Mark A. Gabriel, einst Dozent an der Al-Azhar-Universität in Kairo und Imam in Gizeh, über den Islam, Minarette, Obama und die Begegnung mit Muslimen.

factum: Was für einer Beschäftigung gehen Sie momentan nach?

Gabriel: Nach Ankunft in den USA gelang es mir, beim US-Erziehungsdepartement einen Job zu bekommen, und zwar als Schulrat einer High School. Das war in der Zeit des 11. Septembers 2001. Als das Attentat passierte, war ich gerade bei Studenten in einer Klasse.

Zehn Tage später quittierte ich die Anstellung. Der Rektor führte meine Kündigung darauf zurück, dass ich wohl von Schülern wegen des Anschlags beleidigt worden sei. Dem war aber nicht so. Der Angriff auf das World Trade Center zeigte mir vielmehr, weshalb mich Gott nach Amerika geschickt hatte. Er hatte eine andere Aufgabe für mich bereit.

Zwei Monate nach Verlassen der Schule beendete ich den Text für mein erstes Buch «Islam und Terrorismus». Mit Gottes Hilfe kam ich in Verbindung mit dem Chefredakteur eines namhaften Verlags, der bereit war, mein Buch zu veröffentlichen. Dieses Buch war das wirksamste Mittel, mich in der amerikanischen Öffentlichkeit, der Regierung und bei den Gerichten bekannt zu machen.

Anschliessend studierte ich weiter und promovierte an der Christlichen Universität Orlando. Ich war beschäftigt mit Lehraufträgen an verschieden Schulen, mit Vorträgen in Kirchen und bot der US-Regierung Beratung und Trainings an über islamische Kultur, islamischen Terrorismus und islamische Denkweise. Diese Schulungen richteten sich an Regierungspersonal aller Schichten.

Auch hielt ich Vorträge vor Strafvollzugsbehörden und Gremien wie z. B. die Organisation für Geiselunterhändler, und andere, die ich wegen der Schweigepflicht nicht nennen kann.

factum: Wo leben Sie heute?

Gabriel: Diese Frage möchte ich aus Sicherheitsgründen übergehen.

factum: Vielleicht nehmen Sie auch zu dieser Frage nicht gerne Stellung, aber ich frage Sie nun doch: Haben Sie heute wieder Verbindung zu Ihrer Familie in Ägypten?

Gabriel: Das ist eine gute Frage, die ich gerne beantworte. In den ersten vier Jahren meines Aufenthalts in Südafrika empfand ich Fragen nach meiner Familie in Ägypten als überaus schmerzhaft. Es war wie eine Wunde, die nicht heilen wollte, weil sie immer wieder aufgerissen wurde. Das war so, weil ich eben noch kein reifer Christ war zu jener Zeit. – Später half mir Gott, im Glauben zu wachsen, und diese Wunde heilte.

Mit Hilfe von Brüdern und Schwestern aus christlichen Familien fand ich mein Selbstwertgefühl wieder und Gott füllte die Lücken so in mir, dass ich auch den Verlust meiner Familie überwinden konnte.

An meiner Hochzeit z. B. war überhaupt niemand aus meiner ägyptischen Familie dabei, aber ich empfand dies nicht mehr als Schmerz. Meine Erneuerung in Christus, mitgetragen durch die Nähe und den Dienst der christlichen Gemeinde, die mich umgab, war unbeschreiblich und es war wunderbar, wie sie mit uns feierten.

factum: Als Dozent an der Al Azhar-Universität waren Sie eine namhafte Persönlichkeit. Warum haben Sie diese bevorzugte Stellung verlassen?

Gabriel: Ich habe diese Stellung nicht aufgegeben – ich wurde aus der Schule hinausgeworfen!

Ich bin es gewohnt, Dingen auf den Grund zu gehen und ehrlich zu argumentieren. Wegen dieser Haltung musste ich schon während meiner Zeit als Student in Al-Azhar einiges einstecken. Ich hatte viele offene Fragen. Mit jeder höheren Klasse wuchs mein inneres Durcheinander aufgrund der verwirrenden Botschaften, die vom Koran, von den Hadithen und von der Lebensrealität in der Gesellschaft auf mich einstürmten.

factum: Können Sie uns dafür Beispiele erzählen?

Gabriel: Da war ein Nachbar, der von seiner Frau betrogen wurde. Sie beging Ehebruch, worauf er sie einfach tötete. Das ist nicht gemäss der Praxis des islamischen Rechts. Nach islamischem Recht hat der Mann, der meint, seine Frau betrüge ihn, zum muslimischen Imam zu gehen, und dieser soll eine Untersuchung einleiten. Schliesslich wird ein islamischer Prozess eröffnet, der auf islamische Weise beendet wird. Natürlich – wird die Frau verurteilt – dann wird sie gesteinigt werden, sofern sie verheiratet war, wie in diesem Fall, wenn nicht, wird sie verprügelt.

Seht ihr, die Verwirrung? Du bist ein Muslim, du studierst in Al-Azhar, lebst in einem muslimischen Land und die Verfassung dieses Landes sagt, dass hier die wahre Lehre des Islam gilt. Aber die Lebenspraxis ist eine andere!

Wie soll nun ein Imam im geschilderten Fall handeln? Nach dem Gesetz des ägyptischen Staates, oder nach dem islamischen Gesetz, oder einfach nach den allgemein gebräuchlichen Regeln? Wo ist denn dieser islamische Staat? Wie soll die islamische Autorität wiederhergestellt werden? Das ist die Situation, die wir haben: nichts als Verwirrung und Durcheinander.

factum: War es möglich, an der Universität über diese Widersprüche zu reden?

