Neues Buch über die Hintergründe der Schul-Amokläufe.

"Unlängst ist ein Buch herausgekommen, das die Urszene des Schul-Amoklaufs rekonstruiert möchte – eine Urszene, so einflussreich, dass sich mehrere Nachahmungstaten auf sie beziehen: das Massaker an der Columbine High School im amerikanischen Littleton vor zehn Jahren. Am 20. April 1999 erschossen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold dreizehn Menschen und verwundeten einundzwanzig Personen. Das Buch heißt „Ich bin voller Hass – und das liebe ich“, ein „dokumentarischer Roman“, den der Journalist Joachim Gaertner soeben im Eichborn Verlag publizierte.Er hat den Nachlass dieser zwei Massenmörder minutiös rekonstruiert und ausgewertet.Tagebuchaufzeichnungen, Kassenbons, Kalendereinträgen, Hasstiraden, Liebesbriefe, literarische Phantasien, Schulaufsätze, Einkaufslisten. Insgesamt Material aus 25.000 Seiten Ermittlungsakten.Beim Studium des mörderischen Nachlasses verlor Gaertner nach eigenem Bekunden den Fluchtpunkt der Tat aus den Augen, auf den die Kriminologen fixiert sind. Für ihn nahmen sich die Dinge von Littleton eher wie in Gus van Sants Film „Elephant“ aus: „das Massaker geschieht völlig aus dem Nichts, banal, unerklärlich“. Die Vorbereitung der Tat lässt sich rekonstruieren, nicht jedoch, was sie letztlich in Gang bringt. Van Sant findet „keinerlei Anhaltspunkte dafür, warum und aus welchen Motiven die Täter handeln“.
Im Rummel der Deutungsmaschinerie von Winnenden sollte man vielleicht einen Moment lang die Luft anhalten – um Joachim Gaertners (sagen wir ruhig:) Montage des Bösen zu lesen, Seite für Seite, und abzuwarten, was man danach noch sagen möchte.
Dylan Klebold notiert am 2. Februar 1998: „Ich bin der Gott der Traurigkeit. Ich werde nie aufhören nachzudenken. Wir werden unsere Rache an der Gesellschaft nehmen und dann frei sein, an einem zeitlosen, raumlosen Ort reinen Glücks zu existieren.“ Es ist derselbe Ort, an dem seit Mittwoch auch Tim K. existiert."soweit der Artikel in der "FAZ" über dieses neue Massakerbuch.Beim Erfurter Schuldrama wurde der "rächende Gott" Robert Steinhäuser durch einen todesmutigen Lehrer geweckt. Die "Zeit schreibt:"Robert!" – Mit diesem einen Wort hat sein Lehrer Rainer Heise den Rasenden nach dessen 16. Mord aufgehalten. Die dann folgende Frage, "was denkst du dir eigentlich dabei", war buchstäblich entwaffnend. Der Schüler war plötzlich sogar zum Gespräch bereit. Der couragierte Geschichts- und Kunstlehrer öffnete die Tür zu Raum 110 im Erfurter Gutenberg-Gymnasium, lässt Robert Steinhäuser vorgehen, stößt ihn hinein und schließt die Tür. Für ein Gespräch war es jetzt wirklich zu spät. Dann folgte der 17. Mord. Robert ermordet Robert."
Diese, von Ohnmachstgefühlen geplagten Kids sind auf die Lüge der alten Schlange hereingefallen, die schon im Garten Eden verlogen versprochen hat:"Ihr werdet sein wie Gott…." So werden aus ohnmächtigen Kindern, von allmachtsgefühlen getriebene,mordende "Götter".Allein der lebendige Gott kann diesen Wahnsinn aufhalten. Er ruft uns bei unserem Namen und zeigt uns
dabei, wer wir in Wirklichkeit sind, und dass er uns so liebt wie wir sind."Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"Jesaja 43,1      Angst macht sich breit in unserer Welt. „Angst fressen Seele auf“ lautet ein geflügeltes Wort, dessen Herkunft ich nicht finden kann. „Die Welt ist eine Fabrik der Angst“ heißt es in den Texten einer Musikband.„Wer bin ich?“, so fragt Dietrich Bonhoeffer in seinem bekannten Gedicht. Es schließt mit der Zeile: „Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“ 

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