“Was ein Hippie ist, weiß Ronald Reagan ganz genau. “Ein Hippie ist jemand, der aussieht wie Tarzan, geht wie Jane und riecht wie ihr Schimpanse Cheetah”, verkündet der einstige TV-Cowboy und Gouverneur von Kalifornien seinen vorwiegend besorgten Landsleuten Mitte der 60er Jahre in einer Rede. Das beruhigte Gelächter des Establishments ist ihm gewiss.
Wovor Reagans Zuhörer Angst haben, sind ihre eigenen Kinder. “Tausende von jungen Menschen werden diese amerikanische Gesellschaft mit ihrer Verlogenheit, ihrem billigen Schein und ihrer Fernsehkultur einfach nicht mehr mitansehen können“, prophezeit der Autor und Ur-Hippie aus der “Beat Generation” Allen Ginsberg der alten und der neuen Generation von US-Bürgern. Für kurze Zeit behält er recht.
Gelebte Utopie
Skandalautor Ginsberg ist einer der Gäste, die am 7. August 1965 von Los Angeles aus auf der Route 1 die Küste entlangbrausen, um bei San Gregorio zum Haus von Ken Kesey in La Honda abzubiegen. In seinem Buch “Einer flog über das Kuckucksnest” hat sich Kesey vor drei Jahren mit dem menschenverachtenden Psychiatriesystem der USA auseinandergesetzt. Jetzt hat der bekennende LSD-Konsument zu einer rauschenden Party geladen. Vor Ort überrascht Kesey seine bewusstseinserweiterten Gäste mit einer Lichtershow und Ginsberg jault stundenlang Hindugesänge ins Mikro, danach wollen alle die Welt verbessern. Aber zunächst einmal wird der Trupp von lauernden Polizisten abgefangen und gefilzt.
Neben Ginsberg, seinem Dichterkollegen Hunter S. Thompson und Mitgliedern der Motorradgang “Hells Angels” sind auch die Aktionskünstler der Gruppe “Merry Prankers” auf Keseys Fete. In einem bunt bemalten Tourbus reisen sie fortan durchs Land, um ihre Mission von unendlicher Freiheit zu verkünden – bevor sie 1967 nach Los Angeles zurückkehren. Dort haben sich nach der Initialzündung von La Honda bereits andere Hippies angesiedelt. Es ist der “Summer of Love”: mit Konzerten, Festivals und Lesungen, kostenlosen Mittagsessen, freier Liebe und freier medizinischer Versorgung im Hippie-Viertel Haight-Ashbury. Eine gelebte Utopie.
Teuflisches Ende
Im Spätsommer 1967 sieht die Lage schon anders aus. Dem Ansturm der Jugend aus aller Welt sind die Ur-Hippies nicht gewachsen. Harte Drogen haben in die Szene ebenso Einzug gehalten wie Gewalt. Auf einer symbolischen Beerdigung tragen die Väter der Bewegung den angesagten Begriff des “Hippies” zu Grabe. Am Beginn des Trauerzugs marschiert Allen Ginsberg, der schon bei der legendären Party in La Honda ganz vorne mit dabei war.
Ebenso wie die Rocker der “Hells Angels”, die dem Flower-Power-Gedanken 1969 bei einem als Gegenstück zu Woodstock geplanten Konzert der Rolling Stones auf dem Altamont Speedway bei Livermore in Kalifornien endgültig den Garaus machen. Als Ordner engagiert, prügeln sie sich ausgerechnet zum Song “Sympathy For the Devil” durch die Ränge. Und erstechen den Schwarzen Meredith Hunter direkt vor der Bühne.” WDR.de
Dieser Bewegung bin ich dann verspätet beigetreten. Die scheinbare Freiheit hat mich als Teenie begeistert. Durch die Gnade Gottes fnd ich wieder heraus aus dieser totalen Verirrung.
Eine Geschichte dazu:
Ein Hippie sitzt in Amsterdam auf dem Bürgersteig mit einer Bibel auf dem Schoß.
Dies allein ist schon auffällig. Der geneigte Leser wird sicher noch mehr staunen, wenn er erfährt, dass der Hippie in dieser Bibel mit größter Aufmerksamkeit liest. Ein so richtig ungewöhnliches Bild ergibt sich aber erst dadurch, dass jener Hippie von Zeit zu Zeit lauthals Sachen ausruft wie: „Halleluja“, „Gott ist groß“ und „Preist den Herrn!“
Über diese ungewohnte Szene staunt dann auch ein junger, dynamischer Theologe, der zu eben dieser Zeit zu einem Kongress historisch-kritischer Bibelauslegung in Amsterdam weilt. Natürlich kennt dieser junge Menschenfreund alle sektiererischen Richtungen ekstatischen Christentums und denkt sich, dass er doch diese Gelegenheit beim Schopf packen sollte, der Verwirrung Einhalt zu gebieten.
Und so hockt er sich milde zu jenem Hippie und befragt ihn, was denn Grund seiner freudigen Ausbrüche sei.
„Ja“, sagt der Hippie, „ich lese gerade in der Bibel.“ Da dies für unseren Jung-Bibelprofi gerade kein Grund für solchen Überschwang ist, bemüht er sich redlich, sanft dem tieferen Grund nachzuspüren. Und so erfährt er nach einigen „Halleluja“ und „Gott ist gut“, dass der Hippie gerade über Mose liest: „Gott tut ein Wunder nach dem anderen. Da hat dieser herrliche Gott das Rote Meer geteilt und das ganze israelische Volk konnte sicher hindurch auf der Flucht vor den Ägyptern.“
Nun wäre unser Theologe kein Freund der Menschen, wenn er nicht auch diesem verwirrten Hippie auf den rechten Weg helfen könnte. Denn Wunder kann man natürlich heute erklären. Und so zitiert er Quelle um Quelle wissenschaftlicher Arbeiten und beweist dem Hippie wortgewandt, dass alle Wissenschaft zeigt, dass das Rote Meer damals nicht mehr als eine 7 cm tiefe Pfütze war. Und der Hippie ist tatsächlich heilsam berührt. Kein Halleluja kommt mehr über seinen Mund, mit langem Gesicht dankt er seinem aufklärerischen Wohltäter und starrt leer auf seine Bibel. Unser Theologe dagegen setzt beschwingt seinen Weg fort, wieder eine gute Tat getan, eine Schlacht gewonnen.
Doch diesmal kommt er nicht weit. Kaum langt er an der nächsten Ecke an, da hört er von hinten den Hippie wieder, lauter und überschwänglicher als zuvor klingt sein „Halleluja“ durch die Straße.
Über so viel Unverstand gerät unser Theologe verständlicher Weise in Rage, stürmt zurück und fährt den Hippie an, was denn nun schon wieder Grund seiner Lautäußerungen sei. Wieder dauert es ein paar „Halleluja“, diesmal sogar mehr als beim letzten Mal, bis der Theologe erfährt, dass der Hippie eben weiter gelesen hat. Bis hierhin kann der Theologe folgen, jedoch ergibt es für ihn noch wenig Sinn. Dann aber erfährt er die Einzelheiten, und auch wenn uns seine Reaktion nicht überliefert ist, mag der Leser getrost annehmen, dass es ihn deutlich angeschlagen hat: „Gott hat ein noch viel größeres Wunder getan: Er hat das gesamte ägyptische Kriegsheer in einer 7 cm tiefen Pfütze ertrinken lassen…“

Die Geschichte ist super. Danke Ali
Waren ja welche.