Thomas Lachenmaier, ehemaliger Redaktionsleiter bei “factum-magazin.ch”, gibt wichtige Antworten.

Welche Vorgänge sind aus Ihrer Sicht in den letzten 10 Jahren die herausragendsten? Dreierlei: Erstens die Durchdringung von allem und bald jedem mit einer neomarxistischen Selbsterlösungsideologie, die nach dem „Marsch durch die Institutionen“ an den Hebeln der Macht sitzt. Schlechte Zeiten für Pluralismus, Rechtsstaat und für Andersdenkende. Eine Art von schleichender Gleichschaltung macht sich breit. Jetzt entfalten sich die Verheerungen dieser Ideologie in voller Wucht, auf allen Ebenen, für jeden sichtbar: Wirklichkeitsleugnung, Auflösung des Rechts, Selbstbereicherung, Verschwendungssucht, Auflösung der zivilisatorischen Errungenschaften, Kontrolle, Zensur, Lüge wird zur Wahrheit, Zerfall des Gemeinwesens, Zerfall der öffentlichen Ordnung und des Bildungswesens, Gewalt, das Schwinden von Vernunft und Meinungsfreiheit. Die Philosophin Ayn Rand hat vor langer Zeit gesagt: „Man kann die Wirklichkeit lange leugnen, aber nicht die Folgen dieser Wirklichkeitsleugnung“. An diesem Punkt sind wir jetzt. Man muss das Denken und Handeln der politisch-medialen Klasse wohl mit der biblischen Kategorie der Verblendung charakterisieren. Es ist im Grunde nicht von einer säkularen Ratio bestimmt, sondern in ihrer schieren Unvernunft esoterisch und neuheidnisch. Am Ende richtet sich dieser Kampf gegen die Wahrheit gegen den, der die Wahrheit ist, gegen Jesus, den Messias. Und damit gegen die Christen. Damit rechne ich schon seit längerer Zeit. Das steht bevor.

Zum Zweiten die Herausbildung eines globalen Feudalismus, wo sich Digital- und Pharmakonzerne mittels nicht wählbarer internationaler Institutionen und korrumpierbarer nationaler Eliten bereichern und nationale Souveränitäten zu ihren Gunsten aushebeln. Wirtschaftliche Macht, die sich der Regierungen bemächtigt: Das ist eine Definition von Faschismus. Im Lichte der Bibel ist das eine sehr interessante globale Entwicklung. Es überrascht mich nicht.

Drittens die zunehmende Erfüllung der in der Bibel verheißenen, überaus wundervollen Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Heimatland. Das ist die einzige Aufgabe Gottes, von der er sagt, in Jer 32, 41, dass er sie in Freude erfüllt und in „beständiger Treue und von ganzem Herzen und von ganzer Seele“. Wir können, und sollen, daran Anteil haben. Sie bezeichnen die Digitalisierung der Welt und das Verschwinden des Analogen als eine der ganz großen Umwälzungen. Wie können Christen und christliche Gemeinden sich dieser Herausforderung stellen? Gott ist nicht digital und nicht virtuell. Er ist real. Jesus ist die Verkörperung des Wirklichen. Er ist kein Konstrukt. Er ist die Wahrheit. Dem sollten wir Rechnung tragen, indem wir real von ihm sprechen, reale Gemeinschaft haben und sein Wort am besten in der gedruckten Bibel lesen. Die digitalen Heilsversprechen führen nicht nur bei der Bildung in die Irre. Ich rate zu einer zurückhaltenden Nutzung digitaler Kommunikation. Sie hat ihren Nutzen, aber sie raubt nicht nur Lebenszeit, sie trainiert auch das Denken in „gefällt mir – gefällt mir nicht“-Kategorien und ist damit eine Schulung in Unbarmherzigkeit. Sie attestieren unserer Zeit eine „ideologische Durchdringung des gesamten öffentlichen Lebens“. Ein sicheres Erkennungsmerkmal von Ideologien ist, dass sie gerade in dem Bereich, dem ihre Heilsversprechen gelten, den größten Schaden anrichten. An ihren Früchten erkennt man sie, man vergleiche Mt 7,16. Der Kommunismus versprach den armen Leuten ein gutes Leben – unter Mao verhungerten 50 oder mehr Millionen von Menschen, auch unter Stalin. Der Nationalismus verspricht das Aufblühen der Nation – in Deutschland endete er mit der Zerstörung des Landes, beträchtliche Teile gehören heute zu Polen. Der Ökologismus zerstört, industrialisiert und verschandelt gewaltige Landschaften durch Solar- und Windkraftanlagen. Die Auswirkungen auf Vogel- und Insektenwelt, für Fledermäuse und auch für die Meereswelt sind desaströs. Die Wasserkraft setzt ökologisch sensibelste Landschaften (Hochmoore, Bergwälder, Lebensräume für eine reiche Flora und Fauna, riesige Flächen) unter Wasser – eine Totalzerstörung. Mehr als 95 Prozent der Fließgewässer in den Alpen sind denaturiert, ökologisch defacto zerstört. Als Bergwanderer bedrückt es mich zu sehen, wie ein sprudelnder Bergbach in einem Gulli verschwindet, um wieder hoch in die Talsperren gepumpt zu werden. Und schließlich der radikale Feminismus: Er mündete in die Genderideologie, der jetzt die grundlegendsten Frauenrechte geopfert werden, indem biologische Männer Zugang zu Frauenhäusern, Umkleiden, Sanitärräumen, Frauengefängnissen und zum Frauensport bekommen, der damit praktisch aufgehoben wird. Echte Feministinnen, wie Alice Schwarzer, wehren sich vergeblich dagegen. Vor Ideologien schützt man sich durch die Wahrheit, durch das Lesen von Gottes Wort. In diesem Lichte werden sie als das kenntlich, was sie sind: als Lügen, die letztlich vom „Vater der Lüge“ herkommen.

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