Buchempfehlung: “Jesus auf dem Dach der Welt”, von Martin Kamphuis

Als Martin von der Konversion eines tibetischen Mönches erfuhr, war er darüber ganz aufgeregt und hat begonnen, Kontakt zu suchen. Nach vielen Recherchen konnte er nicht nur diesen ehemaligen Mönch ausfindig machen, sondern sogar eine kleine Gemeinschaft von Tibetern, die an Jesus glauben. Speziell in Tibet herrscht eine streng hierarchisch aufgebaute Religions- und Gesellschaftsstruktur, bekannt auch unter dem Namen Lamaismus. Den Titel und die Funktion des Lama (=Seelenmutter) bzw. Guru (Sanskrit) kann jemand von Geburt an vererbt bekommen oder durch Studium und Meditation verdienen. Das Buch enthält nun aber keine 9 durchgehenden Geschichten, das wäre ja wohl ganz leicht zu lesen gewesen, entspräche aber nicht einer wissenschaftlichen Arbeit. Vielmehr analysiert Martin die Interviews und macht daraus eine echte Forschungsarbeit. Dazu ist es notwendig, Methoden zu erklären und wissenschaftlich anerkannte Herangehensweisen zu benutzen. An manchen Stellen schafft er auch neue Wörter und erklärt verwendete Begriffe ganz ausführlich. Ein Sammeln von Daten, nummerieren und auswerten von Aussagen und Hinweisen. Die Menschen in Tibet lebten in einem geschlossenen System. Der Begriff Konversion war ihnen nicht bekannt, weil in ihrem Umfeld noch nie jemand die Religion gewechselt hat. Der Impuls dazu kam also von außen auf sie zu. Für viele Theologen ist die Bekehrung des Paulus ein Musterbeispiel für Konversion. Das trifft aber auf die Tibeter*innen nicht zu. Denn Paulus kannte die Heilige Schrift besonders gut, während die Tibeter*innen gar nicht wussten, dass diese überhaupt existiert. Für 6 von 9 war der erste Satz der Bibel von großer Bedeutung, dass Gott die Welt erschaffen hat und sie Realität ist. Rein dogmatisch ist die Welt für Buddhisten eine Illusion. Alle 9 erzählten, dass sie mit dieser Lehre Mühe hatten. Schon als Kinder erinnerten sie sich an ihre Liebe zu den Eltern, was es theoretisch gar nicht geben kann. Die Gefühlswelt ist überhaupt ein großer Punkt, werden Gefühle doch bewusst abgeschaltet, besonders im sogenannten Tantra Buddhismus. Sobald jemand an Jesus glaubt, empfindet er*sie Liebe, Zuneigung, Mitgefühl … für die Eltern, für die Kinder … Die Sorge für die Mitmenschen wird eine Last im Herzen. Alle 9 haben damit begonnen, anderen Menschen mit viel Freude von Jesus zu erzählen. Im Buddhismus gibt es ja bekanntlich viel Lächeln, jedoch wenig Freude, wenig Glück. In unserer Gesellschaft, wenn jemand sich für Jesus entscheidet, reagiert die Umgebung auch unterschiedlich. Von A bis Z, von Ablehnung bis Zustimmung. Die Neun erlebten aber nur Ablehnung, von sehr starker Ablehnung bis zu extremer Ablehnung. Da entsteht eben diese Last am Herzen, sie möchten ihren Familien von Jesus erzählen, erfahren aber nur Ablehnung bis Feindseligkeit. Es tut einfach weh, wenn die Familie sich nicht interessiert für den befreienden Glauben an Jesus Christus. Die kleine Gemeinschaft von „an Jesus Glaubenden“ ist eine Hilfe, aber auch nicht ohne Mühe. Es gibt in Tibet keine Kirchengeschichte, aus der sie lernen könnten. Das Prinzip der Hierarchie nach dem Vorbild der Lamas würde auch hier um sich greifen. Alle Neun mussten Prüfungen in ihrem Glaubensleben erfahren. 2015 waren nicht mehr alle in der Nachfolge. Nicht alle neun sind auf dem Jesus-Weg geblieben. Die Gründe sind herzzerreißend, beim Lesen des Buches entsteht eine Beziehung zu den Neun und der Wunsch, sofort nach Tibet zu reisen, um sie zu ermutigen. Bei Gelegenheit möchte ich Martin fragen, ob er mit ihnen immer noch in Kontakt ist. Diejenigen, die geblieben sind, dürfen Gott in ihrem Leben erfahren, haben Gottes Wort besser kennengelernt, haben Glaube, Hoffnung und Liebe erfahren durch Jesus Christus. Der Buddhismus lehrte sie die Leere und Bedeutungslosigkeit aller Dinge. Nun sind sie von der Liebe Gottes getragen, sie dürfen ihr Empfinden ausdrücken: „von Gott berührt sein“, „Frieden im Herzen zu haben“. Und es gibt jemand, dem sie Danke sagen können. 2016 kam unerwartet noch eine Begegnung zustande – ein Tibeter, welcher schon 40 Jahre in Kalifornien lebt, dieser erzählt die Geschichte Tibets aus den Jahren 1959 bis 1962. Einer Zeit wo viele Tibeter nach Indien flüchteten. Von ihm dürfen Martin und Elke, und somit auch wir erfahren, dass die Neun doch nicht die ersten Tibeter waren, die Jesus Christus kennengelernt haben.

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