Borat – Attacke auf die Gürtellinie

Dieser Film ist nichts für zart besaitete Gemüter. Der britische Starkomiker Sasha Baron Cohen – bekannt geworden als Ali G. – nimmt diesmal den Ostblock auf die Schippe. Dabei sprengt er alle Konventionen, jeder gute Geschmack und Anstand werden begraben. Cohen spielt einen kasachischen Reporter, der für sein Heimatland einen Dokumentarfilm über die „U.S. and A.“ machen soll. Alle erdenklichen Vorurteile, den Osten, aber auch die USA betreffend, werden hier breitgetreten: Borats Schwester ist eine landesweit bekannte Prostituierte, einer seiner Nachbarn, ein Mechaniker, führt in seiner Werkstatt auch hin und wieder Abtreibungen durch und als Borat in New York ankommt, kackt er schon mal in aller Öffentlichkeit an die Straßenecke. Der Film – ein Mischmasch aus versteckt gedrehten und gestellten Szenen – zeigt im Wesentlichen Borats Suche nach Pamela Anderson (die er aus dem TV kennt und liebt), und wie er dabei mit Klischeeamerikanern zusammentrifft. Einmal wird er bei einem Rodeo vom Publikum derart herzlich aufgenommen, dass er sich für die ihm erwiesene Gastfreundschaft revanchiert, und zwar mit pro-Irakkrieg-Schlachtrufen à la „Möge der Warlord Bush alle seine Feinde – Männer, Frauen und Kinder – vernichten!“. Dafür erntet er von den Cowboys und Cowgirls auch noch Beifall. Stellenweise komisch, aber meist derb, dreist, sexistisch und sarkastisch bis zum geht-nicht-mehr, das ist „Borat“. In diesem Film werden Grenzen übertreten, die man nicht übertreten darf. Der Mensch wird bei Cohen zum Sexvieh degradiert, das nur zum verspotten taugt. „Hintersinniger Humorist“ und „scharfsichtiger Beobachter“ werden manche Verteidiger rufen. Aber Satire ist etwas anderes. Man sieht einer Gesellschaft an, in welchem Zustand sie sich befindet, wenn man ihren Humor untersucht; untersuchen wir unseren, so ist das Ergebnis niederschmetternd: Wir sind üble Spötter geworden!

Das ist eines der Attribute, welche der Bibel nach die gottloseste aller Zeiten kennzeichnen wird: „…dass am Ende der Zeit Spötter sein werden, die nach ihren gottlosen Begierden wandeln.“ (Judasbrief, Vers 18). Wenn wir Borat lustig finden, ist unser Herz weit von Gott entfernt. Sehr weit.

Kommentare

  1. ali

    „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut: nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergißt von Stund an, wie er gestaltet war. Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seiner Tat.
    Jakobusbrief 1,22-25

    Jeder von uns lebt mit dem Spiegel.
    Je nach dem Maß der ihm zuteil gewordenen Eitelkeit – oder auch nur Unsicherheit – setzt sich der eine einmal morgens und einmal abends diesem lästigen Frager und ungebetenen Antwortgeber aus. Der andere – oder, wie die boshafte Volksmeinung will, die andere – trägt das Spieglein als kritischen Freund bei sich, um ihn jederzeit zu befragen und sich sogleich – wo auch immer – nach seinen Einflüsterungen zu richten.
    Was verleiht dem Spiegel, diesem undurchschaubaren Glas, das doch nur wiedergibt, was vor ihm ist, solch zauberische Macht?
    Im Spiegel vergewissere ich mich darüber, wie ich aussehe. Ich sehe in ihm, was ich an mir tun müßte.
    Der Spiegel zeigt mir mein Bild, wie andere es sehen. Er gibt mir einen Eindruck davon, wie ich wirke.
    Und schließlich – das führt auf eine tiefere Ebene: mein Spiegelbild bestätigt mir, daß ich wirklich da bin, daß ich mich nicht nur träume.
    Der Abschnitt aus dem Jakobusbrief, mit seinem vielumstrittenen Wort „Seid aber Täter des Wortes, nicht Hörer allein!“, spielt mit dem Bild vom Spiegel.
    Und wir wollen heute einmal versuchen, von diesem Bild her, – wenn es auch zunächst vom Text wegzuführen scheint  – , einen neuen und vielleicht weniger verstellten Zugang zu dieser Aussage von „Glauben und Handeln“ und ihrem rechten Verhältnis zueinander zu gewinnen.
    Zunächst, das sagt der Verfasser vor unserer Textstelle:
    Das Wort Gottes ist zuerst da. Es ist da als eine Gabe, – als eine Saat in uns gepflanzt. Es ermöglicht überhaupt erst unser Reagieren.
    Wer diesem Wort zuhört, sich ihm aussetzt, dem wird es – so sagt es der Jak. und so erfahren wir es – zum Spiegel. Ein Spiegel, der uns sagt, wer wir in Wahrheit sind. Das Wort Gottes zeigt uns unsere Flecken und Runzeln schonungslos und scharf, wie es ein Spiegel eben tut, – und es ermutigt uns zu dem, was wir können und was wir tun sollen, so wie der Spiegel unsere Vorzüge durchaus wiedergibt und bestätigt, – selbst wenn wir das nicht wahrhaben wollen.
    Das Wort Gottes, ob wir ihm in der Bibel, im Gottesdienst, im Gespräch – oder in der wortlosen Zuwendung des Anderen begegnen, ist uns ein Spiegel: jemand, der mir zusagt, daß ich bin, mir bestätigt, daß ich lebe. Das ist schon sehr viel!

