Into The Wild – Ein verlorener Sohn, der niemals zurückkehrte

„Into the Wild“ ist das neueste Werk von Sean Penn und dessen zweite Regiearbeit. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines jungen Amerikaners, der die Verlogenheit der Gesellschaft nicht mehr ertrug und in den Weiten der Natur Alaskas nach Wahrheit suchte.

Atlanta, 1992. Der 24jährige Christopher McCandless hat es geschafft. Mit Hunderten von anderen Elite-Studenten erhält er den Abschluss der begehrten und altehrwürdigen Emory-Universität. Die pompöse Abschlussfeier ist für ihn der Startschuss in ein neues Leben. Aber bei ihm geht es nicht wie bei all den anderen Studenten in Richtung Karriere oder eine glorreiche Zukunft. Für Christopher ist heute der Tag Null, um der amerikanischen Gesellschaft auf immer Lebewohl zu sagen.

Christopher ist verbittert. Er hat die „vergiftete Gesellschaft“ satt. Das Gift, das er abbekam schlummerte in seiner Familie. Seine Eltern hatten ihm Liebe vorgeheuchelt und ihre Ehe als Mittel zum Zweck missbraucht, um auf der Karriereleiter ein paar Sprossen weiter nach oben zu steigen. Was sie ihm geboten hatten war Geld, Sicherheit und Ausbildung. Was sie nicht für ihn hatten waren Zeit, Wahrheit, Wärme. Chris verschwendet darum keine Zeit mehr. Er will nicht denselben Weg seiner Eltern einschlagen.

In radikaler Weise bricht Christopher alle Beziehungen ab, vernichtet sein Diplom und seine Ausweise, verschenkt sein Geld und beginnt seinen Trip in Richtung Westen, der „letzten Grenze“, wie sie die ersten Pioniere Amerikas genannt hatten. Sein Ziel ist die Einsamkeit in den endlosen Weiten Alaskas. Er will die konsumsüchtige Gesellschaft hinter sich lassen, alle Lebenslügen ablegen und in der „Wahrhaftigkeit der Natur aufgehen.“ Alleine. Bewaffnet mit Büchern von Jack London, David Henry Thoreau, Rousseau, Pasternak, einem Sack Reis und einer Flinte macht er sich auf den Weg.

Zu einem neuen Leben gehört ein neuer Name, und so tauft sich Aussteiger Chris in „Alex Supertramp“ um. Auf seiner Odyssee begegnet er vielen interessanten Menschen, einem alternden Hippiepärchen und einem Hippiemädchen, das sich in ihn verliebt. Einem korrupten, aber wohlwollenden Großfarmer. Und einem vereinsamten alten Ledergerber, der ihn sogar als seinen Sohn adoptieren will.

In all diesen Begegnungen spielt sich immer wieder das gleiche Drama ab. Alex gewinnt jedes Mal die Aufmerksamkeit und schließlich die Liebe dieser Menschen. Doch das tragische daran ist, dass Alex diese Liebe nicht erwidert und auch nicht erwidern kann. Er ist getrieben von dem einen Ziel: die Zivilisation hinter sich zu lassen und alleine zu sein, mit sich und der Natur. Das Benzin für seine Flucht ist die tiefe Bitterkeit gegenüber den Menschen, denen er nicht mehr vertraut. In seinem Herzen gibt es keinen Platz für andere Menschen, Liebe oder Beziehungen. Er will sich nicht mehr an Menschen ausliefern. Jedes Mal, bevor eine Beziehung entsteht, kappt er rechtzeitig den Kontakt und zieht seinen einsamen Weg weiter.

Schließlich gelangt der stolze Junge an seine Ziel. Mit Verwunderung muss er feststellen, dass mitten in der Wildnis, in den Weiten Alaskas im Schatten des Mount McKinley, ein uraltes Schulbus-Wrack steht: der „Magic-Bus“, wie er auch heute noch genannt wird. Ein verwittertes, hässliches Symbol der Zivilisation, der er zu entkommen versuchte. Sie hatte ihn wieder eingeholt. Noch schlimmer. Sie war schon weit vor ihm hier gewesen. Doch die beißende Kälte treibt Alex in das Innere des verrotteten, hässlichen Wracks, in dem er sich spartanisch einrichtet.