Gabriel: Während der vier Jahre meines Bachelor-Studiums bemühte ich mich sehr, von meinen Professoren Antworten zu bekommen. Doch sie wiesen meine Fragen auf disziplinarische Art zurück und empfahlen mir, bestimmte Bücher zu studieren, was ich dann auch bereitwillig tat.

Da ich aber auf die Fragen, die mich umtrieben, keine zufriedenstellende Antworten bekam, wollte ich das Studium und den Militärdienst möglichst schnell hinter mich bringen, um später den Master zu machen und dann hoffentlich mit dem Doktorat beginnen und tiefer graben zu können. So dachte ich damals.

Als ich nach Absolvierung des Masters selbst als Assistenzprofessor mit der Lehrtätigkeit begann, entschied ich mich, den Studenten mehr Freiheit zu gewähren. Ich dachte: «Warum sollen meine Studenten durch die gleichen Nöte gehen wie ich in den letzten Jahren?» Ich fühlte Verantwortung, ihnen zu helfen, die Wahrheit zu suchen, zu finden und Fragen stellen zu dürfen.

Ich wusste, dass es dabei Grenzen gab. Aber wie lange noch sollte diesen Studenten das Denken verweigert werden? Ich erlaubte mir eine gewisse Art von Freiheit für mich und für die Studenten meiner Klasse. Das führte zu viel Widerstand und Entrüstung, ganz besonders die radikal-islamischen Studenten regten sich auf über meine Ansichten.

In diese Zeit fiel der Aufstieg der Radikal-Muslimischen Bewegung Ägyptens und des Mittleren Ostens mit Bewegungen wie z. B. Al-Dschamaa al-Islamiyya, die auch für den Mord an Präsident Anwar Sadat verantwortlich waren.

Die Radikalen reklamierten beim Abteilungsleiter der Universität, der später eine Untersuchung einleitete und mich und andere Professoren zu einem Meeting einlud. Sie waren beunruhigt über mein Denken und meine Liberalität, dabei war ich kein Liberaler, wie man sie im Westen kennt, keiner, der z. B. sagt, dass es für einen Mann in Ordnung sei, einen Mann zu heiraten, oder für eine Frau, dass sie eine Frau heirate. So meinte ich es nicht.

factum: Worum ging es Ihnen dann?

Gabriel: Ich wollte einfach das Recht haben, Antworten zu bekommen auf Fragen wie diese: Warum darf der Prophet 15 Frauen heiraten, während wir nur eine, zwei, drei, oder vier heiraten dürfen? Der Koran sagt, dass Mohammed nicht mehr ist als wir alle, oder noch weniger. Er ist einfach ein Mann, er ist ein Botschafter, er ist kein Gott. Also, warum gibt man ihm solche Vorzüge und unterscheidet ihn damit von anderen Menschen?

Wenn ich als Muslim eine Frau heirate und wir kommen vor lauter Streit nicht mehr zurecht miteinander, habe ich das Recht, mich von ihr scheiden zu lassen und sie hat das Recht einen anderen Mann zu heiraten. Aber als der Prophet sich scheiden lassen wollte, gab er der Frau nicht das Recht, wieder zu heiraten. Warum? Weil sie die Frau des Propheten war. – So könnte ich noch viele ähnliche Beispiele anführen.

factum: Wie verlief das Gespräch mit der Universitätsleitung?

Gabriel: Es wurde über die genannten Fragen diskutiert. Im Verlauf dieses akademischen Verhörs wurde ich auf einen Professor aufmerksam gemacht, der direkt neben mir sass. Es war der Abteilungsleiter. Plötzlich neigte er sich zu mir, als ob er mir etwas zuflüstern wollte. Ich drehte mich ihm zu, um zu verstehen, was er mir ins Ohr flüstern wollte. Da drehte er seinen Kopf und spie mir direkt ins Gesicht mit den Worten: «Du bist nicht mehr willkommen an dieser Schule, verschwinde von hier! Du bist ein Kafir. Du bist kein Muslim mehr, schäm dich!» – So wurde ich hinausgeworfen. Am andern Morgen um drei Uhr wurde ich in meinem Heim von der ägyptischen Geheimpolizei abgeholt. Die gleiche Gruppe aus der Universität steckte dahinter und hatte den  Geheimdienst gerufen. Sie wollten wissen, wer hinter diesem Kerl steckt. Sie waren argwöhnisch und vermuteten irgendwelche ausländische Kräfte dahinter. Der ägyptische Geheimdienst hat mich verhört und auch gefoltert.

factum: Es gibt Skeptiker, die an Ihrer Ausbildung, ja an Ihrer Identität zweifeln. Wie ist es möglich, dass Sie Ihre Identität erfolgreich verschleiern konnten? Im Internet haben Sie Gegnern, wie z. B. einem Basim Ghoslan, auf ihre Vorwürfe Replik gegeben. Haben Sie je von ihm Antwort bekommen?

