Die letzten Tage des Erlösers

Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem… Denn der Menschensohn wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten.“ Lukas 18,31f

Jesus war ein besonderer Mensch. Er heilte Kranke, er liebte wie kein anderer und hatte eine Ausstrahlung, dass Menschen – ohne ihn zu kennen – alles liegen ließen. Doch sein Leben war nur Teil seiner Botschaft und wer ihn zum bloßen Lehrer degradiert, der hat das Ziel seines Lebens nicht verstanden: Er sagte immer wieder, dass er nach Jerusalem gehen muss und dort getötet wird. Er richtete sich immer wieder danach aus, dass er ein Ziel und eine Botschaft hatte: Ich werde für die Menschheit sterben. Dieser Botschaft stellte er sich mit einer Entschlossenheit, die nicht einen Augenblick seine Leidenschaft vermissen ließ.

Und er machte sein Angesicht hart wie einen Kieselstein.“ Jesaja 50,7

Es ist Sabbat in Jerusalem, ein Tag, an dem alle ruhen. Menschen auf der Straße, spielende Kinder in den Gassen und der Wohlgeruch von Blumen füllt die Engen der Stadt auf dem Berg. Plötzlich durchbricht die Ankunft eines Menschen die Harmonie, die Leute laufen zusammen und heißen den Menschen willkommen, der in ganz Israel für Aufruhr gesorgt hatte. Es hieß, er habe Kranke geheilt, Blinde sehend gemacht und Tote sind durch sein Wort lebendig geworden. Er, ein Gerechter und Helfer, kommt und reitet auf einem Esel, einem Füllen der Eselin, und sämtliche Majestät, die ihm durch Gerüchte vorauseilte, geht ihm abhanden. Doch in seinem Gesicht liest man Entschlossenheit, hart wie ein Kieselstein.

Und als Jesus sich der Stadt näherte und sie vor sich liegen sah, da weinte er.“ Lukas 19,41

Die Menschen der heiligen Stadt huldigen ihm, Kinder und Eltern rufen aufgeregt „Gelobt sei der König“ und werfen Palmenzweige vor ihm nieder. Seine Entschlossenheit weicht nicht, doch sein Gesichtsausdruck mischt sich mit Tränen. Der König weint.

Es sollte seine letzte Woche in Jerusalem werden. Noch einmal bäumte er sich gegen die Obrigkeit auf, die religiöse Elite des Landes, die ihn so sehr hasste. Er kämpfte sich durch den Tempel, den die Geldgier hinweggerafft hatte und lehrte über die Zeit, die nach ihm kommen sollte. Sollte das das Ende sein?

Und er rang mit dem Tode immer heftiger und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.“ Lukas 22,44

Im Garten Gethsemane ringt er nun um Fassung, aus seinen Schweißporen presst sich Blut, das wie Tropfen auf die Erde fällt. Gebrochen von Angst, wohl wissend darum, dass selbst seine Freunde, die im Vorgarten wachen sollten, schon eingeschlafen waren. Sie sollten ihn kurz darauf alle verlassen. Und die Sünde der ganzen Welt sollte auf Ihn gelegt werden.

Und dann trat Judas zu ihm und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küsste ihn. Da traten sie heran und legten die Hand an ihn und ergriffen ihn…“ Matthäus 26,49f

Das Geheimnis um seine Person nimmt kein Ende. Er wusste davon, sein Wille war unsere Rettung, sein Ziel das Kreuz. Sein Gesicht hatte er hart wie einen Kieselstein gemacht. So wie er „als dürre Wurzel aus der Erde geschossen ist“ (Jesaja 53,2), so musste er ebenso schnell durch dieses Jerusalem gehetzt werden, wo er so verhasst war. Er wählte selbst den, der ihn nachher verraten sollte. Er wusste, dass ein Kuss ihn ans Kreuz bringt. Kann es größere Schmach geben, als dass das Zeichen der Liebe dir die Nägel durch die Hände treibt?

Pilatus ließ Barrabas los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.“ Lukas 23,25

Von den Massen getrieben steht er jetzt vor Pilatus. Von dem Platz vor dem Haus dringen Rufe. Es sind die Rufe derer, die ihm eben noch Palmenzweige zu Füßen geworfen hatten und ihn König nannten. Sie riefen nach dem Mörder anstelle von Jesus, ihr Wille war sein Tod und die Freiheit des Verbrechers. Ein Tausch von schier unglaublichem Hass getragen, doch der Gottessohn nimmt die Stelle des Sünders ein. Er will es so und Pilatus überlässt diesen Menschen, an dem er keinen Fehler fand, dem Willen des Volkes: „Kreuzige ihn!“ Barrabas – ein Mörder – gewinnt die Freiheit durch den, der keine Sünde kannte. Die Fesseln des Verbrechers lösen sich, weil Jesus diese Fesseln trug. Ein Mörder durfte leben, weil sein Schöpfer für ihn starb.

Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, damit sie mit ihm hingerichtet werden würden, einer zur Rechten, und einer zur Linken.“ Lukas 23,32

Jesus war nicht nur anstelle eines Sünders an diesem Kreuz, sondern auch eingerahmt von Sündern. Auf dem Weg zur Schädelstädte hat dieser Mann Worte von Trost an Frauen, die weinen. Wie schafft es ein Mensch, während ein Kreuz auf seinen Schultern lastet, Frieden zu spenden? Noch am Kreuz tröstet er seine Mutter und findet Worte der Vergebung für die Schaulustigen. Es ist irgendwie grotesk, dass ein Mensch am Kreuz so viel Liebe ausstrahlt, wo das Thema doch eigentlich Tod ist. Es naht der Moment, der Geschichte schreiben würde, der die Welt ändert, und an dem kein Mensch auch zweitausend Jahre danach vorbeikommt. Gott wird in die Mitte von zwei Verbrechern genagelt. Eigentlich würde hier Barrabas hängen, doch es änderte sich neben Weltgeschichte auch dessen eigene Biografie. Warum?

Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“ Lukas 23,46

Wenn ein Mensch stirbt, dann gibt er zuerst seinen Geist auf und danach weicht die Kraft aus seinen Muskeln und er schließt die Augen und neigt den Kopf. Nur von einem heißt es anders: Er neigte zuerst seinen Kopf und befahl dann seinen Geist in die Hände seines Vaters, so als ob er sogar in seinem Moment des Todes noch die Gewalt über Leben und Sterben hätte. Und dann legt sich eine furchtbare Stille über dieses Schauerbild. Gott kleidet den Moment, als sein Sohn stirbt, in Finsternis, so als ob er nicht wollte, dass die Welt ihn so sieht: geschlagen, verspottet, nackt und an der Stelle eines Sünders.

Und Gott machte eine Inschrift auf einem Stein und schrieb darin: `Ich will die Sünde des ganzen Volkes wegnehmen an einem einzigen Tag.`“ Sacharja 3,9

So wie Gottes Sohn dort hing, anstelle eines Sünders, so ist es die Szenerie deines eigenen Lebens. Vielleicht bist du Barrabas und hast es noch nicht gemerkt. Vielleicht hat dieser Schauplatz Golgatha mehr mit dir zu tun, als du glaubst. Es ist die Station Gottes, von der die Züge Richtung Himmel gehen. So wie für den Verbrecher am Kreuz, der nur noch staunend sagen musste: „Denk an mich, wenn du wieder zu Hause bist!“ Für ihn, für den Hauptmann unter dem Kreuz und vielen anderen war klar: Hier hängt Gott selbst an meiner Statt. Ich selbst bin Barrabas. Doch es war nicht das Ende seiner Geschichte.

Tod, ich will dir ein Gift sein! Totenreich, ich will dir eine Pest sein; Rache kenne ich nicht mehr. Er wird den Tod verschlingen auf ewig“ Hosea 13,14 und Jesaja 25,8

Der Schlussakkord Gottes ist nicht Tod, sondern Sieg. Seine Geschichte mit der Menschheit ist wie die eines Komponisten mit seiner Symphonie, die ihr Thema verarbeitet, es verlangsamt, Dramatik aufbaut, und im Schlussteil wieder zu ihrem Anfang findet – dem Leben. Jesus ist auferstanden und du kannst den Lebenden nicht mehr bei den Toten suchen! Er war dem Tod eine Pest und hat ihn verschlungen. Das Grab ist leer – das ist die Botschaft von Ostern. An Ostern hängt niemand mehr an einem Kreuz, sondern der Sieger hat den Schuldschein, der gegen dich gerichtet war, ans Kreuz geheftet. Er hat gesiegt.

Die Frage ist zum Schluss, ob du auch siegst. Wenn die Geschichte mit Barrabas und dem Kreuz auch deine ist, dann kann die Geschichte von der Auferstehung genauso deine eigene werden. Die Symphonie Gottes reicht bis in dein Wohnzimmer hinein und sie erzählt von seiner Geschichte mit dir persönlich. Wenn diese Geschichte stimmt, dann ändert sich für dich alles. Du kommst wie Barrabas vom Tod zum Leben, von Fesseln zu Freiheit, von Niederlage zu Sieg. Nimm sein Opfer für dein Leben an, und du wirst merken, wie sein Sieg deinen Tod verschlingt.

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