Es wird immer offensichtlicher, dass der romantische Traum des Jungen, mit der Natur eins zu werden, misslingen wird. Kaum hatte er es geschafft, sich aus den Ketten der Gesellschaft zu lösen, wartete in Mitten Alaskas der nächste Käfig auf ihn. Ein neues Gefängnis, noch hässlicher als das Alte, in der Gestalt eines trostlosen, verrostenden Busses. Dieses Gefängnis symbolisiert aber nicht nur den weiten Arm der Zivilisation, der Alex nicht entkommen kann. Es symbolisiert auch den letzten Abgrund des menschlichen Herzens und dessen Tiefen der Hässlichkeit. Hinter der letzten Tür seines radikal egoistischen Trips, seiner Suche nach absoluter Unabhängigkeit verbarg sich also dieser elende Käfig. Seine große Vision totaler Freiheit endet in einem dreckigen, einsamen Gefängnis.

Alex magert immer mehr ab. Der Reis geht zu Ende. Ein geschossener Elch wird Opfer der Maden. Mit erlegten Eichhörnchen kann er sich nicht lange ernähren. Der stolze Junge brüllt seine Verzweiflung in die Wildnis hinaus. Keine Antwort. Plötzlich keimt in ihm ein wunderschöner Gedanke beim Schmökern in seinen Büchern auf:

„Happiness can only truly be experienced when shared – Echtes Glück kann man nur dann erfahren, wenn man es teilt.“

Mit diesem Satz erwacht sein Wunsch, zu seiner Familie zurückzukehren, eine Familie zu gründen, Glück zu teilen. Er packt seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg nach Hause. Doch der Fluss hat Hochwasser und schneidet ihm den Rückweg ab. Verzweifelt sucht er nach Essbarem. Vom Hunger getrieben verschlingt er aus Versehen eine giftige Wurzel. Langsam setzen Lähmungen ein. Alex wird immer schwächer. Erinnerungen an seine Kindheit und seine Eltern schießen ihm durch den Kopf. Einige Monate später wird Christopher MacCandless verhungert in dem Magic-Bus aufgefunden. Der alte Traum ewiger Freiheit endete in einem kleinen Bus im Schatten des Mount McKinley.

Die Tragik seines Endes ist noch viel größer, als man auf Anhieb denkt. Ein paar Meilen flussabwärts vom Bus wäre eine Brücke gestanden. Chris hätte zurückkehren können. Doch Chris war zu stolz gewesen, im letzten Ort vor der Wildnis eine Karte zu kaufen. Er wollte seinen Traum ohne fremde Hilfe umsetzen, ohne Karte, ohne Menschen. Eine traurige, wahre Geschichte. Umso trauriger, da Chris erkannte, das wahres Glück nur dann existiert, wenn man es teilt.

Ebenso wie Chris erkannte auch ein Mann namens David vor 3000 Jahren, dass wahres Glück nur existiert, wenn man es teilt. Auch David befand sich mitten in der Wildnis. Auch David war von den Menschen bitter enttäuscht und belogen worden. Doch er wählte in der Einsamkeit einen besseren Weg. Er begann sich mit folgenden uralten Worten nach seinem Schöpfer auszustrecken:

Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war. Gott, du bist mein Gott. Frühe rufe ich zu dir. Es dürstet meine Seele nach dir; mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus einem trockenen und dürren Land, wo kein Wasser ist.(…)Ich schaue aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit. Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich. (…)Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.
(Aus Psalm 63)

Wir Menschen sind Beziehungswesen. Wir alle sehnen uns nach einem Gegenüber, sowohl nach einem menschlichen als auch nach einem ewigen, göttlichen, wahrhaftigem Gegenüber, unserem Schöpfer. Wir wissen tief in unserem Innern von seiner Existenz. Aber unsere Schuld trennt uns von dem ewigen und heiligen Gott.

Aber auch Gott sehnt sich nach einer engen Beziehung mit seinen Geschöpfen. Darum nahm er Menschengestalt an und besuchte die Menschheit in der Gestalt Jesus Christi. Obwohl Jesus uns nur Liebe entgegenbrachte, schlug ihm damals wie heute brutale Ablehnung entgegen. Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes 1,11) Doch seine Mission war es nicht, sich wieder verbittert zurückzuziehen, sondern das Gefängnis gefangen zu führen. (Epheser 4,8) Und zwar alle unsere Gefängnisse der Sünde, seien es Egoismus und Bitterkeit wie bei Christopher, oder Lüge, Hass, Mord, Ehebruch und alle Arten von Süchten. Egal wie unser Gefängnis aussieht, Jesus nahm sie alle mit hinauf auf das Kreuz. Er bezahlte mit seinem Blut das, was wir nicht bezahlen konnten, und besiegte die Dinge, denen wir nicht entkommen konnten. Dieses Kreuz ist die Brücke, die uns zurück zum Vater führen kann.

