Der Artikel fünf des Grundgesetzes ist eindeutig. Man darf ‘Compact’ grauenhaft finden, aber das Blatt zu verbieten, vor allem in der Form, wie es Faeser getan hat, ist ein massiver Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit. Vom Staatsratsvorsitzenden zum posthum weltweit anerkannten Philosophen schaffte es Walter Ulbricht allein mit seinem Credo: “Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles im Griff haben.” In der Deutschen Demokratischen Republik wäre das Magazin auch verboten worden !
Das Verbieten war da auch dort eine demokratische Spezialität. Jetzt müssen diejenigen, welche Demokratie und Meinungsfreiheit mit Verboten, Strafverfolgung und Justiz so vehement verteidigen wollen, acht geben, daß sie denjenigen nicht immer ähnlicher werden, gegen die sie kämpfen. Eine Schreiberin im “ANTIFA” Magazin verbietet das politische Gegenstück – und ihr Helfershelfer Haldenwang applaudiert heimlich dazu.
Das Ministerium für Staatssicherheit (hieß einmal Innenministerium) legt eine atemberaubende Performance mit Zielrichtung Kommunismus hin. Ein mündiger Bürger und Christ kann selber erkennen, was Geschwurbel und Hetze ist. In einer betreuten Demokratie übernimmt das denken und Handeln der Staat. Auch wenn Compact ein völlig überflüssiges Weltanschauungsorgan darstellt, so ist Faesers brachiale Vorgehensweise mal wieder ein Schritt mehr zur Einheitsdemokratie. “Um einen meiner Lieblingssätze zu bringen: Manche halten Giftgas für eine tolle Idee – bis sich der Wind dreht. Und der Wind kann sich rasend schnell drehen; wenn dann plötzlich anderen wegen anderer Parteipräferenzen oder privater Äußerungen berufliche Konsequenzen drohen sollen, werden ihnen die Argumente fehlen.” (Arnd Diringer, Professor für Arbeitsrecht, WELTonline, 30.05.2024)
«Prüft alles, und das Gute behaltet », empfiehlt Paulus der Gemeinde in Thessaloniki.Das klingt nach vernünftigem Beurteilen. «Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage», rät er denn auch den Korinthern. Auch der Evangelist Johannes ruft dazu auf, die «Geister» zu «prüfen». Und schon im Alten Testament befahl Gott den Israeliten, jeden zu ignorieren, der falsche Prophezeiungen macht. Er wollte also, dass sie die Wahrheitsansprüche der verschiedenen Propheten nicht unkritisch hinnehmen.
Das geht nur mit einem wachen Verstand. Der soll sogar unsere Beziehung zu Gott mit prägen: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken», verlangt Jesus.
Der Christ „opfert“ nicht seinen Verstand; er bringt ihn ein. Nicht nur das: Im Glauben an Jesus Christus erschliessen sich ihm ganz neue, weite Horizonte. Ungeahnte Zusammenhänge gehen ihm auf, und bisher „Geglaubtes“ ist ganz neu einzuordnen.Denn Glauben ist nicht das Gegenteil von Wissen, sondern von Unkenntnis. Der Gläubige hat sich aufklären lassen über die Bedeutung von Jesus, über die wesentlichen biblischen Zusammenhänge und über seinen eigenen Weg zu und mit Gott.
«Ich weiss, wem ich Glauben geschenkt habe», schreibt der Apostel Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus, und auch Petrus gesteht von sich und den anderen ehemaligen Jesus-Jüngern: «Wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht…. von Jesus Christus wissen liessen, sondern wir sind Augenzeugen seiner Majestät gewesen.» Es gäbe noch viele weitere Bibelstellen, die alle belegen, dass der Verstand im christlichen Glauben eine wichtige Rolle spielt.
Das Christentum beruht auf Tatsachen, die einer rationalen Überprüfung standhalten. Es ist eben grade kein Schritt ins Ungewisse – so sehr es auch Vertrauen auf Gott verlangt –, sondern ein Leben in einer neuen Gewissheit. Die übersteigt allerdings blosse Vernunftdünkel. «Ererleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid»; Epheser 1,18.
Die Christen und die es werden wollen sind also aufgerufen, durchaus ihre Vernunft zu gebrauchen. Das entscheidende Organ ist allerdings das Herz. Es kann bereits von einer Sache überzeugt sein, bevor die Vernunft sie nachzuvollziehen imstande ist. «Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz», heisst es von den Zuhörern der ersten Pfingstpredigt (Apostelgeschichte 2,37). Mit dem Verstand fassten sie dann den Entschluss zum nächsten Schritt, nämlich zur Frage: «Was sollen wir tun?»
Der grosse Denker des Mittelalters, Anselm von Canterbury, drückte das in den berühmten Worten aus: „Ich glaube, damit ich verstehe.“– Die Vernunft versucht sich Rechenschaft zu geben über das, was dem Herzen bereits klargeworden ist. Und der Glaube, die bereinigte Beziehung zu Gott, befreit die Vernunft zu einem «erneuerten Denken». Denn die Welt erscheint nun in einem anderen Licht. Josh McDowell/Clv
