Der englische Erzbischof von Canterbury Justin Welby: „Ich denke, das Kreuz ist genau der Punkt, wo Schmerz und Leid, Folter, Versuchung und Sünde und Dreck der Welt auf den Schultern Gottes endeten, aus Liebe zu uns.“
Im Römischen Reich war das Kreuz als Hinrichtungsinstrument bekannt. Und die Römer setzten es gern und oft ein. Seine Grausamkeit und die damit verbundene Demütigung waren sprichwörtlich. Von Plautus, einem römischen Dichter, ist die Redewendung «Geh an ein böses Kreuz» überliefert. Das war wohl sprichwörtlich für «Geh zur Hölle». Auch Wandinschriften unterstreichen den Schimpfwortcharakter des Kreuzes. An der Wand eines Bades, das man in Pompeji ausgrub, steht als Graffito an einen Unbekannten gerichtet: «Du gehörst ans Kreuz genagelt!»
Ein römischer Bürger durfte nicht gekreuzigt werden. Für alle anderen Bevölkerungsgruppen – Sklaven, Ausländer, etc. – wurde die Kreuzigung verhältnismässig häufig und oft aus geringstem Anlass eingesetzt. Sie sollte bestrafen, in erster Linie aber abschrecken. Und das tat sie, wenn zum Beispiel ein Feldherr mit Gefangenen aus dem Ausland zurückkehrte und auf der Strasse nach Rom alle hundert Meter ein Kreuz errichten liess, an dem jeweils ein Kriegsgefangener angeschlagen wurde. Kein Wunder, dass das Kreuz ein Inbegriff der Schande war. Niemand wäre auf die Idee gekommen, diesen verfluchten Galgen quasi als Logo zu verwenden.
Als die Evangelisten ihre Berichte über das Leben und Sterben von Jesus verfassten, geschah das in genau diesem Umfeld. Niemand sprach gern vom Kreuz. Und doch nimmt das Sterben von Jesus am Kreuz in jedem einzelnen Evangelium einen relativ breiten Raum ein. Im christlichen Kontext beginnt bereits eine Umdeutung. Wenn Jesus bei Markus sagt: «Wer mein Jünger sein will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen» (Markus, Kapitel 8, Vers 34), dann bekommt es bereits eine neue Bedeutung. Hier schwingen mehr Hingabe und Freiwilligkeit mit als schändliche Hinrichtung.
Trotzdem wird das eigentliche Sterben von Jesus am Kreuz von allen, die es beschreiben, in keiner Weise symbolisiert oder geschönt. Zu nah ist jeder Leser und Hörer damals bei der eigentlichen Bedeutung dieser Hinrichtungsart. So erntet die Beschreibung von Jesus’ Tod auch keine Anerkennung, sondern eher Unverständnis. Paulus drückt dies im 1. Korintherbrief, Kapitel 1, Vers 23 so aus: «Wir aber verkünden den Menschen, dass Christus, der von Gott erwählte Retter, am Kreuz sterben musste. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die Griechen blanker Unsinn.» Obwohl also schon früh eine langsame Umdeutung des Kreuzes begann, schien es undenkbar, dass es ein tragendes Symbol für alle Christen werden sollte. Typische frühchristliche Symbole waren dagegen der Hirte (oft mit Schaf auf den Schultern), der Fisch (weil seine Anfangsbuchstaben im Griechischen sich als «Jesus Christus, Herr und Retter» lesen liessen) oder Buchstaben wie A und O (für Anfang und Ende). Auch die Inschrift über dem Kreuz war eine Weile populär: INRI steht dabei für «Jesus aus Nazareth, König der Juden».
Das Kreuz hingegen wurde höchstens von Nichtchristen verwendet, um Menschen zu verspotten, die an Jesus glaubten. Bekannt ist zum Beispiel die römische Strichzeichnung aus dem zweiten Jahrhundert, mit der ein Christ verspottet wird: «Alexamenos betet seinen Gott an». Und dieser Gott ist ein Mensch mit Eselskopf, der am Kreuz hängt. Autor: Hauke Burgarth. Quelle: Livenet
Du hast das Kreuz nicht wirklich verstanden, wenn es dir nicht den Atem geraubt hat und es nicht zum Wichtigsten in deinem Leben geworden ist.
