Luther floh damals nicht vor der Pest.

” Wie können uns nun die Erfahrungen von Christen anderer Jahrhunderte in diesen Herausforderungen helfen?

Laut dem Medizinhistoriker Vivan Nutton wurde eine Stadt zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert ungefähr alle zehn Jahre von einer Pestepidemie heimgesucht. Krankheiten waren natürlicher Teil des Lebensrhythmus, aber die Pest mit einer Sterblichkeitsrate von 60 bis 90 Prozent (ein bis drei Prozent bei Covid-19) besonders schrecklich.

Als Reaktion auf diese Ausbrüche haben Christen durch die Jahrhunderte hinweg gefragt, ob es vertretbar ist, als Christ zu fliehen. Die wohl berühmteste Antwort auf diese Frage stammt aus Martin Luthers Brief an seinen Kollegen Johann Hess: 1527 wurde die Universitätsstadt Wittenberg von der Pest getroffen und Vorlesungen in eine nicht betroffene Stadt verlegt. Dennoch weigerte Luther sich, zu gehen. Stattdessen entschied er sich, für Kranke und Sterbende zu sorgen, und verwandelte sein Zuhause in ein provisorisches Krankenhaus. Er erlebte den Tod vieler Familienmitglieder und Freunde, sogar einiger eigener Kinder mit; und war selbst von Krankheiten geplagt. Hess musste sogar einen zweiten Briefe verfassen, weil Luther zu krank war, um auf den ersten zu antworten.

Die Folgen und Ängste, die mit seinen Ratschlägen einhergehen, kannte Luther. Aber war überzeugt, dass Gott zu unserem Besten handelt; auch dort, wo wir es nicht erwarten, inmitten des Übels einer tödlichen Epidemie. Die Angst vor Krankheit und Tod sollte uns vielmehr dazu antreiben, zu beten und für unsere Seelen zu sorgen. Wir sollten uns daran erinnern, dass diese Welt nicht unser bleibendes Zuhause ist. Eine Epidemie ist eines von vielen Übeln, denen wir ausgesetzt sind, und wir müssen sie ernst nehmen; aber das größere Übel ist das Böse in uns (Matthäus 10, 28; Lukas 12, 4). Deshalb muss jede Antwort auf eine Epidemie oder andere Krise, die Umkehr von unseren Sünden beinhalten; allen voran der egoistischen Liebe, die zuerst an sich selbst denkt und erst in zweiter Instanz, wenn wir unsere eigene Gesundheit und Sicherheit gewährleistet haben, an andere.

Luther betrachtet die Epidemie als Versuchung, die unseren Glauben und unsere Liebe testet: „Den Glauben, auf dass wir sehen und erfahren, wie wir uns gegen Gott stellen wollen, die Liebe aber, auf dass man sehe, wie wir uns gegen den Nächsten stellen wollen.“ Durch Glauben an Gott und aus Liebe zum Nächsten sollten Christen zuerst daran denken, wie sie zur physischen und geistlichen Fürsorge der Schwachen, Selbst-Isolierten, Kranken oder Sterbenden beitragen können. Erst danach erlaubte Luther Christen private Entscheidungen darüber zu treffen, ob sie fliehen wollen. In einer Zeit ohne institutionalisiertes Gesundheitssystem, sieht es Luther als göttliche Aufgabe der Christen, diese Lücke zu schließen.

Luther ermutigt Christen in Lebensgefahr, Trost in den Zusagen Gottes zu finden: Der Teufel versucht uns, aber Gottes Zusage tritt dem entgegnet und ermutigt uns, uns der Bedürftigen anzunehmen. Psalm 41 sagt: „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit.“ Deshalb: „Wer aber einen Kranken versorgt, (…) wer auf diese tröstliche Verheißung solches tut, (…) derselbe hat hier wiederum einen großen Trost. (…) Gott selbst will sein Wärter, dazu auch sein Arzt sein.“ (Pro)

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