Gabriel: Ich habe auf einen kritischen Bericht eines norwegischen Imams mit Namen Basim Ghoslan geantwortet. Dann hat sich auch ein Imam aus Seattle, ich nenne ihn Jeff, gemeldet. Er hat seine Kritik sogar dem FBI geschickt. Man findet diese Anfeindungen via Wikipedia. Nein, ich habe von beiden nie Antwort bekommen. Das ist die Art und Weise, wie sich solche Leute benehmen.

factum: Sie schreiben, dass Sie Ihre Identität aus Sicherheitsgründen verstecken müssen und dass Sie deshalb im Westen unter einem neuen Namen leben. Ist es wirklich möglich, dass es Ihren Gegnern nicht gelang, Ihre wahre Identität herauszufinden, und dass diese muslimischen Imame nun das Gerücht verbreiten, vermutlich gebe es diesen ägyptischen Akademiker und Imam gar nicht?

Gabriel: Gute Frage. Die Frage nach meiner Identität stellte sich erstmals, als ich mich in Südafrika um Asyl aus Glaubensgründen bewarb. Die ersten Ermittlungen wurden durchgeführt durch den südafrikanischen Geheimdienst und diese Leute fanden die Wahrheit über mich in Ägypten, denn sie verwendeten bei ihren Untersuchungen meinen echten ägyptischen Namen. Dieser Name war aufgeführt im Antragsformular und mir wurde Asyl gewährt.

Muslime wie dieser Basim Ghoslan und andere misstrauten meinen Qualifikationen und so entschloss sich Ghoslan, selbst nach Kairo zu gehen und Nachforschungen über mich anzustellen. Da er nur meinen Namen Mark A. Gabriel kannte, suchte er mit diesem christlichen Namen und fand natürlich nichts. Zudem wurden solche Daten zur Zeit meiner Tätigkeit an Al-Azhar überhaupt noch nicht elektronisch gespeichert, also konnten sie mich auch nicht finden.

Zurückkommend auf die Frage nach meiner Identität ist festzustellen, dass ein Muslim, der in der Kairoer Universität nach mir suchen will, nichts finden wird. Man muss sich vorstellen, dass Leute vom Nachrichtendienst, oder speziell die Muslime, die mir in Wikipedia misstrauen, sich fragen: «Wie in aller Welt lässt die amerikanische Regierung diesen Mann leben und wirken in Amerika, ohne ihn zur Rechenschaft zu ziehen oder Nachforschungen anzustellen?» Die Antwort ist sehr einfach: Als ich den Antrag für religiöses Asyl beantragte, musste ich alle meine Dokumente vorlegen.

Die Art und Weise, wie die Vollzugsbehörde und der Geheimdienst die Hintergrund-Prüfung meiner Person vornahmen, ist unbeschreiblich. Warum alle diese Nachforschungen? Weil die Mark-Gabriel-Story, die Mark-Gabriel-Aktivitäten und Mark-Gabriel-Schriften eine grosse Bedrohung sind für den Islam. Ein Muslim fühlt sich verpflichtet, einem solchen Mann entgegenzutreten, seinen Ruf zu zerstören, ihn umzubringen und wenn dies nicht gelingt, ihn wenigstens zu verleugnen, zu behaupten, dass er kein richtiger Muslim sei, oder dass es ihn überhaupt nicht gebe.Das ist ein Teil des Preises, den jemand, wie ich es bin, zu bezahlen hat.

factum: Barack Obama rühmte den Islam, eine grosse Religion zu sein. Was denken Sie über eine solche Äusserung?

Gabriel: Ich widerspreche ihm. Auch wenn er einige Jahre seines Lebens in einem islamischen Land lebte und einen muslimischen Vater hat, sind seine Erfahrungen nicht zu vergleichen mit den Lebenserfahrungen, die ich mit dem Islam machte. Ich habe die Erfahrung und die Kompetenz, den Islam zu beurteilen – ich weiss mehr darüber als Herr Obama.

factum: Denken Sie, Obama hat verborgene Motive? Könnte es sein, dass er doch ein versteckter Muslim ist?

Gabriel: Ich bin nicht Gott, dass ich sagen könnte, er hätte Hintergedanken. Aber ich bin sehr beunruhigt, dass er im Weissen Haus ist und dass er die oberste Führungspersönlichkeit des mächtigsten Staates der Welt ist. Ich sehe seine Sympathien, seine Liebe und seine Loyalität gegenüber allem, was mit dem Islam zu tun hat. Ob er immer noch ein Muslim ist, weiss ich nicht. Ob seine Präsidentschaft gut ist für Amerika und für den Westen im Allgemeinen? Ich würde sagen, nein. Seine Administration betrachte ich als Hiobsbotschaft für Amerika und den Westen, weil er extrem links steht. Sein moralisches Denken und sein moralischer Standpunkt sind schockierend.

factum: Ist es möglich, in einem demokratischen Staat einen angepassen Islam zu etablieren?

Gabriel: Soll man im Westen einen liberalen Islam erlauben? Der Islam marschiert sehr schnell auf Europa, Amerika, den Westen zu. Wenn man Länder, wie z. B. Holland, heute betrachtet, und ich rede aus Erfahrung, weil ich Holland erst kürzlich besucht habe, sieht man, dass es das erste Land ist, das ernsten Veränderungen in der Infrastruktur des Landes gegenübersteht, verursacht durch den Aufstieg und den Einfluss des Islam.

Ist das eine gute Entwicklung für Europa? Man stelle sich vor, in den Niederlanden lebten liberale Muslime, die nicht beabsichtigen, islamisches Recht einzuführen und das Land zu beherrschen. Es wäre gut, solche netten Menschen unter sich zu wissen. Aber – ich könnte nicht versichern, dass nicht zu irgendeinem Zeitpunkt plötzlich radikale Muslime auftreten, welche die Führung über die säkularen, liberalen Muslime übernehmen und so die Umstände in kurzer Zeit verändern.

