Der Gottesmann Johann Hinrich Wichern ist der Erfinder des Adventskranzes.

Der Theologe Johann Hinrich Wichern war nicht nur Pädagoge für kriminelle, verwahrloste und schwer erziehbare Straßenkinder – mit Schule und Ausbildung in Lehrstätten im “Rauhen Haus”. Ähnlich wie bei den heutigen SOS-Kinderfamilien lebten dort die Kids mit einem Verantwortlichen in kleinen familiären Gruppen zusammen. Wichern war darüber hinaus ein großer Sozialreformer und gilt vielen als erster ‘Sozialpädagoge’ (Reform von Haftanstalten nach Rücksprache mit dem preußischen König, spezielle Ausbildung für Gefängnispersonal im Berliner Johannesstift etc.). Mit dem Theologen und Reformer Theodor Fliedner war er u.a. Gründungsvater der “Inneren Mission”, der Evangelischen Diakonie (siehe u.a. Berliner Stadtmission). Um den emotional oft verrohten Jugendlichen im “Rauhen Haus” überhaupt erst das Gefühl von Freude und mehr noch: auch von wachsender Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu ermöglichen, erfand Wichern den Adventskranz mit täglich neu weiteren angezündeten Kerzen. Ähnliches gestaltete Fliedner in Kaiserswerth am heute weniger bekannten “Adventsbaum”. Jeden Tag wurde seit Beginn der Adventszeit eine neue Kerze an der Tanne angezündet, ein biblischer Verheißungsspruch auf einem Stern vorgelesen und diesen am Baum befestigt. Noch heute findet man in Antiquariaten aufklappbare Papiersterne mit innen angebrachten Sprüchen, etwa zwischen alten Postkarten. Im Berliner Johannesstift lässt sich jetzt ein echter Wichern-Kranz mit sämtlichen Kerzen besichtigen. (Christa Z.)

„Die Kinder des „Rauhen Hauses“ wussten auf diese Weise, wie lange es noch bis Weihnachten war und konnten sogar rechnen lernen“ Das 19. Jahrhundert gilt als die eigentliche Geburtsstunde moderner Weihnachtsbräuche. Dazu gehören neben dem Adventskranz auch die Verbreitung des Weihnachtsbaums, der Adventskalender und das stärker familienzentrierte, häusliche Weihnachtsfest. Vorbereitet wurde diese Entwicklung durch Martin Luther, der Weihnachten aufwertete. Er legte den Schwerpunkt auf das Christkind als Gabenbringer am 24./25. Dezember, um die Heiligenverehrung zurückzudrängen. Bis dahin war der Nikolaustag am 6. Dezember der übliche Geschenktag in vielen Regionen. Damit wurde Weihnachten im Protestantismus stärker zu einem Haus- und Familienfest. Ohne Luther wäre der Geschenketag wahrscheinlich nicht vom 6. Dezember auf Weihnachten verlegt worden. Durch Luther entstand somit im Protestantismus das bewusste Warten auf Weihnachten, wie wir es heute kennen, mit Vorfreude und Adventszeit als Phase der Erwartung (und das nicht nur in Kirchen wie bisher, sondern auch im familiären Umfeld). Das hätte es mit dem Nikolaus als Gabenbringer am 6. Dezember nicht gegeben (und den Adventskranz vielleicht ebenfalls nicht). Der Adventskranz ist eine protestantische Erfindung, die aber viele Jahre später sogar vom Vatikan übernommen wurde. (Guntram S.)

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