
Das Leben von Franz Silbereisen (54) war schwarzweiß. Als Gott ihn fand, lief alles als Farbfilm ab. Was war geschehen?
Boxen, Karate, Gewichtheben, Bodybuilding, unterwegs mit der Motorradclique – bis zu seinem 23. Lebensjahr war Franz Silbereisen ein Rastloser: „Ich habe versucht, das Loch im Herzen mit viel Aktivität zu stopfen.“ Als er auf einem seiner insgesamt 15 Motorräder einen schweren Unfall hinlegte, habe seine Großmutter signalisiert, dass Jesus ihn beschützt hätte. Da war er wieder, der Hinweis auf Jesus. War es Gott, den Franz suchte? Sucht Gott etwa ihn? Aber der Reihe nach.
In seiner Kindheit verfolgte den in Tiefenbach in der Nähe von Passau streng katholisch erzogenen Jungen das Bild eines ungnädigen Richtergottes: „Ich hatte den Glauben, wenn man als Christ alt wird, wird man gekreuzigt – so wie Jesus.“ Denkt er zurück an die Kinderjahre stehen ihm wieder die Bilder vor Augen: die kalten Kirchenbänke, das Hinknien, die Rituale und Prozessionen. Doch im Alter von neun oder zehn Jahren, so erinnert sich Silbereisen, habe ihn auf einmal die Gewissheit überfallen, dass Gott ihn haben wolle: „Es war eine innere Überzeugung.“
Freude einfach rausgeschrien
Noch einige Male blitzten in dem kleinen Franz die Momente auf, in denen er zu spüren glaubte, „dass Gott mich sucht“. Doch sie verblassten in den Jugendjahren und wichen der Rastlosigkeit. Bis alles anders wurde: Die Diskussionen mit einem Kumpel, der sich den Zeugen Jehovas verschrieben hat, lösten eine neue Sinnsuche aus. Täglich kniete er abends vor dem Bett und bat Gott, dass er sich ihm zeigen solle.
„Und dann kam ein Christ nach dem anderen in mein Leben“, sagt er. Einer von ihnen wies ihm den Weg in die Passauer Baptistengemeinde. Silbereisen wurde entschiedener Christ. Er hatte einen liebenden Gott gefunden. „Es gab Zeiten, da habe ich das Fenster im Auto runtergekurbelt und meine Freude einfach rausgeschrien.“ Nach seiner Taufe stieg er in die Jungschararbeit ein. Aufgrund einer Krise im Maschinenbau schulte der Dreher um zum Krankenpfleger. Später besuchte er die Bibelschule Brake (Lemgo); gemeinsam mit Eva, die er kurz zuvor geheiratet hat.
Auf dem Weg nach Hause
Bis heute hat den 7-fachen Vater und Bruder des Moderators und Sängers Florian Silbereisen die Freude am aktiven Glaubensleben nicht losgelassen. Dazu gehören Gemeindegründungen sowie Missionseinsätze im In- und Ausland, Vorträge und Predigten und sein Ältestenamt in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hutthurm (Landkreis Passau), wohin er zurückgekehrt ist.
Klar, sie gehören dazu, die Mühen des Gemeindedienstes, geistliche Konflikte – und sein Vollzeitjob als Pfleger in einer psychiatrischen Einrichtung. Aber da ist auch die unerschütterliche Einsicht: „Jesus ist der gute Freund, der mich schon immer begleitet hat. Ich habe ihn zuerst nur nicht erkannt, bis er sich zu erkennen gab.“
Im Laufe der Jahre sei ihm Jesus immer kostbarer geworden. „Im Glauben altern heißt, ruhiger werden und wertschätzen, was man in Jesus gefunden hat: Wir haben das ewige Leben und sind auf dem Weg nach Hause.“ Ein Porträt von IDEA-Redakteur Menno van Riesen