Die Geschichte zeigt auf, wie das passiert. Man kann nicht leugnen, was sich in der Vergangenheit abgespielt hat. Was geschah in den 50er-, 60er-, 70er-Jahren im Iran? Der Iran war der liberalste islamische Staat der Welt. Denkt an den Schah, das politische System, seine Regierung, sein Militär und an die Macht, die sein Regime im Iran besass. Hätten Sie damals jemandem gesagt, dass aus diesem Land eines Tages ein fanatischer, islamischer von Ayatollahs regierter Staat werde, hätte Ihnen kein Mensch zugestimmt. Aber genau das ist passiert!

Oder man erinnere sich an den Libanon. Wer hätte sich je träumen lassen, dass sich in diesem einst blühenden Land eines Tages eine radikale, islamische Gruppe einrichten kann und die Kontrolle über das Land übernimmt? Die Hisbollah hat es gewagt, einen Krieg zu beginnen gegen ein mächtiges Land, eine mächtige Armee. Niemand hätte so etwas für möglich gehalten. Schauen Sie sich Somalia an, das unter Siad Barre rein kommunistisch war. Ist Ihnen bewusst, wie Somalia heute unter islamischer Herrschaft aussieht und was muslimische Milizen aus diesem Land gemacht haben?

Mein Aufruf gilt der europäischen Bevölkerung, ihren Kindern, ihrer Zukunft, ihrer Gesellschaft, ihren Familien, ihrem Erbe, ihrer Freiheit, ihrem Wohlstand … Sie sollen ihre Augen öffnen und ernsthaft nachdenken über die kommende Herausforderung durch den Islam, welche die ganze Gesellschaftsstruktur in Frage stellt.

factum: Warum sehen Politiker und Medien diese Probleme und die Gefahren nicht oder warum versuchen sie, diese zu bagatellisieren?

Gabriel: Gerade gestern hatte ich ein Meeting mit einigen Politikern, das in mir Hoffnung weckte. Ich glaube, dass Gott Europa nicht vergessen hat.

Ich studierte die europäische Geschichte, speziell den Anfang des islamischen, militärischen Marsches Richtung Europa im 7. Jahrhundert. Mit der ersten Schlacht, der Schlacht von Mo’ta, eröffnete Mohammed den Kampf gegen die Christen. Ein Gang durch die Geschichte zeigt mir, dass die Hand Gottes über dem europäischen Kontinent bleiben wird. Vergessen wir nicht, dass dieser Kontinent einmal das absolute Zentrum des Christentums war. Die ganze Welt wurde von ihm aus mit dem Evangelium erreicht und hatte durch Europa Zugang zum christlichen Glauben.
Zurück zu Ihrer Frage … Politiker sind anders. Sie denken anders, sie glauben anders, sie beurteilen Dinge anders. Sie sind eine andere Kategorie Mensch. Aber es gibt Hoffnung! Alle diese Politiker sind Europäer. Die Bibel sagt: «Meine Leute kommen um aus Mangel an Erkenntnis.» Diese Führungspersonen leiden unter einem Mangel an Ehrenhaftigkeit, Wahrheit und Erkenntnis betreffend der Situation heute.

Wenn ich Zugang hätte zu diesen Politikern und wir einen Dialog mit ihnen eröffnen, um über die Zukunft Europas zu diskutieren, dann – da bin ich mir sicher – würden die meisten zuhören und in einer guten Richtung tätig werden. Lassen Sie uns hoffen und beten, dass dies geschehen wird.

Im Weiteren möchte ich einen dringenden Ruf an die christliche Kirche Europas richten. Dieser Schrei kommt aus tiefstem Herzen. Die Gemeinden und Kirchen müssen sich neu zusammenfinden, um Jesus Christus herum, dem Zentrum ihres Glaubens. Sie müssen Einigkeit zeigen, sie müssen sich gegenseitig vergeben und müssen nachdenken über ihre Differenzen und versuchen, zusammenzuarbeiten. Sie müssen vor Gott kommen und zu ihm schreien, dass er die Menschen in Europa und die zerbrochenen Familien heilen möge. Dass er die neue Generation, die aus der Kirche weggerannt ist, zurückbringt und die christliche Familie wieder erneuert.

factum: Im Westen wird «Allah» meistens gleichgesetzt mit dem Gott der Juden und der Christen, d. h. dem Gott der Bibel. Wenn Sie, Mark, an einem Tisch sitzen mit Menschen, welche diese Meinung vertreten, was würden Sie ihnen sagen?

Gabriel: Ich würde ihnen deutlich antworten: Der Gott der Bibel hat keine Verbindung zum Gott des Korans. Sie sind völlig verschieden: im Charakter, in der Gesinnung, in der Art, die Menschen zu sehen, und im Bezug zur Schöpfung. Für mich gibt es überhaupt keine Beziehung zwischen dem Gott der Bibel und dem Gott des Korans.

factum: In den Bibeln, welche die arabischen Christen lesen, wird Gott trotzdem mit Allah übersetzt. Da liegt die Gleichung «Gott ist Allah» besonders nahe …

Gabriel: Dieses Problem sollte so rasch wie möglich aus der Welt geschafft werden! Das würde zu einem richtigen Verständnis im Westen beitragen. Der Name «Allah» fand erst im 19. Jahrhundert Eingang in die arabisch-christliche Literatur, und zwar durch die Bibelübersetzung ins Arabische durch Van Dycke. Ich machte mit einigen christlichen, arabisch sprechenden Führungspersonen Nachforschungen zum Thema des Gottesnamens. Einer von ihnen ist Dr. Labib Michael, den ich als einen der berühmtesten Bibelgelehrten des Nahen Ostens halte. Er ist Ägypter und lebt in den USA. Wir hatten eine grosse Diskussion über dieses Thema und er gab zu, dass auch er es als ein grosses Problem sieht. Wir fragten uns, wie nur können wir die Leser arabischer Bibeln überzeugen, dass wir eine neue Übersetzung brauchen, in der ein anderer Gottesname an Stelle Allahs verwendet wird? Zuerst müssen wir einen richtigen arabischen Begriff finden für den biblischen Gott, damit dieser Konflikt mit dem Gott des Korans behoben werden kann.