    Aber im Umgang mit dem Spiegel liegen auch Gefahren; eine davon spricht der Text an:
    das Spiegelbild ist flüchtig, es besteht nur so lange, wie ich vor dem Spiegel stehe. Übertragen: wir sehen die Wahrheit nur, solange wir uns dem Wort Gottes auch aussetzen. Wenn wir uns wieder von unseren Alltagsgeschäften gefangennehmen lassen, wird sie wirkungslos, wird sie ‚vergessen‘.
    Das ist es, was der Jakobusbrief so scharf angreift: derjenige, der zwar hört, aber eben nur hört und dann wieder um seine eigenen Hoffnungen, Sorgen und Aufgaben kreist, der hat nur ein flüchtiges Spiegelbild geschaut, das nichts weiter bewirken wird.

    Die andere Gefahr des Spiegels ist die sprichwörtliche, die uns sofort einfällt, wenn wir nur schon das Wort gebrauchen: daß wir uns im Spiegel „bespiegeln“, daß wir alles um uns her vergessen und uns nur noch mit uns selbst beschäftigen.
    Wenn wir in den Spiegel schauen, besteht die Gefahr, daß alle noch so herbe Selbstkritik schließlich der Selbstverliebtheit weicht, ja, daß sogar die Selbstkritik eine fein versteckte Form der Selbstverliebtheit wird.
    Wieder übertragen: das Hören des göttlichen Wortes kann auch zum Vorwand für einen scheinbar frommen, sich selbst genügenden Egoismus werden, der sich nur noch mit dem eigenen Seelenheil beschäftigt und dem darüber die immer zwiespältige, schuldgefährdete Verantwortung für die Welt unwichtig wird. – Und solche „Flucht ins Hören des Wortes“ greift der Jak. erst recht an!
    Aber der Spiegel ist noch viel mehr – als nur ein objektives Instrument, mit dem wir uns selbst begegnen.
    „Spiegel“ – da fallen uns all die Märchen und Geschichten ein, die um das Zauberische des Spiegelglases kreisen:
    Im Spiegelbild blickt mich ein Anderer, Fremder an, der ich sein soll, der ich bin! Oder auch nur teilweise bin?
    Der Spiegel zeigt mir mein Leben; er zeigt es mir in den Spuren, die es in meinem Gesicht (und an meinem Körper) hinterläßt. Er macht die abgelebte Zeit sichtbar und erinnert mich so an meine Vergänglichkeit.
    In modernen Dramen und Filmen ist darum der Spiegel die Pforte, durch die der Tod eintritt, oder auch die Verbindungstür in eine jenseitige Welt.

    Der Spiegel hat also die offenbar die Macht, uns in viel tieferer Weise zu sagen, wer wir in Wahrheit sind, als nur an der Oberfläche der Kosmetik. – Uns mit uns selbst und unserem Bild von uns selbst zu „konfrontieren“.
    [Ja, er zieht mich, – wenn ich mich dem Fremden ausliefere, das mir da als mein Ich entgegentritt -, in sich hinein, in eine jenseits unserer Realität liegende Wirklichkeit. Und damit läßt er mich Erfahrungen machen, die mich nicht wieder loslassen, die gar mein Leben verändern: Erfahrungen des Erschreckens, der Angst oder auch des Beglücktseins.]
    Mit diesen Gedanken über das Wesen des Spiegels wollen wir jetzt den Schluß des Textabschnitts zu verstehen versuchen. Dort wirkt das Bild vom Spiegel nämlich noch nach, wenn auch kaum mehr spürbar.
    „Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin beharrt und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig in seiner Tat.“
    Wir können das so verstehen: Das Wort Gottes ist nicht nur unbeteiligtes Spiegel-Instrument für den, der es hört und sich dann wieder seinem Lebenskampf zuwendet, – „freibleibendes Angebot“; – sondern es ist Spiegel in diesem tieferen Sinn des Zauberisch-Mächtigen, das mich mit mir selbst konfrontiert und in dieser Begegnung verändert.
    Wenn jemand „durchschaut in das Gesetz der Freiheit und darin beharrt“, sich hineinziehen läßt in diesen Spiegel „Wort Gottes“ und ihn Macht über sich gewinnen lässt, –  dann beginnt er, wirklich zu sehen, dann erlebt er es verändernd, wer er ist und wer er sein kann.
    Denn jetzt wird die Eigenschaft des Spiegels wirksam, die wir vorhin auch bedacht haben: er rückt mich in Distanz zu mir selbst.
    Das Wort Gottes, in das ich mich hineinziehen lasse im Betrachten und „Nachsinnen darüber“, zeigt mir den Anderen, der ich bin und sein soll, sein könnte, – und immer wieder nicht bin!
    Damit wird auch das Wort „Freiheit“ in der scheinbar widersprüchlichen Zusammenstellung „Gesetz der Freiheit“ verständlich:
    Das Wort Gottes als der machtvolle Spiegel, der uns in sich hineinzieht und verändert, macht uns frei von all diesen scheinbaren Notwendigkeiten und Gesetzen, denen wir uns ständig unterwerfen, von denen wir uns unser ureigenes Leben stehlen lassen.

