‘Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen’ lautet die Präambel des Grundgesetzes. Der Entwurf einer gerechten Gesellschaft lässt sich final nur auf einer objektiven moralischen Institution begründen, die eine Idee von Gerechtigkeit vorgibt. Gänzlicher Verzicht auf derartige Idealvorstellungen mündet in die objektifizierende Willkür durch die an purer Funktion orientierten gesellschaftlichen Notwendigkeiten, der amerikanische Individuen faktisch ausgesetzt sind. So ist dieser Staat zwar ein Rechts- aber kein Gerechtigkeitstaat – und ein Sozialstaat schon gar nicht. Begründet auf den traumatischen Erfahrungen europäischer Religionskriege, keimt Hoffnung auf, dass dieses Land seinen chronischen inneren Kriegszustand, den es stets nach außen trug, verlassen könnte, wenn man einsieht, dass der Glaube nicht Anlass ist für Krieg, sondern für Frieden. Der Verlust einer höheren moralischen Instanz im politischen Diskurs ist durchaus ein Problem westlicher Gesellschaften. Aber nicht eines, das vom Staat gelöst werden kann. Wir müssen als Gesellschaft wieder zu einem Gott, der uns liebt zurückfinden. Diese gläubige Gesellschaft bestimmt dann die Politik, nicht umgekehrt.