Ich habe dazu eine gute Nachricht, aber vorher muss ich noch darüber reden, wie die Muslime die Situation mit dem identischen Gottesnamen missbrauchen …

factum: Erzählen Sie …

Gabriel: Die muslimischen Medien und die Muslime, welche die Da’ua (Mission, die Verbreitung des islamischen Glaubens im Islam) befolgen, brauchen den Namen Allah auf verwerfliche Art und wollen Europäer und andere westliche Menschen damit zum Islam bekehren. – Wenn z. B. ein muslimischer Arbeiter in Berlin eine junge Dame kennenlernt, oder wenn einer die Bekanntschaft macht mit einer jungen Universitätsstudentin in Genf, wird er versuchen, sie in den Islam einzuführen. Vermutlich wird die junge Dame oder die Studentin sagen: «Oh nein, ich glaube nicht an den Islam, – ich bin Christ, ich bin katholisch, oder ich bin reformiert, oder ich gehöre zu einer Freikirche und der Islam widerspricht meinem Glauben an Gott.» – Der Muslim wird sagen: «Kommen Sie, ich predige Ihnen doch keinen fremden Gott. Ich rede vom Gott der Bibel und dieser ist auch der Gott des Korans. Wir nennen ihn Allah, ihr sagt ihm, Vater oder Jesus, oder was auch immer, – er ist der Autor des Korans und der Autor der Bibel. Wenn Sie mir nicht glauben, überzeugen Sie sich selbst. Lesen Sie die arabische Bibel und den Koran und Sie werden sehen, dass es so ist.» Dann fahren sie weiter und sagen: «Dieses Christentum, an das du glaubst, hilft dir nicht wirklich. Du wurdest nicht gerettet aus deinen Fallen, nicht vom Alkohol, von unsittlichen Abenteuern und Versagen aller Art im Leben. Die zerbrochene Familie wurde nicht geheilt, die Scheidung deiner Eltern wurde nicht verhindert, die Misshandlungen deines Vaters an der Mutter hörten nicht auf … Schau, wie es im Islam aussieht. Schau auf die Einigkeit in der Familie, schau, wie sich der Ehemann um seine Frau und seine Kinder kümmert!» – So wird der Islam im Westen gepredigt.

Das muss gestoppt werden. Die arabische, christliche Bibel muss berichtigt werden. Der Begriff «Allah» muss verschwinden und ersetzt werden durch den schönen, guten, klassischen, lieblichen Ausdruck für Gott – «Al-Elah». Das ist der gleiche Gottesname, den man im Alten Testament in der hebräischen Form «Elohim» findet. «Allah» hingegen kommt nicht von Elohim, wie Muslime und manche christliche Gelehrte sagen, sondern von «Al-Lat», der Mondgöttin, die im Stamm der Quarisch, dem Mohammed angehörte, verehrt wurde.

«Al-Elah» hat den Ursprung in Elohim. Al-Elah ist der Gottesname, den die Bewohner Arabiens schon vor der Zeit Mohammeds verwendeten. Sogar die Götzenanbeter brauchten diesen Namen. Sie hatten ihre Statuen, denen sie Namen gaben, wie z. B. Hobb-El. Warf man einem solchen Götzendiener vor, er bete ein Abbild an, sagte er: «Nein, ich bete nicht Hobb-El an, ich bete zu Al-Elah, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Ich komme nur zu Hobb-El, weil ich denke, er könnte mich näher zu Al-Elah, dem höchsten Gott, bringen.» So war das Gottesverständnis, bevor der Islam auftrat.

Gott möge Van Dycke vergeben, dass er den Namen «Allah» wählte und damit so viele Schwierigkeiten verursachte.

Ich arbeite seit ein paar Jahren mit einigen Freunden in Amerika zusammen. Wir ändern den Gottesnamen in der ganzen arabischen Bibel. Wir ersetzen Allah mit Al-Elah. Dazu schrieb ich eine Einführung mit entsprechenden Erklärungen.1

factum: Wann kommt diese Bibel auf den Markt?

Gabriel: Damit wir das Projekt zu Ende bringen, benötigen wir Geld. Bitte betet um finanzielle Unterstützung und für den Druck des Buches. Es wäre schön, die Bibel bis spätestens im Frühjahr 2010 drucken zu können.

factum: Wer hat Mohammed beim Verfassen des Korans inspiriert?

Gabriel: Sie kennen den britischen Schriftsteller, Salman Rushdie, den Autor des Buches «Die Satanischen Verse»? Ich möchte mich aber nicht einfach dem Urteil dieses säkularen Muslimen anschliessen und auch in seinem Sinne sagen, der Koran sei satanischen Ursprungs. Ich bilde mir mein eigenes Urteil aus drei verschiedenen Beweisen. Sie kommen einmal aus einem Kommentar über zwei koranische Verse und zum andern aus drei Hinweisen in den Hadithen, die von Gelehrten der islamischen Frühzeit gebraucht wurden, diese zwei Verse des Korans auszulegen.

