Klaus Mehler ist 1980 Torschütze zum „Tor des Monats“ geworden. Und dann kam noch ein größerer Volltreffer.

Klaus Mehler hat Talent und wird in die Kreis-, Bezirks- und Hessenauswahl berufen. Dort werden die Talentspäher der Frankfurter Eintracht auf ihn aufmerksam. Sie laden ihn zum Probetraining ein. Weil Mehler gerade eine Lehre zum Verkäufer begonnen hat, kommt für seinen Vater ein Wechsel erst zwei Jahre später in Frage. Mit 17 Jahren wechselt er aus dem beschaulichen Dorf in die Stadt.

Eine Woche trainiert er mit den Profis bei Trainer Dettmar Cramer und entscheidet sich für einen Wechsel in die Mainmetropole. Der Verein besorgt ihm zudem eine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskaufmann. Als sich abzeichnet, dass der Sprung zu den Profis schwierig werden könnte, lotst ihn Co-Trainer Arda Vural zur Spvgg Fechenheim. Der Weg in die A-Klasse ist ein sportlicher Rückschritt, gewährt ihm aber immerhin Spielpraxis.

In einem fast schon aussichtslosen Meisterschaftsrennen gelingt Fechenheim eine grandiose Aufholjagd. Es kommt zum Entscheidungsspiel gegen die DJK Bad Homburg. Zwei Stammspieler haben schon ihren Urlaub gebucht. Zudem verletzt sich nach 20 Minuten der Spielführer. „Wir hatten aber Kondition und Siegeswillen“, erinnert sich Mehler. Kurz nach der Halbzeit fällt dann das spätere „Tor des Monats“.

Den Abschlag des Torhüters verlängert ein Mitspieler per Kopf auf die rechte Außenbahn, von wo der Ball ebenfalls mit dem Kopf präzise in den Strafraum weiter geleitet wird. Dort steht Klaus Mehler goldrichtig und köpft ihn aus 14 Metern Entfernung ins Tor. Der Ball hatte bis dahin den Rasen nicht berührt. Mehler selbst erzielt kurz darauf das 2:0 und der Bann ist gebrochen. Fechenheim sichert sich vor 1.000 Zuschauern mit einem 4:0-Sieg den Aufstieg.

„Dass es von dem Spiel und dem Tor Bewegtbilder gibt, ist eine Geschichte für sich“, erzählt Mehler. Jemand hatte sich damals darauf spezialisiert, die Spiele zu filmen, um sie dann anderen Vereinen zur Analyse zur Verfügung zu stellen. Weil die Bundesliga im Juni schon spielfrei hatte, verschlug es den Kameramann nach Fechenheim.

Dass die Bilder zur Sportschau-Redaktion gelangen, hat Mehler dem damaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), Holger Obermann, zu verdanken. Den Erzählungen nach lehnte WDR-Chefredakteur Ernst Huberty im ersten Versuch das Material ab, weil das Tor im Amateurfußball fiel. Aber Obermann bleibt hartnäckig. Das Tor wird gesendet. Mit welchen Argumenten Huberty überzeugt wird, weiß Mehler nicht.

Bei der Abstimmung setzt sich der Hesse gegen hochkarätige Konkurrenz durch: „Gleichzeitig fand die EM statt. Die anderen Torschützen, die zur Wahl standen, hießen unter anderem Horst Hrubesch und Klaus Allofs.“ Fußballtechnisch gelang Mehler nicht der große Durchbruch. Mehler kickt noch einmal für Frankfurts Amateure in der damals dritthöchsten Spielklasse. Zwei schwerere Verletzungen binnen zwei Jahren beenden den Traum vom Profi-Fußball für den 23-Jährigen. Er spielt noch fünf Jahre bei süd- und osthessischen Vereinen, in denen er – bis auf eine Saison – immer Torschützenkönig wird.

„Mit 28 Jahren war ich fußballmüde“, sagt Mehler. Er steckt seine gesamte Energie in die berufliche Karriere und startet in der Immobilienbranche durch. Mit Begeisterung erzählt er, dass er maßgeblich daran beteiligt war, ein mittelständisches Unternehmen in vier Jahren als Marktführer in der Branche zu etablieren. „Um es in der Fußballersprache zu sagen: Wir waren das Bayern München der Branche und spielten in der Champions League.“

Er und sein Team privatisierten erfolgreich Wohnungen in kommunaler Hand. Mehler verhandelt mit großen deutschen und internationalen Immobilienkonzernen. 14 Stunden-Arbeitstage sind normal. Er ist für 120 Mittarbeiter in 70 Büros in ganz Deutschland zuständig: „Ich hatte Geld, Ansehen und Wohlstand. Meine Familie konnte sich viele Träume erfüllen.“ Der Aufstieg findet ein jähes Ende. Er hat Differenzen mit seinem damaligen Geschäftsführer und kündigt mit 48 Jahren seine gut bezahlte Stelle.

Er bekommt neue Jobangebote. Die Verhandlungen scheitern aber häufig an Mehlers Gehaltsvorstellungen: „Ich war hochnäsig und hatte geglaubt, dass mir das Geld zusteht.“ Seine neu gewonnene Freizeit nutzt er, um sich mit Esoterik und der New-Age-Bewegung zu beschäftigen: „Dort kann man, aufgrund von unzähligen Kursen von denen gefühlt jede Woche ein neuer auf dem Markt kommt, viel Geld bezahlen, um die geistlichen Stufen zu erklimmen.“

Auch die Esoterik rede oft von Gott und zitiere die Bibel, verdeutlicht Mehler. Er spürt schon früh, dass das nicht richtig ist: „Ich habe zu Gott gefleht, dass er mir die höchste Wahrheit auf Erden verdeutlichen soll.“ Bis dahin dauert es noch fünf Jahre, erzählt Mehler mit Tränen in den Augen. Seine Ehe leidet unter dem Hickhack und scheitert nach 32 Jahren. Kurz darauf lernt er seine jetzige Frau Dagmar kennen. Beide sind von der New Age-Bewegung begeistert.

Dagmar hat sogar eine eigene Praxis – und ist schon zehn Jahre länger dabei. Aus dem fachlichen Austausch entwickelt sich eine persönliche Zuneigung. Heute ist Mehler sich sicher, dass „Gott uns zusammengeführt hat“. Seine Zweifel an seinem Weltbild wachsen. Als Dagmar und er eines Tages in der Praxis am PC sitzend hat er die Erkennntnis: „Dagmar, jetzt habe ich die Wahrheit gefunden! Es gibt einen himmlischen und es gibt einen kosmischen Gott. Wir waren mit dem falschen Gott unterwegs.“

Diese einfache Erkenntnis öffnet beiden die Augen. Unabhängig voneinander bekehren sie sich. Sie verbannen Buddha-Statuen, Tarot-Karten und gesegnete Steine sowie Kisten mit Esoterik- und Lebenshilfebüchern aus ihrer Wohnung: „Dass das der richtige Schritt war, haben wir erst später in der Bibel gelesen.“ Das hat Mehler häufig erlebt: „Der Heilige Geist hat uns geführt. Später haben Bibelstellen diesen Weg bestätigt.“ (pro)

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