“Eine der schrecklichsten Ideen der Menschheitsgeschichte ist jene des besseren oder neuen Menschen. Sie verleiht den ungeheuerlichsten Schandtaten die infame Dignität des Befugten, ja Heroischen. Der Weg zum besseren Menschen fordert seine Opfer. «Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerschlagen», lautet die Lenin zugeschriebene Devise. Viele, sehr viele Eier, dafür sorgte Stalin. Dafür sorgten Mao, Pol Pot und all die anderen mörderischen Eierzerschläger.” NZZ
Transhumanismus ist der Versuch, mit technischen Mitteln die leiblichen und seelischen Grenzen des Menschen – Krankheit, Alter und Tod – aufzuheben. Unsere menschliche Allmachtsphantasie beherrscht unsere Gesellschaften (Klima, Krieg, Gendern, etc.). Wir sehen uns als Herrscher über die Erde und alles, was auf ihr kreucht und fleucht und wollen sie durch Gewalt oder Manipulation nach unseren Vorstellungen prägen. Wir versuchen ja nicht einmal mehr, im Einklang mit der Natur zu leben. Wir als Menschheit kommen immer mehr von unserem eigenen Wesen ab. Technologie, “Fortschritt” und Optimierung (nach welchen Gesichtspunkten eigentlich?) sind unsere neuen Götter. Im anderen Menschen wird immer mehr das Unperfekte gesehen und die Bedrohung unserer eigenen Verletzlichkeit. Da kommt einem nicht nur Russland, China, Nordkorea in den Sinn, sondern auch die zunehmend überregulierte Bundesrepublik, von der EU ganz zu schweigen (Rauchen im Freien soll auch reguliert und verboten werden?). Das reale – heute oft übergriffige – Handeln der Staaten (Legislative und Exekutive) weist doch darauf hin, dass wir gefangen und gelenkt sind, mittels immer mehr Vorschriften und Urteilen. Ehemal freie Menschen werden als lenkungsbedürftige (so vielen Risiken und Ungerechtigkeiten ausgesetzte und daher staatlich zu schützende) Herdenwesen angesehen. Freie Individuen gibt es nicht mehr, selbst im unserer halbdirekten und sterbenden Demokratie!
Die Ideen des «Neuen Menschen» endeten immer in einer Menschheitskatastrophe. Doch diese Ideen leben fort, nur werden sie heute technologisch angegangen. Dieser digitale Leninismus, Absolutismus oder Kommunismus wird heute Transhumanismus bezeichnet. Die Handy-Menschen gehen ja schon wie an einer digitalen Leine durch die Welt. Die digitalen Erlösungsphantasien des Transhumanismus werden wieder scheitern. Es sei höchste Zeit für eine Entzauberung jener techno-utopischen Heilsversprechen. Wer entzaubert diesen Unsinn? Gott selbst.
“Aus christlicher Sicht mutet das Grundprogramm des Transhumanismus als von vornherein veraltet an. Denn es ignoriert zum einen die althergebrachte Erfahrung, dass die Unvollkommenheiten des Menschseins mit der philosophischen und theologischen Frage nach dem Vollkommenen zu tun hat, also keine Frage der Technik ist. Zum anderen übersieht es, dass das Werk der Erneuerung und Vervollkommnung des Menschen durch die Menschwerdung des göttlichen Logos in Jesus Christus längst in Gang gesetzt ist (Joh 1,14) und auch nur von Gott selbst final bewerkstelligt, ja geschenkt werden kann. Die diesbezügliche transhumanistische Blindheit erklärt sich von der positivistisch-atheistischen Orientierung her, die einen anderen, nicht nur zweifelhaften, sondern insgeheim verzweifelt anmutenden Glauben an den Sinn des menschlichen Daseins zum Ausdruck bringt. Dem Transhumanismus wohnt ein nihilistischer Impetus inne, der unserer Kultur auf die Dauer gefährlich werden dürfte.” Werner Thiede

