“Wir sagen, wir glaubten wirklich, dass es ein herrliches und vollkommenes Leben geben wird, wenn dieses hier zu Ende ist. Die Heilige Schrift berichtet uns von dem neuen Himmel und der neuen Erde, die kommen werden. Aber wir neigen dazu, so angstvoll und gehetzt zu leben, als glaubten wir, der jetzige Augenblick sei alles, was wir haben. So sieht darum das wirkliche Problem im Alltagsleben aus: Wenn du nicht die Herzensaugen auf die kommende Herrlichkeit richtest, wirst du versuchen, diese arme gefallene Welt in etwas Vollkommenes zu verwandeln, was aber nie gelingen wird. Im Herzen jedes lebenden Menschen liegt die Sehnsucht danach.
Der Schrei eines Kleinkindes, das gerade hingefallen ist, ist ein Schrei nach Trost. Die Tränen des Schulkindes, das man auf dem Schulhof nicht mitspielen lässt, sind Tränen der Sehnsucht nach Anerkennung. Der Schmerz der Einsamkeit, den ein Mensch ohne Freunde oder Familie empfindet, ist der Schmerz der Sehnsucht nach Geborgenheit. Der Kummer, den ein Paar empfindet, wenn die Ehe auseinander bricht, ist der Kummer derer, die nach Heilung schreien. Die Traurigkeit, die ein alterMensch verspürt, wenn sein Körper schwächer wird, ist die Traurigkeit von jemandem, der sich nach etwas Ewigem sehnt.
In uns allen steckt die Sehnsucht nach etwas Vollkommenem, weil sie von dem Schöpfer in uns hineingelegt wurde, auch wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind. Er hat in das Herz jedes Menschen die Ewigkeit gelegt (Pred. 3,11). Unsere Schreie sind mehr als Schmerzensschreie; sie sind auch Sehnsuchtsschreie nach mehr, nach etwas Besserem, als was wir in dieser gefallenen Welt jemals erleben werden. Wenn du das vergisst, wirst du sehr hart daran arbeiten, diesen Augenblick in etwas Vollkommenes zu verwandeln, das er niemals sein wird. Deine Ehe wird nicht vollkommen sein. Deine Arbeit wird nicht das sein, was du dir ersehnst. Deine Freundschaften werden nicht so sein, wie das Vollkommene, nach dem sich dein Herz sehnt. Die Welt um dich her wird nie vollkommen sein. Deine Kinder werden dir nichts Vollkommenes bringen. Nicht einmal deine Gemeinde wird hier auf der Erde vollkommen rein und tadellos sein.
Wenn du ein Kind Gottes bist, erwarten dich nach Seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt; aber es wird nicht hier und jetzt sein. Alles, was dich jetzt enttäuscht, soll dich daran erinnern, dass dies nicht alles ist, was es gibt, und soll dich dazu bringen, dich nach der kommenden Herrlichkeit zu sehnen. Die gestorbenen Träume, die schwierigen Beziehungen, die Sünde, die deine Aufmerksamkeit auf sich zieht – all das soll dich daran erinnern, dass diese Erde nicht die Herrlichkeit ist, die der Herr uns verheißen hat.Lebe in Hoffnung, denn die Herrlichkeit kommt gewiss, und höre auf, von dieser gefallenen Welt etwas Vollkommenes zu erwarten, das sie niemals hervorbringen wird.”
Aus: Paul D. Tripp: “Jeden Morgen neue Gnade”, Verlag Voice of Hope,