Diese Beweise handeln von Augenzeugenberichten der zweiten Gattin Mohammeds, Aischa. Sie bezeugte, dass Mohammed unter einem Bann war, das heisst unter dämonischem Einfluss. Die Erzähler, die diesen Bericht notierten, waren ein wenig verwirrt, weil sie nicht wussten, wie lange Mohammed unter diesem dämonischen Einfluss stand. Manche sagen, es habe sich um Tage gehandelt, andere meinen, es sei ein voller Monat gewesen. Auf jeden Fall haben wir hier ein Indiz, dass er unter dämonischem Einfluss war.

Seine Frau Aischa berichtete über sein Verhalten in dieser Zeit des Banns. Mohammed hatte ja 13 Frauen, die er planweise besuchte, jede Nacht war für eine bestimmte Frau reserviert. Tagsüber war er bei Aischa, seiner Lieblingsfrau, die er als 9-Jährige geheiratet hat, und am Abend verliess er sie, um die Nacht mit einer andern zu verbringen. Am Morgen danach fragte ihn Aischa, mit wem er zusammen war und wie es gewesen sei die Nacht hindurch. Immer wenn Mohammed unter dämonischem Einfluss war, nannte er ihr einen falschen Namen. Aischa, die sich dann immer vergewissern wollte, ob er wirklich bei der von ihm bezeichneten Frau gewesen sei, bekam von jener während dieser Zeit die Antwort: «Nein, bei mir nicht, er muss bei einer andern gewesen sein.» Aischa erzählte weitere Erlebnisse dieser Art, die sie mit Mohammed machte. Frühe islamische Gelehrte schrieben darüber in ihren Schriften. Einer davon war Mohammeds Cousin, Ibn Abbas, der Tafsir al Meqbas, einen Kommentar zum Koran, schrieb. In diesem Kommentar erklärt er diese zwei Verse und kommt zum Schluss, dass der Prophet, entsprechend dem Zeugnis seiner Frau, unter einem dämonischen Bann war. Das ist also nicht meine Beurteilung, sondern die eines namhaften Gelehrten aus der Frühzeit des Islam.

factum: Haben Sie gehört von der Schweizer Initiative gegen den Bau von Minaretten? Die Initianten sagen, die Minarette seien ein Herrschaftssymbol im Islam. Was würden Sie stimmen, wenn Sie Schweizer wären? Ja zum Verbot oder Nein?

Gabriel: Wenn ich meine Meinung kundtun könnte, würde ich Ja sagen zur Initiative, ganz unabhängig davon, ob ich nun Christ wäre oder nicht. Ich würde Nein sagen zu Minaretten, und zwar mit Blick auf mein Land, seine Zukunft, seine Lebensgewohnheiten und seine Verfassung.

factum: Aber mit dem Verbot von Minaretten kann die Ausbreitung des Islam ja nicht gestoppt werden. Gefährlich ist die islamische Ideologie.

Gabriel: Selbstverständlich! Aber der Islam gründet nicht nur auf Geist und Verstand. Der Islam ist eine Religion, die man auch auffassen kann als Lebensphilosophie, die jeden Aspekt des Lebens beherrscht und beeinflusst.

Der Verbot des Minarettbaus würde die Ausbreitung des Islam nicht stoppen. Jede Religion versucht sich auszubreiten. Ich möchte hier nicht speziell über die Ausdehnung des Islam sprechen, sondern darüber, dass Muslime verborgene Motive haben und die beinhalten nicht nur die Ausdehnung des Islam.

Wäre der Islam nur eine politische Philosophie, eine politische Einstellung, würde ich mir nicht gross Gedanken machen. Dann könnte man sagen, lasst den Islam sich ausbreiten wie jeden andern Glauben auch, es ist ja nur ein Glaube. Aber der Islam ist nicht einfach nur ein Bekenntnis, ein Glaube, ein geistiges Etwas, das mit niemandem etwas zu tun hat als mit sich selbst.

Es gibt ein berühmtes Sprichwort in der islamischen Tradition, das heisst: «Es gibt kein Priesteramt im Islam». Das heisst im Islam kann jemand nicht ein Heiliger sein, der in einem Gebäude, genannt Kirche, seinen Glauben lebt. Nein, Islam ist eine Lebensform. Wenn du ein Muslim bist, bist du gefordert, den Islam vom Aufwachen am Morgen bis zum Einschlafen am Tagesende zu leben.

Der Islam fordert dich nicht nur auf, seine Lehre zu verbreiten, sondern er fordert von dir harte Arbeit, dass jeder Ort, wo du bist, sich dem islamischen Gesetz, dem islamischen System, unterwirft. Wenn ich von verborgenen Motiven, von Hintergedanken spreche, meine ich nicht, dass alle Muslime mit einer solchen Haltung in euer Land kommen. Manche kommen, weil sie ein besseres Leben suchen. Aber es sind ihrer viele, die mit dem Hintergedanken kommen, die Infrastruktur der Gesellschaft des Landes, in das sie kommen wollen, zu verändern. Sie tun das, indem sie anfangen, Moscheen zu bauen, und wenn möglich Moschee-Schulen dazu, und so verändern sie die Landschaft. Sie nutzen alle Freiheiten des Landes, in das sie einwandern, zu ihrem Vorteil. Ihr Hauptziel ist, dass der Islam das Land regieren und das Leben bestimmen kann.