Alex konnte die Brücke, die ihn zurück zu seinen Eltern gebracht hatte leider nicht mehr finden. Er hatte in seinem Stolz keine Karte gewollt. Daher blieb ihm am Ende nichts weiter übrig, als die Wahrheit zu erkennen. Aber er hatte keine Chance mehr, diese wertvolle Wahrheit umzusetzen und umzukehren.

Jesus bietet dir heute die Umkehr aus deinem Gefängnis an. Du hast die Karte. Gehe über die Brücke des Kreuzes und du wirst in Gott einen liebenden Vater finden, der dir vergibt, der dir echte Freiheit schenkt und der dich auch durch die Kälte und Lügen unserer heutigen Zivilisation tragen wird.

Kommentare

  1. velimir

    danke für deinen brief… das großartige an einer echten beziehung mit Gott, ist dass Er unserem leben sinn, tiefe und freude gibt, egal in welcher situation wir gerade stecken. die apostel konnten sogar im gefängnis loblieder singen. das ist wirklicher friede!
    ich persönlich kann nicht nachvollziehen, allein in der wildnis zu sein. Jesus hat das zwar gemacht, aber mit dem zweck 40 tage vom teufel versucht zu werden und ihm zu widerstehen.
    ich selbst hab gerne eine u-bahn in meiner nähe… auch in der großstadt kann man sich auf das wesentliche konzentrieren: Jesus sagte: ihr seid IN der welt, aber nicht VON der welt… das heißt, christen sollen keine weltflucht (kloster) betreiben, sondern an ihrem ort den menschen von Gott erzählen und IHN mit ihrem leben bezeugen.

  2. Lirlen

    „Happiness can only truly be experienced when shared“

    Echt starker Artikel! Ich möchte Euch dazu von meinen eigenen Erfahrungen erzählen.
    Letzten Sommer war ich während drei Monaten in ähnlicher Art und Weise im Norden Kanadas unterwegs wie Alex – eine geniale Erfahrung. Reisen per Autostopp und nur mit einem Rucksack ausgerüstet führte zu vielen unvorhergesehenen Abenteuern und eindrücklichen Begegnungen mit Menschen.
    Der Film „Into the Wild“ gefällt mir sehr gut und erinnert mich an meine eigenen Erfahrungen in der Wildnis. Auch ich war häufig alleine unterwegs. Dabei wünschte ich mir wie Alex oft, meine Erlebnisse mit jemandem teilen zu können. Umgekehrt freute ich mich dann aber auch wieder auf die Einsamkeit, nachdem ich ein paar Tage mit jemandem zusammen war. Um glücklich zu sein, braucht es eben beides in einem ausgewogenen Masse – Zeit, die man mit Anderen teilt und Zeit, die man für sich selbst hat.
    Während meiner Kanada-Reise kam ich noch zu einer weiteren Erkenntnis: Weniger ist mehr! Je weniger man besitzt, desto freier ist man und desto mehr erfreut man sich an dem, was man hat. Neben guten Freunden braucht es nicht viel, um glücklich zu sein! Selbst meine Rucksackausrüstung war noch zu gross und zu schwer – sie enthielt immer noch Unnötiges, das mir Freiheiten raubte.
    Der Kapitalismus und Materialismus in der künstlichen Welt, in der die heutige Gesellschaft lebt, vereinnahmt viele Menschen so stark, dass sie sich gar nicht bewusst sind, was die wirklich wichtigen Werte sind, die zählen und was man braucht, um glücklich zu sein. Auch Alex hat dies als intelligenter Mensch früh erkannt und sich deshalb von der Society angeekelt distanziert.
    Jesus und die Bibel können hier helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das man braucht, um auch in der heutigen Gesellschaft glücklich zu sein und wahren Frieden und Freiheit zu finden!
    Vertraue auf Gott und sorge Dich nicht! Er vergisst Dich nie und wird Dir immer den Weg weisen. Auch das durfte ich in Kanada immer wieder auf eindrückliche Art erfahren. Als meine Lebensmittel nach ein paar Tagen Wildnis einmal knapp wurden, halfen mir zwei nette Amerikaner spontan aus, sodass es bis zum nächsten Zivilisationscheckpoint reichte.
    Zivilisation ist eben nicht nur schlecht, wie Alex zuerst dachte. Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein, aber es ist wichtig, wahre, treue Freunde zu haben und zu wissen, dass Gott auch dann da ist, wenn kein Freund mehr helfen kann!

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