Die Demokratie ist alt und senil

Der US-Zukunftsforscher Dennis Meadows ist weltbekannt für seine Vorhersagen über die gesellschaftliche Entwicklung der Welt. Er sagte schon 1972 voraus, dass die Grenzen des Wachstums erstmals zwischen 2010 und 2020 sichtbar werden – es traf genau ein. Ernüchtert über die wenig rege Beteiligung an dieser Diskussion konstruierte er Spiele, in denen man zum Beispiel eine Region, die allein auf Erdölenergie basiert, in eine effizientere Naturneutrale verwandelt. Seine Ideen sind äußerst interessant. Heute beschäftigt er sich zunehmend mit der demokratischen Entwicklung in der Welt. Hier einen Auszug aus einem Interview mit ihm:

Herr Meadow, Welche Spielregeln würden Sie gern in die echte Welt übertragen sehen?
Wenn ich mir für menschliche Systeme etwas wünschen dürfte, dann, dass wir bereit sind, auch kurzfristig Opfer zu bringen. Es ist politisch nicht attraktiv, gegen langfristige Probleme anzugehen – und deshalb geschieht nichts. Beispiel USA: Wem wird die Schuld für die derzeitige wirtschaftliche Misere zugeschoben? Obama, nicht Bush. Große Kriege in Übersee, Deregulierung des Bankensystems – das alles geschah unter Bush. Aber die Wähler haben das völlig vergessen und bestrafen Obama.

Sie sagen, die Demokratie ist ungeeignet, um die jetzigen Probleme zu lösen?
Ich sage nicht, dass sie schlecht ist, ich sagte nur, sie funktioniert nicht. Politiker wollen wirklich Probleme lösen, sie wollen auch wiedergewählt werden. Wenn beides gleichzeitig funktioniert, sehr gut. Aber wir reden jetzt über Klimawandel, da muss man erst einmal durch eine harte Periode des Wandels. Beispielsweise erfordern die Probleme in der Eurozone derzeit so viel Aufmerksamkeit und Geld, dass die Leute sagen, wir können den Wechsel zu den erneuerbaren Energieträgern nicht mehr bezahlen.
Die Demokratie beschäftigt sich nicht sonderlich gut mit diesen Themen. Man könnte sich aber eine Demokratie vorstellen, die längerfristig denkt. Fakt ist: Wir dachten, die Demokratie sei der Endpunkt  menschlicher Entwicklung. Stattdessen spüren wir die ersten Erschütterungen eines Erdbebens. Vielleicht hört das Beben damit schon auf, vielleicht zerstört es auch alles um uns herum.

Das klingt sehr düster. Widerlegen die Ereignisse in der arabischen Welt nicht gerade Ihre Zweifel an der Stabilität der Demokratie?
Glauben Sie wirklich, dass die Probleme in Tunesien durch Demokratie gelöst werden?

Das Land hat gerade seine ersten freien Wahlen erlebt.
Die Leute werfen ein Stück Papier in eine Urne – und das soll Demokratie sein? Das ist doch eine Illusion! Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin ein begeisterter Demokrat. Aber ich sehe auch die Nachteile.

Geben Sie diesen Ländern doch erst einmal eine Chance! Es hat fast 200 Jahre gedauert, bis die Demokratie in den USA reifte.
In den USA? Die entwickelt sich doch gerade zurück! Der Kongress wird blockiert durch den Streit zwischen Demokraten und Republikanern. Jede Maßnahme, jede Pressemitteilung dient nur dazu, sich kurzfristig Vorteile vor der nächsten Wahl zu verschaffen. Konzerne haben unsere Medien übernommen, Zeitungen gehen Pleite. Das soll eine reifende Demokratie sein? Reifen in dem Sinne, dass sie altert und senil wird. Ich stelle fest, dass nichts von dem, was uns so lange versprochen wurde, noch sicher ist.

Interview aus: www.cicero.de/weltbuehne/…ltert-senil/46300?seite=1

Interessant ist, dass nicht nur der Kapitalismus als nicht mehr sondierbar dargestellt wird, sondern ganze Gesellschaftsformen. Die heutige Demokratie ist so instabil und kurzfristig denkend, dass sie lange nicht mehr praktikabel sein wird, weil unsere Probleme langfristiger werden, sagt er. Das klingt so einfach logisch, aber: Wir befinden uns in einem schweren, degenerativen und vor allem schleichenden Prozess der Demokratie hin zu einer neuen Staatsform. Es wird jemanden geben müssen, der längerfristig installiert wird, ja fast institutionalisiert wird, um die langfristigen Probleme der Welt lösen zu können. Doch wer wird das sein?

Es stimmt exakt, was er sagt: Wir Menschen dachten, die Demokratie ist der Klimax der Menschheitsgeschichte. Doch wer sagt, dass die Entwicklung nicht fortschreitet? Die Geschichte sagt zumindest, dass jedes Reich und jedes System, das bisher bestand, gefallen ist, und Gott sagt, dass er es auch so lenken wird bis zum Ende der Welt. Königreiche vergehen, Könige fallen, Herrscher werden sich vor ihm beugen, Obama und Merkel werden vor ihm Knien. Er bleibt in Ewigkeit.

Und wenn die Vöker toben, aber ihre Macht wird erschüttert. Denn Gott lässt seine mächtige Stimme erschallen, und die Erde vergeht.

8 Der Herr über Himmel und Erde ist mit uns! Der Gott Jakobs ist unser Schutz.
9 Kommt und seht, was der Herr Großes getan hat! Seine Taten verbreiten Entsetzen.
10 In aller Welt bereitet er den Kriegen ein Ende. Die Kampfbogen bricht er entzwei, er zersplittert die Speere und verbrennt die Kriegswagen.
11 “Hört auf!”, ruft er, “und erkennt, dass ich Gott bin! Ich stehe über den Völkern; ich habe Macht über die ganze Welt.”
12 Der Herr über Himmel und Erde ist mit uns! Der Gott Jakobs ist unser Schutz!
Psalm 46, 7-12

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