Mitte des vierzehnten Jahrhunderts war die Pest, der Schwarze Tod, mit voller Wucht nach Europa zurückgekehrt.

Die Pest trat bis in 18. Jahrhundert immer wieder auf wie um 1700 in Ostpreußen oder  1665/66 in London – in der Metropole starben damals 70.000. Oft wird vergessen, dass der Beginn der Reformationsepoche in Deutschland ebenfalls von einem Pestausbruch begleitet war. Das Jahr des Thesenanschlags markiert auch den Beginn einer neuen Welle der „Pestilenz“.

Über die Städte am Rhein kommend erreichte die Pest nach und nach die Eidgenossenschaft im Süden und im August 1519 Zürich. Im Winter ebbte die Epidemie ab, nachdem sie mehrere Tausend Tote hinterlassen hatte. Etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung überlebte nicht.

Ulrich Zwingli hatte zu Beginn des Jahres, also gerade erst ein gutes halbes Jahr zurück, sein Amt als Pfarrer am Grossmünster der Stadt angetreten. Bei Ausbruch der Pest war er selbst nicht in der Stadt. Auf einem Kuraufenthalt erholte er sich. Aber für Zwingli stand die eigene Gesundheit nicht an oberster Stelle. Er kam nach Zürich zurück und stand den Kranken und Sterbenden als Seelsorger zur Seite (wie übrigens später auch Luther bei einer Pest in Wittenberg 1527).  Enge Mitarbeiter und Verwandte schickte er dagegen zu ihrem Schutz aus der Stadt.

Im September steckte sich Zwingli selbst an und rang im Herbst mit dem Tod – und überlebte. Allerdings starb 1520 sein Bruder. In diesem Jahr schrieb der Reformator sein „Pestlied“, in dem er die Erfahrungen der schweren Erkrankung verarbeitete. Es beginnt mit einem Schrei der Hilfe: „Hilf, Herr Gott hilf / in dieser Not! / Mir scheint, der Tod / stehe an der Tür“. Zwingli befiehlt sich dem Willen Gottes an: „Zu dir ich schrei. / Ist es dein Will’, / zieh aus den Pfeil, / der mich verwund’t“.

„Ist es dein Will’“ – Zwingli wendet das „Dein Wille geschehe“ des Vaterunsers an, ergibt sich ganz dem Willen Gottes, was auch in diesen Zeilen deutlich wird: „Willst du denn gleich / tot haben mich / inmitten meiner Tage, / so soll es willig sein. / Tu, wie du willst, / mir ist nichts zu viel. / Dein Krug bin ich, / mach ganz oder brich.“ Gott müsse nun den Kampf führen, da er zu schwach ist, „dem Fallstrick und frechen Zugriff des Teufels“ zu widerstehen. Er ist gewiss: „Jedoch wird meine Seele / dir treu bleiben, / wie immer er auch wüte.“ http://lahayne.lt/

„Nicht, daß ich den Tod nicht fürchte (denn ich bin nicht der Apostel Paulus, sondern nur jemand, der Vorlesungen über den Apostel Paulus hält). Aber ich hoffe, der Herr wird mich aus meiner Furcht herausreißen.“
Luther macht hier keinen Hehl aus seiner Angst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* Ich stimme zu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.