14. Februar 1942 – Briten befehlen Bombardierung deutscher Städte.

“Im November 1940 bombardiert Görings Luftwaffe die englische Industriestadt Coventry. Die gesamte Innenstadt wird zerstört. Von da an bedeutet “coventrieren” im deutschen Propaganda-Jargon das Einäschern gegnerischer Städte….

Der erste britische Bombenangriff nach deutscher Methode trifft im März 1942 Lübeck. Rund 62 Prozent aller Gebäude im Zielgebiet werden zerstört oder beschädigt. Die Heimatstadt von Thomas Mann liegt in Trümmern. Der Schriftsteller meldet sich per “Feindsender” aus dem Exil: “Ich denke an Coventry und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.” Nun folgt Angriff auf Angriff. Im Juni 1942 wird der erste 1.000-Bomber-Angriff gegen Köln geflogen. Solche Angriffe folgen auf Essen, Bremen, München, Krefeld, Hannover, Stuttgart – und immer wieder Orte im Ruhrgebiet.

Bevor die Brandbomben abgeworfen werden, markieren so genannte Pfadfinder-Schwadronen mit farbigen Leuchtbomben die brandempfindlichen Zonen. “Christbäume setzen”, nennen die Deutschen dieses Vorgehen. Insgesamt fallen auf die deutschen Städten 1,3 Millionen Tonnen Bomben, davon fast ein Drittel in den letzten Kriegsmonaten. Etwa eine halbe Million Menschen kommen dadurch ums Leben. Ob es sich bei den alliierten Angriffen um sinnlosen Bombenterror oder militärisch notwendige Schläge gegen Nazi-Deutschland gehandelt hat, ist bis heute umstritten.” WDR.de

“Der furchtbare Bombenkrieg brach über unsere Stadt Essen herein“ – schreibt Pfarrer Wilhelm Busch – „Immer häufiger wiederholten sich die Schreckensnächte, in denen verzweifelte Menschen durch die Straßen irrten und nicht wußten, wo sie sich vor dem Feuer bergen sollten.
Hunderttausende flohen aufs Land. Als man der Mutter B. nahelegte, sie solle sich doch auch evakuieren lassen, tat sie das kurz ab: ‘Ich habe hier meine Aufgabe!’
Eines Nachts saß sie im Keller mit den anderen Hausbewohnern. Das waren gottlose Leute, die über die alte Frau nur lächelten.
Dann kam der Angriff. Die Leute im Keller schrien. Sie klammerten sich aneinander. Jeden Augenblick konnte man verschüttet oder zerrissen werden. Da rief auf einmal eine Frau: ‘Mutter B.! Beten Sie doch!’
Mutter B., die bisher gelassen und ruhig dagesessen hatte, fuhr auf: ‘Wie könnte ich jetzt mit euch den Gott anrufen, den ihr bisher verachtet habt?’
‘Mutter B., beten Sie!’ schrie die Frau.
‘Ich will es tun’, sagte Mutter B., ‘wenn ihr von jetzt an den Herrn suchen wollt!’
‘Ja, das wollen wir!’ rief es aus allen Ecken des Kellers, in dem das Entsetzen nun völlig Platz gegriffen hatte. Das Licht war längst ausgegangen. Der Keller bebte wie ein Schiff im Sturm.
Die Bomben krachten, heulten, zischten. Kalkstaub erfüllte die Luft. Man saß wirklich im Rachen des Todes.
‘Ja, wir wollen Gott suchen!’ riefen die Leute. ‘Wir werden am nächsten Sonntag mit Ihnen zur Kirche gehen!’
Und dann betete diese arme, alte, schwache Frau, die im Glauben stark war und der ihr Gott Ruhe und Gelassenheit gab, laut und tröstlich. Sie stellte diesen Keller mit all seinen verlorenen Insassen in die Hand ihres Herrn. Sie dankte ihm für seine Gegenwart und rief ihn mit starker Stimme um Hilfe, Kraft und Trost an.
Über solchem Gebet des Glaubens wurde es still. Die Leute erlebten etwas von dem Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Dann war endlich der schauerliche Angriff vorüber. Still gingen alle in ihre Wohnungen.
Und nun kam der Sonntagmorgen. Mutter B. ging von Tür zu Tür und lud ein zum Gottesdienst:
‘Ihr habt mir versprochen, den Herrn zu suchen. Jetzt kommt mit mir, sein Wort zu hören!’
Doch sie mußte schließlich ganz allein gehen. In der einen Wohnung schlug man ihr vor der Nase die Tür zu. In einer anderen stammelte man verlegene Entschuldigungen. In einer dritten jagte man sie mit einem Fluch weg, und in der vierten lachte man sie einfach aus.

Es war vierzehn Tage später. Wieder eine Schreckensnacht über Essen! Wieder saßen die Leute im Keller. Wieder war das Licht verlöscht. Wieder heulten, krachten und zischten die Bomben über einer sterbenden Stadt.
Die Leute im Keller von Mutter B. wollten diesmal stark sein. Sie hatten sich ein wenig geschämt, dass sie so die Nerven verloren hatten. Aber als eine halbe Stunde vergangen war und der Schrecken sich nur immer mehr steigerte, da war es mit ihrer Stärke vorbei. Und dann fiel ihnen wohl ein, wie ihre Herzen über dem starken Gebet der alten Frau ruhig geworden
waren.
Die Mutter B. war ja unter ihnen. Ja, gelassen und still versunken saß sie in einer Ecke.
Und dann schlug eine schwere Bombe ganz in der Nähe ein. Man hörte sie heran heulen … eine Schrecksekunde … dann ein ohrenbetäubendes Krachen, Bersten … Kalkstaub … man meinte, man müsse ersticken …
Da schrie ein Mann entsetzt: ‘Frau B.! Beten sie doch!’ Und alle fielen ein: ‘Mutter B.! Beten sie!’
Einen kurzen Augenblick war es still. Man hörte nur das Getöse des Angriffs. Dann kam die Stimme der Mutter B. durch die Dunkelheit – und man wusste nicht, ob sie hart oder traurig klang: ‘Mit euch kann ich nicht mehr beten. Ihr verachtet ja meinen Gott!’
Und sie überließ die Leute ihrem Entsetzen!“ Wilhelm Busch

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