„Einige Historiker haben die untergegangene DDR als „Erziehungsdiktatur“ bezeichnet. Das ist die Bundesrepublik Deutschland gewiss nicht. Aber sie ist nach einem klar durchstrukturierten Erziehungsheim der 50er Jahre konstruiert, in dem ein Triumvirat aus den etablierten Parteien, den Großkirchen und Leitmedien den Heimbewohnern sagt, wo es langgehen soll und wie sie sich zu verhalten haben. Das ist lange, sehr lange gut gegangen. Wer nach den proklamierten Regeln lebte, der wurde gut behandelt und durfte mitspielen, wer sich danebenbenahm, wurde öffentlich an den Pranger gestellt, durch die Medien verurteilt und mit tätiger Hilfe der Mehrheit schließlich ausgegrenzt. Natürlich gab es auch die Möglichkeit der Re-sozialisation. Das Ritual ging so: Öffentlich Buße tun, Reue bekunden und wieder alles gut machen wollen. Wenn man Glück hatte, wurde man dann gnädig wieder in die Heim-Gemeinschaft aufgenommen…..Dieses System scheint zusammengebrochen. Die staatlich sanktionierten Tabus werden munter verletzt, und die Strafmaßnahmen greifen nicht mehr. Die Menschen haben eine neue Lust entdeckt: Sie verhalten sich nicht mehr so, wie es ihnen über Jahrzehnte eingeprägt wurde. Denn sie wollen keine schizophrene Existenz mehr führen, sich nicht mehr anders verhalten müssen als sie heimlich denken. Sie pfeifen jetzt auf das Lob ihrer Erzieher und enttarnen damit deren Macht- und Hilflosigkeit. Sie haben den Respekt vor ihren so genannten „Eliten“ verloren, denn diese haben sie nach ihrer Wahrnehmung in die Irre geführt, benachteiligt, schwere politische Fehler begangen und so ihre Unfähigkeit bewiesen….
Die beiden etablierten Kirchen sind derzeit der entschlossenste Bündnispartner von Kanzlerin Merkel. Sie müssen sich nicht zur Wahl stellen und haben seit Jahrzehnten gute Erfahrung damit gemacht, gegen die schweigende Mehrheit der Kirchenmitglieder zu agieren. Abgesehen von gigantischen Austrittszahlen passierte nichts. Denn dank der wirtschaftlichen Prosperität dieses Landes sprudeln die Kirchensteuermittel und Staatsleistungen immer weiter. Unverdrossen proklamiert der EKD-Ratsvorsitzende in der linksliberalen Wochenzeitung Die Zeit das deutsche Staatskirchenmodell der „hinkenden Trennung“ als probates Mittel zur Integration muslimischer Flüchtlinge in Europa. Gegen alle Erfahrungen träumt er immer noch von der „multikulturellen Gesellschaft“ und einem „friedlichen Zusammenleben der Religionen“. Trotz seit Jahren vergeblicher Bemühungen, beharrt er darauf, dass der Staat neben dem Christentum und Judentum eine dritte religiöse Säule in Deutschland hochzieht: „Religionsunterricht an Schulen und öffentlich finanzierte Lehrstühle für christliche, jüdische und islamische Theologie sind daher Aktivposten für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft.“
Die große Mehrheit der Deutschen will das nicht. Und das neue Selbstbewusstsein der Menschen, das sich nicht mehr um ein „das sagt man nicht“ schert, wird den in Hannover und Berlin entworfenen Skizzen einer solchen multikulturellen Gesellschaft immer hinderlicher.“ (idea.de)
