18. Januar 1887: Geburtsstunde einer Droge

Am 18. Januar 1887 stellte der rumänische Doktorand Lazar Edeleanu an der Humboldt-Universität in Berlin erstmals die aufputschend wirkende Substanz, die später den Namen Amphetamin bekommen sollte.

Sie ist eines der ersten prominenten Opfer: Judy Garland. Im Musical-Film „Wizard of Oz“ soll sie 1938 die kindliche Dorothy spielen. Weil die Produzenten fürchten, die pubertierende 16-Jährige könne zu schnell weibliche Formen entwickeln, verordnet der Arzt am Set kurzerhand den Appetitzügler „Benzedrin“. Der Inhaltsstoff: Amphetamin. Judy Garland sollte nie wieder davon loskommen.

Dass die Verbindung als erste synthetische Droge Karriere machen könnte, ahnt Edeleanu nicht. Er wendet sich neuen Experimenten zu und entwickelt 1908 ein Verfahren, um Rohöl wichtige Rohstoffe für die Kunststoffherstellung zu entziehen. Sein Verfahren setzt sich schnell durch. 1941 stirbt der Chemiker in Bukarest.

Das Potenzial des von Edeleanu hergestellten Phenylisopropylamin wird erst nach 40 Jahren in den USA entdeckt. Der Allergologe George Pines und der Biochemiker Gordon Alles finden in ihm eine synthetische und damit billige Alternative zu dem auf pflanzlicher Basis hergestellten Asthmawirkstoff Ephedrin. Gordon Alles prägt auch den Namen Amphetamin.

Dann geht alles ganz schnell: Pharmafirmen entwickeln in den 30er-Jahren Medikamente auf der Basis von Amphetamin – zum Inhalieren und zum Schlucken. Wie das von Judy Garland genutzte „Benzedrin“.

Migräne, Polio, Depression, Epilepsie, Parkinson, Impotenz, Koliken, Seekrankheit – die Liste der gesundheitlichen Probleme, zu deren Behandlung Amphetamine in den 30er-Jahren in den USA zugelassen sind, ist lang. Es gibt 39 offizielle Anwendungen. Millionen Menschen lernen so – ganz legal – auch die anregende und aufputschende Wirkung der Amphetamine kennen.

Eine Wirkung, die vom Militär systematisch genutzt wurde. Das von den Berliner Temmler-Werken 1938 auf den Markt gebrachte, hoch dosierte „Pervitin“ verabreichte die Deutsche Wehrmacht zu Beginn des Zweiten Weltkriegs den Soldaten im großen Stil.

„Dieses Pervitin hatte eine unglaubliche Wirkung.“

So der wissenschaftliche Leiter des Militärhistorischen Museums Dresden Gorch Pieken.

„Man ist nicht müde, man ist euphorisiert, man ist optimistisch, und man kann drei Tage ohne Schlaf auskommen.“

Als klar wurde, dass Amphetamine süchtig machen, und es immer häufiger zu Problemen kam, drosselte die Wehrmacht die Pervitin-Zufuhr an der Front und begann im KZ Sachsenhausen mit einer Serie grausamer Menschenversuche. Internierte wurden gezwungen, Leder-Ersatzstoffe zu testen. Sie mussten Pervitin schlucken und drei Tage und zwei Nächte laufen. Ohne Pause.

„Jeder, der Sachsenhausen besuchte, sah den Appellplatz und immer diese Schuhläuferkommandos und am Ende des Krieges diese Pillenkommandos im Kreise laufen mit einer erschreckend hohen Todesrate.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Militär ein Großabnehmer für Amphetamine – auch in Deutschland.

„In der Bundeswehr tatsächlich noch bis Anfang der 70er-Jahre, und in der NVA bis zur Wiedervereinigung.“

Amphetamine haben – legal als Medikament oder illegal aus Hinterhof-Laboren bezogen – als Droge diverser Jugendbewegungen Konjunktur: von den Beat-Poeten über die Punks bis hin zur Technoszene. In verschiedenen Spielarten: als Speed, Pep, Crystal Meth oder Ecstasy.

Halluzinationen lösen Amphetamine nicht aus. Zum tödlichen Problem wurden und werden die Amphetamine, weil Nutzer über körperliche Grenzen hinweggehen. Und durch die Kombination mit anderen Drogen, Alkohol oder Medikamenten. (https://www.deutschlandfunk.de/)

Unser Bruder Joe kam los von seinen Drogen: https://www.nohopeindope.de/

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