Warum werden immer diese drei besonders inhaltsreichen Strophen vom Lied Stille Nacht! Heilige Nacht ausgelassen?

3. Stille Nacht! Heilige Nacht!

Die der Welt Heil gebracht,

Aus des Himmels goldenen Höh´n

Uns der Gnaden Fülle lässt seh´n

Jesum in Menschengestalt!

Jesum in Menschengestalt!

4. Stille Nacht! Heilige Nacht!

Wo sich heut alle Macht

Väterlicher Liebe ergoss

Und als Bruder huldvoll umschloss

Jesus die Völker der Welt!

Jesus die Völker der Welt!

5. Stille Nacht! Heilige Nacht!

Lange schon uns bedacht,

Als der Herr vom Grimme befreit,

In der Väter urgrauer Zeit

Aller Welt Schonung verhieß!

Aller Welt Schonung verhieß!

Das hat ein kleiner Geistlicher 1816 geschrieben und ein kleiner Lehrer 1818 vertont – in einer Zeit nach den Schrecken der napoleonischen Kriege, einer Zeit der drastischen Restauration und überdies durch den Ausbruch des Vulkans Tambora mit dem „Jahr 1816 ohne Sommer“ und folglich tausenden Hungertoten dramatisch belastet.

„Vom Grimme befreit“! „Uns der Gnaden Fülle lässt seh´n“! „alle Macht – väterlicher Liebe“! „als Bruder“! „der Welt“! „die Völker der Welt“! „Aller Welt“! Da wird uns geboten: ein Denken und Empfinden froher Botschaft, nicht in kirchenrechtlich, kirchenmächtig, strafängstigende Vorschrift verpackt! In direkter und nicht zwangsvermittelter Gottesverbindung des Einzelnen und der Gemeinschaft! Zu wirklichkeitstauglich erlebter Macht der Liebe und gelebter Brüderlichkeit!

Die Worte Joseph Mohrs haben auch 2012 höchste Aktualität. Zur Entwicklung ihrer Umsetzung ist freilich noch eine längere Wegstrecke zurückzulegen und sind unablässige Anstrengungen zur Bewahrung des Errungenen vonnöten – im Bemühen um unverkürzte und unverfälschte Nachfolge Jesu Christi! R.H.

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