Eine Geschichte über einen stellvertretenden Tod um andere zu retten. An wen erinnert dich diese Geschichte?

Die Geschichte hat Ernest Gordon in seinem Buch „Im Tal des Kwai“ erzählt. Er berichtet darin von seiner Zeit in einem japanischen Kriegsgefangenenlager in Birma. Dieses Tal war berüchtigt für sein Arbeitslager, in dem mehr als 16000 Gefangene beim Bau einer Eisenbahnstrecke an Erschöpfung starben. Gordon war selbst dort gefangener gewesen und er erzählt von Vorfall, der sich am Ende eines Arbeitstages zugetragen hat, als die Werkzeuge gezählt wurden bevor die Gefangenen dann in ihre Quartiere gebracht wurden.

Ein Wärter behauptete, dass eine Schaufel fehlte. In einem Wutausbruch verlangte er zu wissen, welcher Gefangene sie gestohlen habe.

Er steigerte sich immer weiter in seinen paranoiden Zorn hinein und befahl, dass der Schuldige vortreten und seine Strafe empfangen sollte.

Keiner rührte sich.

„Alle sterben!“, schrie der Wärter. „Alle sterben!“ Er entsicherte sein Gewehr und zielte auf die Gefangenen.

In diesem Augenblick trat ein Mann vor. Er nahm Haltung an und erklärte ruhig: „Ich war´s.“

Sofort erschlug der japanische Wächter den Gefangenen.

Als seine Freunde den leblosen Körper davontrugen, wurden die Schaufeln im Geräteschuppen noch einmal nachgezählt – und man stellte fest, dass gar keine Schaufel fehlte.

 

Aus dem Buch „Im Tal des Kwai“ von Ernest Gordon. Erschienen 1968 bei Christliche Verlagsanstalt in Konstanz

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