“Ann Jarvis, die «Mutter» des Muttertags, würde sich im Grabe umdrehen, hatte sie die Geschäftemacherei doch schon zu Lebzeiten auf die Palme gebracht. Gegen alle, die aus «ihrem» Ehrentag Kapital schlagen wollten, führte die einst umjubelte Initiatorin des Muttertags bis zu ihrem Lebensende Prozesse, wenn auch vergeblich.
Noch im hohen Alter soll der Methodistin beim Anblick eines Blumenladens die Zornesröte ins Gesicht gestiegen sein. «Die Leute machen ein Geschäft aus meinem Muttertag. Es sollte ein Tag des Herzens werden, nicht des Geldbeutels», wetterte sie erbost über das Treiben.
Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen: Als ihre geliebte Mutter am 7. Mai 1906 verstarb, war Ann Jarvis todtraurig. Trotz allem Vermögen, das die Mutter der Tochter hinterlassen hatte, war die Welt leer geworden. Als sich der Todestag der Mutter zum ersten Mal jährte, wurde ihr klar: Alle Mütter haben einen Ehrentag verdient – und zwar zu Lebzeiten. Vor 105 Jahren erklärte sie deshalb die Etablierung des Muttertags zu ihrem persönlichen Lebensziel.
Ein Jahr später bat die gläubige Christin ihren Pastor, am Todestag über die Mutterrolle in der Gesellschaft zu predigen. Die Ansprache fand großen Anklang. Jarvis verteilte zudem am Ende des Gottesdienstes weiße Nelken an die Kirchgänger – und war am nächsten Tag Gesprächsthema der Stadt. Die Idee von einem Gedenktag für alle Mütter verbreitete sich rasch.
Ermutigt von dem Erfolg, legte Jarvis erst richtig los: Sie schrieb Briefe an hochgestellte Persönlichkeiten in aller Welt, warb auf Flugblättern für den Ehrentag. Zunächst wurde sie für ihr Engagement belächelt. Das änderte sich bald: «Als sichtbaren Ausdruck unserer Liebe und Verehrung für die Mütter unseres Landes» erklärte 1914 der US-Kongress den zweiten Sonntag im Mai zum offiziellen Nationalfeiertag.
In Deutschland gibt es den Muttertag seit 1923: «Gedenke Deiner Mutter Güte, schenk ihr eine frische Blüte.» Mit diesem Slogan warben Floristen damals. Ein gewisser Rudolf Knauer soll von der amerikanischen Idee so begeistert gewesen sein, dass er sie nach Deutschland importierte. Jedoch nicht als treusorgender Sohn, sondern als cleverer Geschäftsmann und Beauftragter des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber. 1925 machte Reichspräsident Paul von Hindenburg den Muttertag zum gesetzlichen Feiertag.” KNA
Die beste Bibelübersetzung verdanke ich meiner Mutter. Sie übersetzte die Bibel in das Leben.
John Thiessen