    Und gleichzeitig: in diesem Spiegel begegnet mir das „vollkommene Gesetz“, das Paulus das „Gesetz Christi“ nennt, und zeigt mir meine Aufgabe als Mensch mit anderen Menschen, mein Leben als ‚Bruder‘ bzw. Schwester Christi.
    Wenn wir uns in den Spiegel „Wort Gottes“ hineinziehen lassen, dann sind die Folgen unausweichlich und selbstverständlich.

    So können wir diesen Abschnitt aus dem Jakobusbrief jetzt besser verstehen und müssen ihn nicht mehr seiner ‚anstößigen, „katholischen“ Einseitigkeit‘ wegen ablehnen:
    Es geht ihm nicht um ein isoliertes Entschlossensein zur Tat, das zum bloß hörenden Glauben erst noch dazutreten müßte, um ihn eigentlich wertvoll zu machen. – Sondern es geht ihm um ein ganz natürliches, selbstverständliches und doch zauberisch-machtvolles (d.h. von Gott gewirktes) Ineinander von Hören und Tun, das den Glauben ausmacht. So wie der Spiegel mich in sich hineinzieht und verwandelt, wenn ich mich ihm wirklich aussetze. –  Der flüchtige Hörer des Wortes kann solche Erfahrung so wenig machen wie der, der nur flüchtig in den Spiegel blickt und sich dann anderem zuwendet.
    Am Anfang von allem steht die Gabe Gottes: das Wort, das nicht kalt-zurück- werfendes Spiegelglas bleibt, sondern uns hineinziehen will in erfülltes Leben, in lebendiges Tun, in das selige ‚Sein bei Gott‘.
    Was wir beten und singen und hören, fordert uns auf, nicht rasch wegzulaufen von dem Spiegel ‚Wort Gottes‘, sondern vor ihm zu verweilen und uns seiner verwandelnden Macht auszusetzen, – uns darin zeigen zu lassen, wer wir sind, wer wir sein sollen! Und sein dürfen!
    Das Verweilen vor diesem Spiegel ermutigt uns, unsere Möglichkeiten, Gaben und Einsichten wahrzunehmen, ernstzunehmen und ihnen entsprechend zu leben, eben „Täter des Wortes“ zu sein.
    Das ist die Glückseligkeit, die der letzte Vers verheißt:
    „Wer durchschaut in das Gesetz der Freiheit, darin beharrt und nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter ist, der wird selig sein in seiner Tat.“
    Anders als in den Dramen und Filmen: Hinter diesem Spiegel liegt das Land der Glückseligkeit, das Paradies, – und es ist das ungeheure Geschenk Gottes, daß wir immer wieder durch den Spiegel hindurchgehen dürfen in dies Land – und gekräftigt wieder zurückkehren in unsere Lebenswirklichkeit, um „Täter des Guten“ zu sein.

    t.terneddeen

  2. morphAZZ

    Das macht mich traurig

    BORAT Klar SEX gewalt alles was in diesem film gezeigt wird ist wahr.

    UND DAS FIND ICH SCHLIMM

    Der Film zeigt den Menschen wie er ist. Mit seinen Vorurteilen und dem bösenn Trieben.

    Ich finde es echt nicht OK das jemand diesen Film verurteilen kann. Wo Lebt Ihr macht die Augen auf!

    OK es ist nicht „wirklich“ lustig. Aber wenn die Leute die gejubelt haben von wegen Bush töte Kinder u.s.w. vielleicht ändert sich was in Ihren Köpfen.

    BORAT (der Film) ist der Spiegel von Amerika.

    Himmel Hilf

    nicht Eure, sagt Ihr vielleicht. Ihr sitzt mitten drinn

    mAZZ

    love

  3. Margret

    Film Borat

    Auch ich wollte mit meinem Mann den Film „Borat“ anschauen, bin aber nach 1/4 Std. aus dem Kino gegangen, weil ich diesen Blödsinn und die sexualisierte Sprache nicht ertragen habe. Ich ärgere mich im Nachhinein, dass ich das nicht laut in den Kinosaal hinein gesagt habe. Meines Erachtens wäre nach diesem Film ein Gespräch mit den Besuchern notwendig. Mich würde auch interessieren, wie sich weibliche Wesen, die sich dieses Macho-Gehabe anhören mussten. Sind sie noch sensibel dafür?
    Stimme zu: Wer sich in diesem Film wohl fühlt, ist echt innerlich abgestumpft

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