Wer betet, der erlebt Wunder. So einfach ist das.

Mit einigen Wycliffe-Mitarbeitern war ich 13 Monate im westafrikanischen Staat Benin unterwegs, um die Sprachensituation des Landes zu erkunden. Nach diesen arbeitsintensiven Monaten beschlossen wir, einige Tage frei zu nehmen und einen Ausflug in die Atakora-Berge im Norden des Landes zu unternehmen.
Nach einigen Stunden Fahrt sahen wir am Straßenrand einen kleinen Laden mit Getränken. Wir hielten an, drückten die Verriegelungsknöpfe an den Autotüren und schlenderten zum Laden. Nach einigem Suchen fand ich, was ich kaufen wollte. Ich griff in die Hosentasche nach dem Portemonnaie, aber ich fand es nicht. Auch in der anderen Tasche konnte ich es nicht finden. Wahrscheinlich hatte ich es im Auto liegen lassen. Doch, oh Schreck, die Autoschlüssel waren auch nicht da. Eine schlimme Ahnung überfiel mich. Ich rannte zurück zum Auto und fand meine Befürchtungen bestätigt: Der Schlüssel lag samt dem Portemonnaie auf dem Fahrersitz, und alle Türen waren fest verriegelt.
Im Handumdrehen hatte sich eine ansehnliche Menschenmenge versammelt, um uns ihr Mitgefühl auszudrücken und gute Ratschläge zu erteilen. Afrikaner sind großartig im Improvisieren, wenn es um Hilfe in Notlagen geht. Ich hörte, wie einige der Umstehenden sich zuflüsterten: «So ein Pech, was kann man da schon machen?» Jemand reichte uns eine Fahrradspeiche, ein anderer ein rundes Stück Holz und der nächste einen großen Stein. Viel Glück damit! Nach einer halben Stunde des Experimentierens und krampfhaften Überlegens kam ich zu der Überzeugung, dass uns nur die Möglichkeit blieb, mit dem Stein die Scheibe einzuschlagen. Aber wo würden wir jemals einen Ersatz dafür finden?
Ich hatte den Stein schon in der Hand, als mein Kollege Kurt meinte: „So geht das nicht, wir sollten zuerst einmal beten.“ Natürlich hatte ich im Stillen schon gebetet. Aber öffentlich, so, dass alle Umstehenden es hören konnten? Was, wenn wir auch nach dem Beten keine Lösung fänden und die Scheibe einschlagen müssten? Würden die Leute daraus nicht zur Schlussfolgerung kommen, dass unser Gott machtlos war? Auch die anderen Mitreisenden wollten zunächst beten. So bildeten wir einen Kreis, und ich fing an: „Herr, wir haben nur die Fahrradspeiche und den Stein. Hilf uns, dass wir damit die Tür öffnen können. Ich möchte nicht die Scheibe einschlagen. Herr, bewirke ein Wunder, und zwar jetzt! Amen.“ Mein Gebet klang etwas zaghaft, aber es war das Beste, was ich mit meinem kleinen Glauben in dieser Situation zustande brachte. Dann war Kurt an der Reihe: „Herr, du bist allmächtig und kannst alles tun. Hier sind all diese Zuschauer, und wir beten, dass du diese Gelegenheit benutzt, um deinen Namen zu verherrlichen! Amen.“ Was für ein Gebet. Ich schämte mich ein wenig.
Wir hatten kaum unsere Gebete beendet, da kam ein Mann durch die Menge auf uns zu. „Ich habe von Eurem Problem gehört und wohne in der Nähe.“ Er zeigte auf ein Haus am Straßenrand. „Ich habe da einen Schlüssel. Es ist zwar nur der Schlüssel von meinem Moped, aber ihr könntet versuchen, ob es damit geht.“ In meiner Not griff ich nach jedem Strohhalm. Der Mann ging und kam mit einem winzigen, billigen Messingschlüssel zurück. Er hielt ihn hoch und gab ihn Kurt. Der nahm ihn, steckte ihn ins Schlüsselloch und hatte mit einer kurzen Umdrehung die Tür aufgeschlossen. Ich war sprachlos, aber der Mann schien gar nicht überrascht. Er lachte nur und meinte: „Ihr habt zu Gott gebetet, und ich habe euch den Schlüssel gebracht!“ Es war wirklich ein Wunder, und die umstehenden Leute hatten das auch gemerkt und riefen aufgeregt durcheinander. Ich stieg in den Wagen und griff nach dem Zündschlüssel. Dann kurbelte ich die Scheibe herunter und forderte Kurt auf: „Versuch es doch noch einmal!“ Kurt versuchte es, aber es klappte nicht mehr.

Quelle: MIKE MCHENRY, WYCLIFFE Ausgabe: 08/2011

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