Ein Stern, der vor den drei Weisen herzieht und sie nach Bethlehem führt? Das klingt doch nach purer Fantasie!
„Herodes ließ sich von den Sterndeutern genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten … machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ (Mt 2, 9-10)
Sicher die überraschendste Bestätigung der Weihnachtsgeschichte nach Matthäus ist der Stern von Bethlehem: Es hat ihn wirklich gegeben. Tatsächlich kommt es seit 7 v. Chr. zu einer Reihe spektakulärer Himmelsphänomene, die nach den Regeln der antiken Astrologie die Geburt eines bemerkenswerten Menschen ankündigen. Da ist zunächst die Saturn-Jupiter-Konjunktion, die einige Forscher für den Stern von Bethlehem halten: Dreimal kommen sich 7 v. Chr. die Planeten sehr nahe. Tatsächlich sahen die Astrologen darin ein Zeichen für die Geburt eines Königs (Jupiter) im „Westland“ (Levante) bzw. bei den Juden, die man für Anbeter des Saturn hält, weil sie den Saturntag (Samstag) heiligen. Dann, 6 v. Chr., wird eine dreifache Konjunktion von Jupiter, Saturn und Mars im Sternbild Fische beobachtet, was auf eine „neue Ära“ hindeuten soll. Am 20. Februar 5 v. Chr. schließlich kommt es zu einer Konjunktion von Mond und Jupiter auf der einen und Saturn und Mars auf der anderen Seite des Nachthimmels: „Ein großer König wird geboren und steigt auf, um über Israel zu herrschen und das Böse zu bekämpfen“, deuten antike Astrologen die Konstellation. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen die Magoi aufgehorcht haben.
Wenige Wochen später ereignet sich die eigentliche Sensation am Nachthimmel: Im Sternbild Adler flammt eine Supernova auf, wie der britische Astronom Prof. Mark Kidger chinesischen und koreanischen Aufzeichnungen entnimmt. Eine Supernova ist eine Sternenexplosion, doch dem Beobachter erscheint sie wie die Geburt eines Sterns. So findet sich im „Protevangelium“ eine präzise Beschreibung einer Supernova: „Wir sahen einen gewaltigen Stern, der leuchtete unter den anderen Gestirnen auf und ließ ihr Licht erblassen.“ Das ist Mitte März 5 v. Chr.; in eben dem Monat, in den die frühen Christen die Geburt des Herrn datieren.
Für die Magoi, deren Gott Ahura Mazda mit Adlerschwingen dargestellt wird, ist die scheinbare Sternengeburt im Adler ein eindeutiges Zeichen – der Heilbringer muss geboren sein. Die vorausgegangenen Himmelszeichen haben immer wieder auf Israel verwiesen. So setzen sie sich in Bewegung, legen die 1700 Kilometer nach Jerusalem in rund 50 Tagen zurück. Natürlich zieht die Supernova ihnen nicht wirklich voran. Doch nach den Gesetzen der Himmelsmechanik würde ein Stern, der im Osten auftaucht, jede Woche eine halbe Stunde früher am Nachthimmel erscheinen, bis er, nach zwei Monaten, exakt im Süden steht. Als sich die Magoi also Mitte Mai 5 v. Chr. von Jerusalem aus ins südlich gelegene Bethlehem aufmachen, müssen sie den Stern direkt vor sich gehabt haben! Tatsächlich geht aus den chinesischen und koreanischen Aufzeichnungen hervor, dass die Supernova gut neun Wochen lang am Himmel sichtbar gewesen ist – also nur, bis die Sterndeuter Bethlehem erreicht haben! Hesemann
