Die selben Leute, die das Verbot der Kükentötung feiern, obwohl diese inzwischen völlig schmerzlos und im Frühstadium möglich ist, wollen das Abtöten von bereits lebensfähigen kleinen Menschen ohne wenn und aber nicht nur erlauben, sondern sogar fördern.
Welche Perversion des Denkens, welch abgestumpfte Moral dieser scheinheiligen Hypermoralisten. „Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt“, sagte einst Gustav Heinemann. Daran gemessen wird unsere Gesellschaft immer inhumaner und daß, obwohl sie so viel Wert darauf legt, daß jede noch so kleine Minderheit zu ihrem Recht kommt. Das hängt sicher auch mit dem Verschwinden des christlichen Glaubens zusammen, der bisher dafür gesorgt hat, daß mit den Kindern, Alten, Schwachen und Kranken würdevoll umgegangen wird. Mit der Rückkehr von Heidentum und Atheismus gehen genau diese Werte, die für eine funktionierende und empathische Gesellschaft wichtig sind, zurück. Und dann wundern wir uns über zunehmende Kälte, Gewalt und Rohheit. Genau davon sprach übrigens Jesus in Mattäus 24,12: „Und weil Gottes Gebote immer stärker missachtet werden, setzt sich das Böse überall durch. Die Liebe wird bei den meisten von euch erkalten.“ Wir ernten, was wir säen.
Abtreibung und (kommende) römische Verhältnisse.
„Aussätzige und Sklaven waren nicht die einzigen Schutzlosen von Gottes Kindern. In der ganzen römischen Welt sah man an Straßenrändern oder auf Müllhaufen immer wieder wimmernde Babys, die von ihren Eltern ausgesetzt worden waren. Andere wurden vielleicht in die Kanalisation geworfen, um dort zu Hunderten zu sterben. Von dem einen oder anderen exzentrischen Philosophen abgesehen, hatte diese Praxis kaum einmal jemand in Frage gestellt. Es gab sogar Städte, wo althergebrachtes Recht tatsächlich eine Tugend daraus machte, Babys, die mit Behinderungen auf die Welt kamen zum Wohl des Staates zum Tode zu verurteilen. Sparta, eine der gefeiertsten Städte Griechenlands, war der Inbegriff dieser Politik gewesen, und Aristoteles hatte sie mit dem vollen Gewicht seines Prestiges legitimiert. Vor allem Mädchen waren in Gefahr, nach der Geburt unbarmherzig aussortiert zu werden. Jenen, die vom Straßenrand gerettet wurden, stand ausnahmslos ein Leben als Sklavin bevor. In den Bordellen lebten zahlreiche Frauen, die als Neugeborene von ihren Eltern ausgesetzt worden waren – so viele, dass das Thema lange Zeit Schriftstellern Stoff für Romane geliefert hatte. Nur wenige Völker – der eine oder andere germanische Stamm und natürlich die Juden – standen der Aussetzung ungewollter Kinder ablehnend gegenüber. Ansonsten war es praktisch für jedermann seit jeher völlig normal. Allerdings eben nur so lange, bis sich ein christliches Volk herausgebildet hatte.“
Tom Holland.
