Diese Geschichte trifft unsere Kirchenleute, die sterbende Menschen in der Corona-Krise allein gelassen haben.

Die Kirchen hätten versagt, sagte die frühere Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht, vergangene Woche in einem Zeitungsinterview: „Die Kirche hat in dieser Zeit Hunderttausende Menschen allein gelassen. Kranke, Einsame, Alte, Sterbende.“

Samuel Keller erzählte einst folgende Begebenheit. Die passt irgendwie dazu:

Als ich Prediger in Südrussland war, sollte ich einmal an einem nebeligen Tag eine entlegene Gegend der Gemeinde besuchen, wo ich 14 Tage zu bleiben gedachte. Ein junger, nicht sehr ortskundiger Kutscher chauffierte mich, wir hatten einen ganzen Tag zu fahren. Der Nebel war sehr dicht geworden und wir mussten wohl einen abgestellten Wagen oder etwas Ähnliches für einen in der Steppe als Wegweiser dienenden Erdhaufen gehalten haben, kurz wir bogen ab, aber wie sich nachher herausstellte , zu früh. Wir fuhren dennoch drauf los, immer weiter in die schier endlose Steppe. Düster wurde es mit jeder Meile, bis es zuletzt sehr dunkel war. Dann stoppten wir. “Wir haben uns verirrt”, sagte ich zum Kutscher.” Ja”, war seine Antwort.

Nach und nach wurde es stockfinster. Der Knecht sagte, “Wir warten hier bis die Pferde frieren, aber die Zügel lassen wir los”.Die Pferde wurden bald unruhig und gingen einfach selber los. Wohin es ging, das wussten wir nicht. Allerdings hörten wir bald Hundegebell und wir sahen im Dunkeln eine Hütte. Als ich nach Menschen rief, kam ein Knabe gelaufen. Auf Russisch sagte ich ihm, “ich bin der deutsche Prediger”.Als er in sehr schlechtem Russisch antwortete, wiederholte ich den Satz noch einmal in Deutsch. Er schrie laut auf und verschwand im Dunkeln.

Danach erschien eine Frau. Wieder sagte ich, “Ich bin der deutsche Prediger, ich habe mich verirrt in der Steppe und bitte um einen Platz in der Hütte”.Die Frau schlug die Hände zusammen und sank zu Boden und rief in die Nacht hinaus: “Herr, Gott, Du bist der Gott der Gebete erhört, darum kommt alles Fleisch zu dir”!Sie teilte mir mit, dass sie den ganzen Tag zu Gott gerufen habe, dass er den Prediger zu ihrem Mann sende, der in den letzten Zügen liegt. Die Frau sagte weiter, sie habe erfahren, dass ich heute fünf Stunden entfernt hier vorbeifahre. Sie habe deshalb gebetet, dass der Prediger doch kommen sollte. Wie das vonstattengehen sollte, das konnte sie sich nicht vorstellen. Es war ihr Wunsch, ich sollte kommen, um mit ihrem Mann zu beten.

Drinnen traf ich dann den Sterbenden an und tröstete ihn und betete mit ihm. Die Frau bereitete uns ein warmes Essen zu, dann legten wir uns schlafen. Nach einiger Zeit schien es mir, dass mich jemand von der Seite her ansehe. So erwachte ich und sah den Blick des Sterbenden auf mich gerichtet. Sofort erhob ich mich und ging zu ihm hin. Er sagte, “immer noch kann ich das Wunder nicht fassen, dass Gott sie wirklich an mein Sterbebett her gesandt hat. Dabei sah er mich ganz verklärt an.Kurz darauf wechselte der Glanz in seinen Augen und der Tod kam näher. Wir sanken auf die Knie und beteten und ehe ich Amen sagen konnte, war der Mann verstorben.

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