“Lange Zeit jedoch stand er im Schatten seines Weggefährten Martin Luther (1483-1546). Das habe sich in den vergangenen Jahren geändert, sagt Günter Frank, Direktor der Europäischen Melanchthon Akademie in Bretten, im Gespräch mit dem epd.
Heute werde wahrgenommen, welch wichtige Rolle Melanchthon damals spielte. Er sei der wichtigste Mitarbeiter Luthers gewesen. Weil er hervorragend Hebräisch, Griechisch und Latein beherrschte, habe er diesem dabei geholfen, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Daher müsste eigentlich nicht von Luther-, sondern von Luther-Melanchthon-Bibelübersetzung gesprochen werden, sagt Frank. Als systematischer Denker hat er außerdem Luthers religiöse Erfahrungen in ein geordnetes System – sogenannte Dogmatiken und Katechismen – gebracht, damit andere sie nachvollziehen konnten.
Bereits mit 14 Jahren erwarb Melanchthon an der Heidelberger Universität den Baccalaureus, 17-jährig in Tübingen den Magistergrad. 1518 holte Kurfürst Friedrich der Weise den 21-Jährigen im Zuge der Universitätsreform auf den neuen Lehrstuhl für Griechisch nach Wittenberg.
Frank bezeichnet Melanchthon als gesprächsbereiten, versöhnlichen Menschen der Mitte mit Augenmaß, als eine Art „Chefdiplomaten der Protestanten“. Trotz eines Sprachfehlers, dem Lispeln, sei er ein brillanter Rhetoriker gewesen, was zahlreiche Dokumente von Studenten und Weggefährten belegten. Er habe immer versucht, den christlichen Glauben für Menschen verständlich zu machen und aus logischen Spitzfindigkeiten zu befreien.” Pro
