Die Arenen als sakrale Räume, Verehrungs-Rituale auf den Rängen, der sprichwörtliche „Heilige Rasen“ als Austragungsgort kultischer Handlungen: von den weihevollen Eröffnungszeremonien zu Beginn bis zur Danksagung der Mannschaft vor dem Fanblock erinnern auch die Spiele der Fußball-Europameisterschaft stark an religiös-liturgische Riten. Es ist auffällig, dass die Gegenwart der religiösen Idee aus dem Geist der Anbetung von der Kirche auf den Fußballplatz gewandert ist. Während die Stadien von München bis Berlin zur EM aus allen Nähten platzen, platzt mitten in die feierselige Fußballstimmung die Nachricht von den aktuellen Austrittszahlen der katholischen Kirche. Der heilige Schauer mit Weihrauch und Orgelklang ist der Gänsehaut mit Pyro und Hymnen gewichen. Die Fans spüren den ins Religiöse gewendeten Bedeutungsüberschuss ihrer Fankultur. Erklären könnten sie ihn wohl nicht. Es ist ein Geheimnis, welches die eigentliche Kraft entfaltet. Das Kreuz ist Ball geworden. Das Profane und das Religiöse konvergieren. Es ist ein Kennzeichen unserer Zeit, dass die Sehnsucht der Menschen nach Sakralität und Transzendenz neue Ausdrucksformen gefunden hat. Explizit Weltliches erfährt religiöse Aufladung. /Henry C. Brinker/Die Tagespost
Wie warnt uns die Bibel durch Johannes: “Kindlein, hütet euch vor den Götzen.”