Würde den Schweizern bewusst werden, was es heisst, unter dem Diktat des Islam zu leben – verglichen mit dem Leben im Christentum oder dem Leben in einem säkularen System –, wären sie geschockt. Würde es jemandem gelingen, der Schweizer Bevölkerung den Kontrast zwischen der islamischen Lebensart und jener der Schweiz aufzuzeigen, dann würden mit Sicherheit 99,9 Prozent Ja sagen zur Minarett-Initiative.

Wir, ehemalige Muslime aus arabischen Staaten, kennen diese Probleme und sehen eine grosse Verantwortung, die Menschen in Liebe und Freundlichkeit zu ermutigen, Stellung zu nehmen und in Aktion zu treten gegen diese unheilvolle Entwicklung. Sonst wird es zu spät sein und wir werden mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie Frankreich, Holland, England und Schweden.

factum: Viele Schweizer Christen meinen, die religiöse Atmosphäre unseres Landes werde vergiftet, wenn man den Bau von Minaretten verbiete. Auch die meisten Kirchenführer agieren gegen die Minarett-Initiative.

Gabriel: Den Kirchenführern in der Schweiz möchte ich mit allem Ernst sagen: Spielt nicht mit dem Feuer! Versteht die Menschenrechte richtig. Mit allem Respekt möchte ich sie ermutigen, den Islam eingehend zu studieren, bevor sie der Öffentlichkeit empfehlen, die Initiative abzulehnen.

factum: Inwiefern ist das Minarett mehr als ein spitzer Turm?

Gabriel: Im 8. Jahrhundert fing man in der islamischen Gesellschaft an, Minarette zu bauen. Damals gab es keine Elektrizität und keine Technologie für Lautsprecher. Es war vorgeschrieben, fünf Mal am Tag zum Gebet aufzurufen. Das wurde zur Gründerzeit des Islam von Hügeln und erhöhten Plätzen aus getan. Später kam die Idee auf, Minarette zu bauen.

Zur Frage, ob Minarette eine Notwendigkeit seien in der Ausübung des muslimischen Gottesdienstes, findet man auf der Webseite des berühmten saudi-arabischen Gelehrten, Ibn Jibril, eine einleuchtende Antwort. Da fragt ein Muslim den Gelehrten, was seine Meinung zum Minarettbau sei. In seiner Gemeinde werde diskutiert, ob man Büros einrichten wolle in der Moschee oder ob doch eher ein Minarett. Die Antwort an den Ratsuchenden lautete: «Ich unterstütze die Idee, ein paar Büros einzubauen in der Moschee. Minarette haben keine Bedeutung mehr heutzutage. Wir haben alle Arten von Technik heute, wir haben Lautsprecher in der Moschee, wir haben Radios, Telefone, TV und Uhren. Die Leute wissen, wann es Zeit zum Gebet ist, niemand braucht mehr das Rufen eines Muezzin.» – Sie sehen: Es braucht keine Minarette.

factum: Dann wäre ein Bauverbot für Minarette keine Einschränkung der Religionsfreiheit?

Gabriel: Es gibt keine Verbindung zwischen Minaretten und Religionsfreiheit. Es gibt gute Gründe, Minarette zu verbieten. Man stelle sich vor: Später werden Lautsprecher montiert und die ganze Nachbarschaft wird morgens um vier Uhr durch das Geschrei eines Muezzins geweckt. Das wird die Bewohner enorm stören und viele werden solche Quartiere verlassen!

Die Muslime haben die Freiheit zur Ausübung ihrer Religion. Sie haben Moscheen zur Anbetung und zum Zusammensein, mehr brauchen sie nicht.

factum: Weshalb beschliessen die Schweizer Muslime dann nicht von sich aus, auf Minarette zu verzichten? Sie würden so mit einem Schlag enorm an Sympathie gewinnen und Ängste abbauen.

Gabriel: Warum halten Muslime daran fest, Minarette zu bauen? Der Grund liegt darin, dass es eine Lehre Mohammeds gibt, die man in den Hadithen findet. Dort steht: «Allah hat mir die ganze Erde erschaffen, um eine Moschee zu sein.» Es ist Teil der muslimischen Mission, den Islam zu verbreiten und sichtbar zu machen. Dazu gehört der Bau von Moscheen mit Minaretten. Und warum denn die Minarette? Weil die Muslime wollen, dass jedermann, der in die Gegend kommt, als Erstes den Islam sieht. Minarette sind eine Proklamation der Existenz des Islam. Sie sagen: Wir sind hier!

factum: Verbote sind eine Sache. Sie sind nötig, verändern aber die Herzen nicht. Für die Christen ist deshalb eine andere Frage noch entscheidender, nämlich: Wie gewinnen wir die Herzen der Muslime für das Evangelium?

Gabriel: Es gibt viele verschiedene Botschaften, wie man Muslime erreichen kann. Ein liberaler, kompromissbereiter Vorschlag kam vor Jahren von jemandem in Colorado, USA. Er meinte, wir Christen sollten in die Moscheen gehen, uns wie Muslime anziehen und uns mitten unter sie in die Reihe stellen, wenn sie beten. Wir müssten nicht mit ihren Worten beten, sondern mit biblischen Texten, und nicht zu Allah, sondern zu Jesus. Sollte sich ein Muslim darauf bekehren, müsste er nichts ändern, – er würde weiter in die Moschee gehen und statt zu Allah einfach zu Jesus beten. – Das scheint mir die liberalste und kompromissbereiteste Art von Evangelisation zu sein.

