt.
Doch gerade an diesem Punkte versagt die EKD jämmerlich. Statt durch das Bekenntnis zu einem übergeordneten Dritten das gesellschaftliche Miteinander zu stärken, gießen die Kirchen polarisierendes Öl ins Feuer:
- „Klimagerechtigkeit durch Tempolimit“,
- „Impfen ist Nächstenliebe“,
- „2G-Apartheidsgottesdienste“, „keine AfD auf dem Kirchentag“,
- „Gendern in Kirchenzeitungen selbst bei Artikeln, die ungegendert eingereicht werden“, „kirchliche Schiffe zur Seenotrettung im Mittelmeer“,
- „gemeinsamer Kampf mit der Antifa gegen Rechts“,
- „Waffen in die Ukraine als Christenpflicht“.
Solche einseitige Kirchenpolitik verstärkt die gesellschaftlichen Spaltungen und zementiert sie klerikal-spirituell. Zudem trägt die Kirche die gesellschaftlichen Spaltungen in ihre eigene Institution hinein. Damit zerstört sie sich selbst als Volkskirche, indem sie sich als politisch tendenziös-illiberale Gesinnungskirche positioniert.
Megatrend: Der Trend zur Individualisierung und Institutionsfeindlichkeit
Wenn schon der christliche Gott nicht für sich alleine sein will, sondern trinitarisch-dialogisch orientiert ist, dann ist es konsequent, dass auch Jesus Christus niemals privat-individualistisch gewirkt hat, sondern immer nur inmitten einer Jüngergemeinschaft. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (Genesis 2,18), gilt auch für unseren Glauben, damit wir nicht im eigenen Mief ersticken.
Dabei schält sich heraus, dass die kirchliche Organisationsform der traditionellen Volkskirche an ihr Ende kommt. Antikirchliche Megatrends und schwere kirchliche Fehler auf Makro- und Mikroebene scheinen diesen Trend zu besiegeln. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Menschen, die von Jesus Christus und seiner Botschaft berührt sind, in Zukunft institutionell, analog und digital organisieren werden. Die Zukunft der Kirche wird bescheidener sein; vielleicht sogar bis hin zu kleinen „Wohnzimmerkirchen“ wie in den Anfängen der Christenheit. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass Gott weiterhin Wunderbares in Menschen bewegen wird. Der christliche Glaube ist keine Asche, sondern auch im 21. Jahrhundert ein Goldschatz für Geborgenheit, Freiheit und Hoffnung. Von Achija Zorn/TE
