Was hat AIDS mit unserer heutigen Zeit zu tun?

Jede Krankheit hat ihr eigenes, für ihre jeweilige Zeit geradezu typisches Gesicht. Es gibt so etwas wie eine Geistesgeschichte der Krankheit. Das Typische des HIV Virus besteht darin, daß es bestimmte Lymphozyten angreift, in deren Zellkern es eindringt, dort genetisches Material sozusagen indoktriniert und die Wirtszelle zwingt, ihn, den HIV Virus zu kopieren. Wenn dann die Zelle im Kampf gegen die Krankheit aktiv werden müßte, wird sie zuerst zerstört. Widerstandslos fällt der menschliche Körper einer Krankheit anheim. Dieser Vorgang ist typisch für die Zeit:
1. Die Kultur des christlichen Abendlandes hat kein Immunsystem mehr, sie kann sich nicht wehren gegen die brutale Herausforderung einer nach  und antichristlichen Kultur  und Moralrevolution.
2. Unbemerkt ist der Kern unseres geistig geistlichen Abwehrsystems zuerst befallen worden. Die christliche Kirche ist abgefallen von der Treue zum Worte Gottes und zum Bekenntnis der Väter. Das Gericht beginnt   wie es das Neue Testament unmißverständlich formuliert   zuerst am Hause Gottes, und der Apostel Johannes sagt, daß der Antichrist aus der Gemeinde kommen wird, wenn er auch nicht zu ihr gehört. So ist die Zerstörung der christlichen Gemeinde die Folge des Aufbaus einer antichristlichen Macht. Gleichsam im Kern unseres christlich abendländischen Abwehrsystems richtet sich die Macht des Bösen ein. Die Kernzelle unseres Abendlandes, die christliche Gemeinde, ist von einem Virus befallen, der sie zwingt, ihn sogar noch zu kopieren. Die Kirche gebiert aus sich heraus den Antichristen.
3. Unsere abendländisch christliche Kultur zerfällt. Sie kann nicht widerstehen, weil die Zellen der Abwehr, die Macht des Aufhaltenden, eben die christliche Gemeinde, im Kern zerstört ist. Das christliche Abendland stirbt, weil es seinen Feinden nicht widerstehen kann   das ist die Drohung, die sich am Horizont unserer Existenz abzeichnet.
4. AIDS ist als Krankheit symbolisch für diese Zeit. Das christliche Abendland könnte so untergehen, wie ein HIV Infizierter an AIDS untergeht   wehrlos, schmerzhaft, in unaufhörlichem und schnellem Zerfall.
Das Abendland ist noch in einem Stadium, in dem es einem HIV Infizierten zu vergleichen ist, der seine Infektion noch nicht einmal bemerkt hat und bei dem die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist. In diesen Untergang unserer christlich abendländischen Zivilisation   sollte sie denn geschehen und kein Widerstand aufkommen   würden alle einbezogen, Schuldige und Unschuldige, heute noch Lebende, heute noch nicht Geborene.
Von AIDS können auch Unschuldige befallen werden: Der Ehepartner, der von dem Ehebruch seines anderen Partners nichts weiß, der Kranke, der eine HIV infizierte Bluttransfusion erhält, das Kind, das von einer AIDS kranken Mutter geboren wird.
Der Apostel Paulus betont ausdrücklich, daß Gottes Wege und Gerichte unausforschlich sind. Die Rache Gottes ist eine Wirklichkeit   verstehen können wir sie nicht. Alle irdischen Gerichte sind überdies vorletzte Gerichte und stehen unter dem Gericht, dem Jüngsten Gericht Gottes am Ende dieser Zeit. Jesus sagt bei der Heilung eines blind Geborenen, daß weder dieser noch seine Eltern gesündigt haben, sondern daß alles nur geschehe, «daß die Werke Gottes an ihm geoffenbart werden». Auf das Vorletzte von Krankheit, Tod und Schuld folgt das Letzte der Gnade und Erlösung   Christen glauben daran und sie wissen und erleben das Ziel dieses Dramas von Welt  und Heilsgeschichte.
Mit Bonhoeffer werden wir Christen, wenn wir von der Gnade sprechen, immer daran erinnert, daß niemals die Sünde als Sünde, sondern immer nur der bußfertige Sünder gerechtfertigt wird. Wir verneinen das Gerede von der billigen Gnade.
Im Drama der emotionalen Revolution erkennen wir Christen, daß eine Herausforderung göttlicher Gebote im Gange ist, die auf keinen Fall ohne Rache bleiben wird. Die Geißel der AIDS Krankheit ist ein Zeichen dieser Rache Gottes für die eine Menschheit, die das Gebot Gottes hemmungslos vergleichgültigt. Dabei ist diese Krankheit zugleich ein Symbol für die Immunschwäche unserer abendländisch christlichen Zivilisation gegen den Ansturm einer emotionalen Kultur  und Moralrevolution. Dieses alles nehmen wir nicht hin wie ein Schicksal. Schicksal kennt die Bibel nicht. Sondern wir Christen nehmen es als ein Zeichen, das uns aufruft, diese Gesellschaft ganz entschieden zur Umkehr aufzurufen.
Autor:
Georg Huntemann 

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