Der Strassenprediger Richard Baxter (1615 – 1691) hatte an einem abgelegenen Ort in England ein offiziell nicht erlaubtes Zusammenkommen zur Verkündigung des Evangeliums zu sehr früher Morgenstunde angesagt. Um nicht zu spät zu kommen, beschloss er, schon am Abend vorher an den Ort zu reiten. Die Nacht war finster. Er verirrte sich und klopfte endlich an einem ansehnlichen Haus an, um sich den Weg weisen zu lassen. Ein Diener meldete den Fremden seinem Herrn. Diesem schien es unpassend, dass ein Mann so achtbaren Aussehens so spät noch umherirren sollte, und lud ihn ein, bei ihm Nacht zu bleiben.In der Unterhaltung gewann der Gastgeber eine immer höhere Meinung von dem Verstand und der Gelehrsamkeit seines Gastes. Er wurde begierig, mehr über ihn zu erfahren und erkundigte sich nach Tisch, welchen Beruf er ausübe. Lächelnd antwortete Baxter: „Ich bin ein Menschenfänger.“ – „Ein Menschenfänger sind Sie?“ versetzte der Gutsbesitzer. Da kommen Sie mir gerade recht. Sie sind der Mann, den ich brauche. Ich bin der Friedensrichter dieses Distrikts und habe soeben den Auftrag erhalten, mich der Person eines gewissen Richard Baxter zu versichern, den man morgen früh in der Nachbarschaft erwartet, um eine Versammlung abzuhalten. Kommen Sie denn morgen mit mir, um den Mann festzunehmen.“Baxter willigte ein, und sie ritten am folgenden Tag zu der verabredeten Stelle.Dort angelangt, wartete schon eine beträchtliche Anzahl Menschen in der Nähe des Hauses, in dem die Versammlung stattfinden sollte. Sobald die Leute aber den Gerichtsherrn erblickten, wurde ihnen die Sache verdächtig, und sie wagten nicht, das Haus zu betreten. Der Richter äußerte schließlich seinem Gefährten gegenüber: „Ich vermute, Baxter wird von meinem Auftrag Wind bekommen haben und sich nicht blicken lassen. Ich schlage daher vor, zunächst wieder fortzureiten, damit die Leute sicher werden.“ Als sie aber zurückkamen, zauderte das Volk noch immer, in das Haus zu gehen. Der Friedensrichter nahm an, dass die Sache missglückt sei und sagte zu Baxter: „Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie diesen Leuten eine Ansprache hielten, um sie zur Treue gegen die Obrigkeit aufzufordern.“Baxter erwiderte: „Da die Leute sich versammelt haben, um einen Gottesdienst zu halten, wird ihnen mit einer solchen Rede nicht gedient sein. Wenn aber Sie, Herr Friedensrichter, mit Gebet anfangen wollen, so werde ich sehen, was dann weiter zu sagen sein mag.“ – „Oh“, antwortete der Richter verlegen, „ich habe kein Gebetbuch bei mir, sonst würde ich gern auf Ihren Vorschlag eingehen. Ich bin aber überzeugt, dass mein verehrter Gast imstande ist, sowohl mit den Leuten zu beten als auch mit ihnen zu reden. Ich bitte Sie denn, beides jetzt nach Belieben zu tun.“Was konnte Baxter erwünschter sein! Sie gingen ins Haus, und die Menge folgte. Baxter betete mit solcher Inbrunst, dass dem Richter der neben ihm stand, die Tränen kamen. Und dann predigte er mit großem Glaubensmut. Als er fertig war, gab er sich dem Friedensrichter als derjenige zu erkennen, den dieser festnehmen sollte. Der Richter hatte jedoch während des Vortrags einen tiefen Eindruck von der göttlichen Wahrheit empfangen. Er wurde später ein aufrichtiger Christ und zugleich ein Freund und Fürsprecher der Verfolgten

Sehr schöne Geschichte. Klingt wie ein Märchen.
ist aber so geschehen