Sie war eine unscheinbare Frau. Der Herr hat in ihr Leben eingegriffen und sie gerettet. Aus unvorstellbaren Umständen wurde sie als Kind von ihrer Mutter getrennt. Sie wurde von einer Pflegefamilie aufgezogen. Als Kind erlebte sie den Herrn und seine Schutzengel.
Als kleines Mädchen fiel sie beim Überqueren der Straße hin und lag hilflos auf dem Boden. Ein Auto näherte sich schnell. Sie hörte eine Stimme: “Bleib liegen und bewege dich dich nicht!” Das Auto ist über sie weg gefahren ohne sie zu verletzen. Sie hatte sich ganz eng auf den Boden gekauert. Gott hat sie vor dem sicheren Tod bewahrt.
Ihre spätere Ehe war die Hölle. Sie wollte sich deshalb vor den Zug werfen. Sie wollte es dann tun, wenn ihre beiden Kinder nicht daheim waren. Der Plan war fest beschlossen. Überraschend brachte dann genau an diesem Tag ihre kleine Tochter eine Einladung zu einer christlichen Kindersunde mit nach Hause. Sie war dagegen, dass ihre Tochter diese Veranstaltung besuchen wollte. Sie ließ sich dann doch überreden und besuchte die Kinderstunde mit ihrer Tochter. An diesem Tag fand diese lebensmüde Frau zu Jesus. Durch ihren Glauben hat sie all die seelischen und die späteren körperlichen Leiden überstehen können. Sie bleibt als fröhlicher Mensch in unserer Erinnerung. Deus in minimis maximus – in den kleinsten Dingen (Personen) ist Gott am größten. Wir freuen uns, sie im Himmel wieder zu sehen.
Zu ihrem bewegten und schmerzlichen Leben passt diese Geschichte dazu:
“Tom ging von Zeit zu Zeit ins Pflegeheim, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Dort lernte er eine alte Frau mit dem Namen Mabel kennen. Ihr Gesicht war schrecklich anzusehen. Der leere Blick und die weißen Pupillen zeigten, dass sie blind war. Die große Hörhilfe an einem Ohr wies darauf hin, dass sie fast taub war. Eine Seite ihres Gesichts wurde vom Krebs aufgefressen. Eine verfärbte und eiternde Wunde bedeckte einen Teil einer Wange, drückte ihre Nase auf die Seite, hatte ihr Auge fast erreicht und ihren Kiefer so verdreht, dass das, was eigentlich ihr Mundwinkel war, jetzt die untere Hälfte der Mundes war. Folglich sabberte sie unaufhörlich. Mabel war 89 Jahre alt und seit 25 Jahren im Pflegeheim, bettlägerig, blind, fast taub und allein. Das war Mabel.Mabel und Tom wurden Freunde und er besuchte sie die nächsten drei Jahre ein- oder zweimal pro Woche.
An manchen Tagen las er ihr aus der Bibel vor und wenn er aufhörte, trug sie den Abschnitt weiter vor, aus dem Gedächtnis und Wort für Wort. An anderen Tagen nahm er ein Liederbuch und sang mit ihr, und sie kannte die Texte der ganzen alten Lieder auswendig. Für Mabel waren das nicht einfach Übungen für ihr Gedächtnis. Sie hörte oft mitten in einem Lied auf und kommentierte einen Text, der ihr besonders passend für ihre Situation erschien.Während einer hektischen Woche war Tom frustriert, weil sein Verstand in zehn Richtungen gleichzeitig gezogen wurde, weil er an so viele Dinge denken musste.
Da tauchte in ihm die Frage auf: „Woran denkt Mabel die ganze Zeit? Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche, ohne zu wissen, ob nun Tag oder Nacht ist?“ Also ging er zu ihr und fragte sie: „Mabel, an was denkst du, wenn du hier liegst?“ Und sie sagte: „Ich denke über meinen Jesus nach.“Tom saß da und dachte daran, wie schwer es ihm fiel, auch nur fünf Minuten über Jesus nachzudenken, und so fragte er sie: „Und was genau denkst du dann?“ Sie erwiderte langsam und überlegt: „Ich denke darüber nach, wie gut er zu mir war. Er war schrecklich gut zu mir in meinem Leben, weißt du…“
Diese Geschichte von Tom und Mabel ist nicht erfunden. Tom kannte sie und ihre Geschichte, ihre Schmerzen, ihr Schicksal. Sekunden tickten und Minuten verstrichen, und Tage und Wochen und Monate und Jahre vergingen, in denen sie Schmerzen litt, keine menschliche Gesellschaft hatte und keine Erklärung dafür, warum das alles passierte. Und sie lag da, sang Loblieder und dachte darüber nach wie gut Gott zu ihr war.”
(Quelle: John O., Das Leben nach dem du dich sehnst)