Der extremste Weg, Muslime mit dem Evangelium erreichen zu wollen, ist es, sich mit ihnen in Diskussionen zu duellieren und ihnen mit harschen, kritischen Worten zu begegnen. Damit weckt man auf der Stelle den gewalttätigen Geist des Islam. Warum das? Weil Christen, die auf diese Art Muslime gewinnen wollen, vergessen, dass der Koran die Muslime auffordert zu streiten, zu kämpfen und die Religion zu verteidigen. Das ist der extreme Weg, Muslime zu gewinnen. So sollte ein Christ nicht vorgehen. Mit so viel Kälte kann man die Gute Nachricht nicht vermitteln.
Ich denke, der beste Weg, Muslime zu erreichen, ist es, Beziehungen zu knüpfen. So kommen auch viele zum Glauben. Aber – in Beziehungen mit Muslimen darf man nicht zu schnell über den Glauben und sein Bekenntnis reden. Es braucht Wochen, Monate, ja oft sogar Jahre, bis man es wagen kann, darüber zu sprechen. Lasst diese Menschen zuerst näher kommen, lasst sie wie liebe Freunde werden.

Muslime sind in der Regel sehr emotional – im Guten, wie im Schlechten. Sie brauchen ihren Verstand und ihr Hirn nicht wie die Europäer oder wie die westlichen Menschen im Allgemeinen. Sie brauchen meistens ihr Herz. Muslime brauchen zum Leben 20 Prozent Verstand und 80 Prozent an ihnen ist Emotion. Unter diesem Gesichtspunkt wird einem klar, wie viel man erreicht bei ihnen, wenn man vertrauensvoll, lieb und nett zu ihnen ist. Das macht sie sehr glücklich und verändert ihr Wesen.

Lasst Gott wirken auf diese Weise und baut so ein Fundament für die Beziehung. Gebt ihnen nicht das geringste Zeichen, dass ihr versteckte Motive habt, sie bekehren zu wollen. Wenn ihr so handelt, könnt ihr sicher sein, dass der Tag kommen wird, wo sie anfangen, Fragen zu stellen. Dann könnt ihr ihnen die Gute Nachricht mitteilen. Ihr müsst weise sein.
Zur Person: Mark A. Gabriel
Der gebürtige Ägypter Mark A. Gabriel lebt seit neun Jahren mit einer neuen Identität in den USA. Als Sechsjähriger besuchte er das renommierte Islamic Primary Institute von Al-Azhar in Kairo. Als Zwölfjähriger kannte er den Koran auswendig. Nach dem Studium islamischer Geschichte und Kultur und dem Militärdienst arbeitete er als Assistent und Doktorand an der Universität Al-Azhar. Seine Promotionsarbeit heisst: «The Foreign Policy of the Omawi Estate in the Time of the Calif Al Walid Ibn Abdul Malek». An den Wochenenden arbeitete Gabriel als Imam in Gizeh.
Aufgrund kritischer Anfragen an den Koran wurde er 1991 von beiden Ämtern suspendiert und in derselben Nacht vom ägyptischen Geheimdienst verhaftet. Drei Tage lang erhielt er weder Wasser noch Nahrung. Dann begann das Verhör. Man wollte Gabriels Eingeständnis, vom Islam abgefallen zu sein, und suchte herauszufinden, welche Kontakte er hatte. Als er die gewünschten Antworten nicht geben konnte, griffen die Beamten zu Foltermethoden: Verbrennen, Auspeitschen, Eintauchen in eiskaltes Wasser, Einsperren in ein Zimmer mit einem Hund. Gabriel überlebte. Anschliessend wurde er für 15 Tage in Untersuchungshaft gesteckt, dann aber entlassen.
Er fand Arbeit in der Firma seines Vaters, stürzte aber in eine tiefe Krise. Wer war Gott wirklich? Der Islam konnte nicht die Wahrheit sein. Kopfschmerzen und Depressionen plagten ihn. Schliesslich schenkte ihm eine Apothekerin eine Bibel. Er las in der Bergpredigt und blieb zitternd bei Matthäus 5,38 bis 39 stehen: «Es heisst auch ‹Auge um Auge, Zahn um Zahn›. Ich aber sage euch: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch hin!» Er begann, die Bibel mit dem Koran zu vergleichen, bis ihm klar wurde: In Jesus Christus begegnet ihm der lebendige Gott, und Gabriel unterstellte Jesus sein Leben.
Was darauf folgte, ist Stoff für einen Krimi. Zwei Männer stachen ihn in Gizeh nieder. Gabriel wäre verblutet, wenn nicht zwei Polizisten vorbeigekommen wären. Das war 1993. Ein Jahr darauf, nach einer Geschäftsreise nach Südafrika, wo ihm eine christliche Familie ein Kettchen mit einem Kreuz geschenkt hatte, wurde er von seinem Vater zur Rede gestellt. Mark Gabriel erklärte ihm die Bedeutung des Todes Jesu am Kreuz, worauf sein Vater auf offener Strasse bewusstlos zusammensackte. Als er wieder zu Bewusstsein kam, griff er zur Pistole und schoss auf den fliehenden Sohn. Gabriels Flucht führte über Nordägypten durch die Sahara. Nach Aufenthalten in verschiedenen afrikanischen Ländern stellte er in Südafrika ein Asylgesuch. Seine Bücher über Islam und Christentum fanden weite Verbreitung. factum-magazin.ch

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