Niemand weiß natürlich, was Kaiser Franz über diese Trauerfeier gedacht hätte. Ich glaube aber, er hätte das alles mit einem “Schmarrn” abgetan. Doch so ist es immer, wenn wir armen Lebenden unsere Ikonen verlieren. Tief drinnen tut uns doch deren Sterblichkeit weh. So schwelgen wir in guten Erinnerungen, weil das alles ist, was uns in diesem Moment bleibt. Mit Politik hat das nichts zu tun, lieber Herrn Hoeneß. Franz mag ein umgänglicher Mensch gewesen sein, sicherlich hat er sich auch verdient gemacht um Deutschland, doch bleibt eben auch er eine Lichtgestalt mit den Schattenseiten des Fußballmanagements, der dubiosen Geldflüsse im Profisport und der Nähe zu höchst fragwürdigen Gestalten des Fußballs und der FIFA. Das gehört nunmal auch dazu. Ich finde es dazu einfach zum Kotzen, dass Menschen, die Großartiges für Deutschland geleistet und dennoch Fehler im guten Glauben begangen haben, so noch im Tode diffamiert werden. Augustinus sprach von der incurvatio in se ipsum – die Einkrümmung des Menschen auf sich selbst – und Luther hat diesen Gedanken auch gehabt. Diese Selbstbezogenheit des Mensch ist die Grundsünde von uns. Wir wissen alles besser. Aber Gott hat das letzte Wort und der kam leider nicht zu Wort im Stadion.
Man muss auch beim Leben und Sterben von Kaiser Franz an eine alte Geschichte denken. Wir wissen vielleicht, dass sich im Mittelalter die meisten Fürsten Hofnarren hielten. Das waren meist missgestaltete Menschen, die dann noch komische Kleider trugen und durch ihre Späße und dummen Bemerkungen ihre Herren aufmuntern mussten. Das waren die Clowns der damaligen Zeit.
Ein Fürst nun verlieh seinem Narren eine Narrenkappe (eine Zipfelmütze mit Glöckchen daran) und ein Narrenzepter als Zeichen seiner Würde unter der Bedingung, dass er diese Dinge demjenigen geben müsse, der es noch närrischer treiben würde als er. Bald darauf wurde der Fürst ernsthaft krank. Der Narr besuchte ihn und fragte, ob er bald wieder gesund würde. Der Fürst antwortete, die Ärzte hätten gesagt, auf Besserung sei nicht mehr zu hoffen, er müsse bald sterben.
„Na“, sagte der Narr, „Ihr habt sicher Eure Vorbereitungen für die große Reise getroffen und dafür gesorgt, dass alles für Euren Empfang gerüstet ist.“
„Nein“, sagte der König, „das ist ja das Furchtbare, ich weiß nicht, wie ich empfangen werde.“
„Aber wusstet Ihr denn nicht, dass Ihr diese Reise einmal machen müsstet?“
„Ich wusste es wohl, aber ich habe mich nie damit beschäftigt. Es gab so viele andere Dinge zu erledigen.“ „Aber“, sagte der Narr, „wenn Ihr einen Tag auf Reisen ginget, so ritt ein Herold voraus und sorgte, dass Essen und Trinken usw. da war. Wenn Ihr einige Wochen oder gar Monate irgendwo hinginget, dann wurde lange Zeit vorher alles geregelt. Etliche Tage vor der Reise gingen verschiedene Diener los, um alles geordnet zu haben, wenn ihr kamt. Und für diese große Reise nach dem Ort, an dem Ihr immer bleiben werdet, habt Ihr Euch überhaupt nicht gerüstet? Hier habt Ihr die Narrenkappe und das Zepter zurück, denn so närrisch bin ich noch nie gewesen.“ Hatte der Narr nicht recht?
2. Korintherbrief (5,10): Wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das, was er bei Lebzeiten getan hat, es sei gut oder böse.
