2001 – In den USA werden beim schlimmsten Anschlag in der Geschichte des Terrorismus rund 3000 Menschen getötet.

Seit dem 11. September ist die Welt nicht mehr die gleiche. Ich saß im Arbeitszimmer an meinem Computer, als meine Frau hereinplatzte: »Hast du schon gehört? In Amerika ist etwas ganz Furchtbares passiert!« Ich drehte das Radio an, und obwohl es gar nicht Zeit war für Nachrichten, redeten mehrere Nachrichtensprecher durcheinander, mit teils erregter, manchmal stockender Stimme von Dingen, die noch immer unfassbar sind.
Ich hatte nur wenige Minuten zugehört, und es ging mir wie allen andern: Ich spürte, dass jetzt etwas passiert war, dass die Welt verändert hatte.
Wir fühlen uns seither nicht mehr sicher in dieser Welt. Sie war nie sicher; und sie ist seit dem 11. September nicht wesentlich unsicherer geworden. Aber jetzt fühlen wir es. Viele haben Angst. Diese Angst hat mit der Bedrohung zu tun, die im Namen einer ganz bestimmten Weltreligion offen ausgesprochen worden ist. Man hat im Namen Allahs, des Gottes Mohammeds, der Führungsmacht des Westens, und ihrem Protegé, Israel,
den Krieg erklärt.
Viele sind aufgeschreckt. Ist das also der Islam ohne Maske?
Experten und Politiker haben sich beeilt, der verunsicherten Öffentlichkeit zu beteuern, das sei nicht die Art des Islam. Diese Religion sei von Fanatikern missbraucht worden.
Uns helfen keine Pauschalurteile gegen das Fremde und Bedrohliche; uns hilft aber auch keine Wirklichkeitsflucht. Wie ist der Islam? Was unterscheidet ihn von anderen Weltreligionen und vor allem vom Christentum, das wir noch am besten kennen.

Der Islam ist mehr als andere Religionen – er ist »der Entwurf einer Gesellschaftsordnung«, schreibt der britische Philosophieprofessor Ernest Gellner. Im arabischen Medina gründete Mohammed in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts die urislamische Gemeinschaft. Dieser Stadtstaat war Mohammeds Entwurf eines Gottesstaates. Sein Reich ist von dieser Welt. »Mein Reich ist nicht von dieser Welt«, sagte Jesus von Nazareth, als er vor
dem mächtigsten Mann im Land stand, dem römischen Statthalter Pontius Pilatus. Hat dieser Unterschied etwas zu tun mit den Geschehnissen vom 11. September und allem, was in seinem Gefolge geschah? Oder spielt das alles hier keine Rolle?
Wir sollten auf alle Fälle wissen, was zur Eigenart des Islam, dieser einzigen nachchristlichen Weltreligion, gehört, und wie es sich selbst zum Christentum äußert.

Was lernt der Christ von seinem Meister, wenn er ihn ernst nimmt? Sein Meister tötete niemanden; und er hat seinen Jüngern nie einen Auftrag gegeben, irgend jemanden zu töten. Im Gegenteil: Er ließ sich selbst für andere umbringen.
Der Apostel riet den Christen in Korinth, sich lieber Unrecht antun zu lassen als andern Unrecht zu tun (1Kor 6,7). Die Apostel selbst wurden geschmäht, verfolgt und verlästert. Was taten sie dagegen? Nichts, außer dass sie für ihre Lästerer beteten (1Kor 4,12.13). Solche Vorbilder prägen. Sie haben das sittliche Urteilen von unzähligen Christen während fast
zweitausend Jahren beeinflusst. Und sie gehören noch immer zum Gerüst der westlich freiheitlichen Ethik, auch wenn die westlichen Gesellschaften aufgehört haben, christlich zu sein.

Der Koran kennt keine dem Neuen Testament entsprechende
Anweisung: »Widersteht nicht dem Bösen. Wenn jemand dich
auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die rechte
hin« (Mt 5,39). Vielmehr lautet hier die Weisung: »Rüstet wider
sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in
Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind« (Sure 8,62).
Der Koran kennt keine Aufforderungen wie: »Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; betet für die, die euch
verfolgen« (Mt 5,44). Das ist hingegen uns im Westen als sittliche Norm sehr bewusst, auch wenn die meisten von uns das
Neue Testament kaum je lesen. Im Koran ist und bleibt der
Feind ein Feind, und einen Feind darf man, ja, muss man bekämpfen. Es ist ein für moslemisches Urteilen ganz abwegiger
Gedanke, einen Feind zu lieben. Es findet sich in der Seele des
Moslem kein Reservoir, aus dem er unter bestimmten Umständen solche Antworten auf eine Gewalttat schöpfen könnte.

Im Neuen Testament findet sich keine einzige Aufforderung, irgend jemanden zu töten. Nicht eine einzige. Es wird zwar gesagt, dass es Widersacher des Glaubens gibt (1Kor 16,9). Was soll man ihnen gegenüber tun? Die Apostel nannten nur drei Waffen, mit denen der Christ kämpfen darf: Dem Feind Gutes tun (Röm 12,20), das Gebet (Mt 5,44) und die Predigt des Evangeliums. Das Wort des Evangeliums ist das einzige Schwert, das er führen darf (Eph 6,17). Jesus Christus, auf den sich das Christentum ja beruft, verbot ausdrücklich den Gebrauch des Schwertes zur Verteidigung oder Ausbreitung seiner Sache (Mt 26,52). »Mein Reich ist nicht von dieser Welt … sonst hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht übergeben würde« sagte er, als er vor dem Mann stand, der als römischer
Statthalter entschied, ob er hingerichtet oder freigelassen werden sollte (Joh 18,36). B. Peters

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.