Erscheint uns wieder der Stern von Bethlehem?

“Es ist mehr als eine astronomische Kuriosität, wenn sich am 21. Dezember die Planeten Jupiter und Saturn am Nachthimmel scheinbar so nahekommen, wie sie es seit 800 Jahren nicht mehr taten. Denn die „Jupiter-Saturn-Konjunktion“, wie Astronomen sie nennen, hatte einen historischen Präzedenzfall, der sich unmittelbar vor der Geburt Christi ereignete. So hielten Astronomen und Exegeten die scheinbare Begegnung der beiden Riesenplaneten lange für den historischen „Stern von Bethlehem“, von dem das Matthäus-Evangelium in seiner Weihnachtserzählung berichtet. Er soll den Magoi, also Sternkundigen Priestern aus der persischen Provinz Medien, den Weg nach Jerusalem und schließlich zum Kind in der Krippe gewiesen haben.

Urheber dieser Hypothese ist der Astronom, Mathematiker und Theologe Johannes Kepler (1571-1630). Im Dezember 1603 hatte Kepler, damals kaiserlicher Hofmathematiker in Prag, durch sein Fenster eine Begegnung von Jupiter und Saturn im Sternbild Schlangenträger beobachtet. Ab Herbst 1604 kam, jetzt am Abendhimmel, der Planet Mars hinzu. Als am 9. Oktober im gleichen Sternbild eine Supernova aufflammte, war er überzeugt, dass die Begegnung der drei Planeten einen „neuen Stern“ hervorgebracht habe. Er konnte nicht ahnen, dass kein Zusammenhang zwischen den beiden Himmelserscheinungen bestand. Und dass es sich bei der Supernova nicht um eine Sternengeburt, sondern eine Sternenexplosion in 14.000 Lichtjahren Entfernung handelte. So oder so war Kepler überzeugt, durch diese Beobachtung das Rätsel des Sterns von Bethlehem gelöst zu haben. Tatsächlich kam es, wie seine Berechnungen ergaben, nur wenige Jahre vor dem (fiktiven) „Jahr 0“ zu gleich drei Jupiter-Saturn-Konjunktionen im Sternbild der Fische, nämlich im Mai, im September und im November – wie Kepler eventuell durch einen Rechenfehler glaubte 5 v.Chr., tatsächlich aber 7 v.Chr.

So griff der italienische Astronom Konradin Ferrari d’Occhieppo ab 1964 Keplers These wieder auf, um die Geburt Christi auf 7 v.Chr. zu datieren. Er wies nach, dass babylonische Astronomen regelrechte Tagebücher über solche Konstellationen führten und dass in der antiken Astronomie der Jupiter als Königsstern galt, während der Saturn für die „Amurru“, die „Westlande“ stand, aber auch für den geheimnisvollen Gott der Juden; immerhin war ihnen doch der Saturn-Tag, der Schabat (der heute noch im Englischen Saturday heißt), heilig. Wahrscheinlich hätte jeder Astrologe zwischen Euphrat und Tigris und darüber hinaus das dreifache Himmelszeichen als Ankündigung der Geburt eines bedeutenden „Königs der Juden“ verstanden. Die zwei Monate, die zwischen September und November lagen, reichten aus, um aus Babylon oder Medien nach Judäa zu reisen, und so datierte d’Occhieppo die Ankunft der Magoi in Jerusalem auf November 7 v.Chr. Damals, genauer gesagt: Am 12. November, hätten sie das Doppelgestirn vor sich gehabt, wenn sie abends Richtung Bethlehem aufgebrochen wären. An der Spitze des Zodiakallichtkegels stehend hätte es ausgesehen, als würde ein Strahl von ihm ausgehen und direkt auf die Stallhöhle der Heiligen Familie leuchten….

Den Durchbruch bei der Lösung des Rätsels um den Stern von Bethlehem aber brachte erst das Buch des prominenten britischen Astronomen Mark Kidger, der das weltberühmte Institut für Astrophysik auf den Kanarischen Inseln leitet. Es erschien 1999 unter dem vielleicht allzu nüchternen Titel „Star of Bethlehem: An Astromomer‘s View“ im renommierten aber viel zu wissenschaftsorientierten Verlag der Princeton-Universität – und fand entsprechend wenig Beachtung, was nun wirklich zu bedauern ist. Denn in seinem Werk zeigt Kidger nicht nur auf, dass auf die dreifache Jupiter-Saturn-Konjunktion noch zwei weitere Konstellationen folgten, die jeden Magoi-Astrologen hellhörig machen mussten; er griff auch, als Erster plausibel, Keplers Supernova-Hypothese wieder auf.

Tatsächlich, so Kidger, hätten die Magoi die Ereignisse des Jahres 7 v.Chr. wahrgenommen, in ihnen aber noch keinen Grund gesehen, nach Jerusalem aufzubrechen. Was kümmerte sie, wenn bei den Juden ein neuer König geboren wurde, vielleicht ein Sohn des brutalen Herodes? Erst ein zweites Himmelszeichen ließ sie aufhorchen. Gleich im nächsten Jahr, 6 v.Chr., kam es zu einer ebenfalls dreifachen Konjunktion von Jupiter, Saturn und Mars im Sternbild der Fische. Mars stand für eine bedeutende Umwälzung, die Fische für den astrologischen Frühlingspunkt, sprich: für ein neues Zeitalter. Freilich war diese Konjunktion nur astrologisch von Bedeutung, am Himmel wirkte sie eher unspektakulär. Das änderte sich am 20. Februar 5 v.Chr., als der junge Mond und Jupiter auf der einen Seite, Saturn und Mars auf der anderen zwei ungleiche Paare am Himmel bildeten. Damit war für die Magoi astrologisch nicht nur angezeigt, dass ein großer König (Jupiter) geboren wird und aufsteigt (junger Mond), um über Israel (Saturn) zu herrschen, sondern auch, dass er das Böse bekämpfen (Mars) und ein neues Zeitalter (Fische) einläuten würde, was der Prophezeiung des Zarathustra schon ziemlich nahe kam.
Doch dann, während die Magoi sicher erwartungsvoll den Winterhimmel nach neuen Zeichen absuchten, geschah das Unerwartete: Urplötzlich, als auch die Sonne im Sternbild der Fische stand, Mitte März 5 v. Chr., flammte im Sternbild Adler ein neuer Stern auf – eine Supernova nahe dem Stern Theta Aquilae 76, von der laut Kidger das chinesische Buch „Ch’ein-han-shu“ und die koreanische „Samguk Sagi“-Chronik berichten. 76 Tage lang, so hielten die asiatischen Astronomen fest, war sie am Himmel zu sehen, also bis etwa Mitte Mai.” Michael Hesemann, Jesus von Nazareth: Archäologen auf den Spuren des Erlösers/ (kath.net)

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