Transgender – Von der Frau zum Mann und wieder zurück

Melanie Summermatter wollte ein Junge sein, hatte Buben lieber als Mädchen. Durch Kontakte mit Menschen aus der Trans-Szene gelangte die junge Frau schnell an die nötigen Informationen für eine Transition. Nun stand ihrem Traum nichts mehr im Weg. «Wir sind oft umgezogen», erzählt Melanie Summermatter über ihre Kindheit. «So konnte ich nie tiefe Beziehungen aufbauen.» Sie spürte schon als kleines Kind, dass ihr Vater Buben lieber mochte als Mädchen: «Also wollte ich auch einer werden.» Sie spielte lieber mit Autos als mit Puppen und fühlte sich in ihrem Körper nicht wohl. Ihre Mutter habe gemeint: «An dir ist ein Bub verloren gegangen.» In ihrem Zuhause wurde viel gestritten, und ihr Vater behandelte Frauen verächtlich. Als sie sieben Jahre alt war, verliess er die Familie, später wurde die Ehe der Eltern geschieden.

Ich will keine Frau werden!

«Die Pubertät war eine Qual», erinnert sich Melanie. Die Biografie von Nadia Brönnimann zeigte ihr auf, dass es möglich ist, körperlich zum Mann zu werden. Nun tauchte sie in die Trans-Szene ein. Hier habe man ganz genau gewusst, was man Ärzten oder Therapeutinnen sagen müsse, um medizinische Behandlungen einzuleiten. Nach 15 Minuten erhielt sie die Diagnose Geschlechtsdysphorie. Diese eröffnete ihr den Weg zur Testosteron-Substitution und schliesslich zur Brustentfernung. Regelmässig musste sie sich fortan Testosteron spritzen, um die Wirkung aufrecht zu erhalten. Die Muskeln der damals 25-Jährigen entwickelten sich, sie bekam viel mehr Kraft. Und sie erlebte, wie hormongesteuerte junge Männer auf sexuelle Reize reagieren.

Ziel erreicht? Leider nein

Elf Jahre lang lebte sie als André, macht viel Sport, wohnte mit einer Partnerin zusammen. Und dennoch: Ihr Zustand verbesserte sich nicht, im Gegenteil. «Es ging mir noch schlechter», sagt die heute 36-Jährige. Im Rückblick auf ihr Leben erkennt sie den Grund für ihre Verwirrung: «Ich wollte meinem Vater gefallen. Schon als kleine Tochter habe ich gemerkt, dass er an Mädchen kein Interesse hat.» Sie habe beobachtet, dass auch andere Frauen, die eine Transition hinter sich hatten, ohne gute Vaterbeziehung aufgewachsen waren. Ihnen allen hatte die vorbehaltslose Liebe des Vaters gefehlt.

Jesus lebt!

«Dass es Gott gibt, weiss ich von klein auf», bestätigt Melanie. «Jesus habe ich als 18-Jährige kennengelernt. Ich war damals auch total überwältigt von seiner Liebe – und gleichzeitig stiess ich ihn weg, konnte aufgrund meiner schlechten Kindheit und Jugendzeit kein Vertrauen zu ihm aufbauen.» Doch als sie einmal nachts ganz allein im Finstern an der Bushaltestelle stand, schrie sie zu Jesus: «Ich brauche deine Hilfe!» Im gleichen Moment erfüllten sie Liebe und Wärme. Noch als sie später im Bett lag, empfand sie tiefen Frieden und Geborgenheit und wusste: «Jesus lebt!» Doch je mehr sie sich nun in der Trans-Szene bewegte, desto weiter entfernte sie sich von ihm. Und die innere Dunkelheit nahm zu.

Schliesslich spürte Melanie: «Ich muss umkehren», und sie begann, in der Bibel zu lesen. Dann besuchte sie eine Freikirche, fand neue Freunde und öffnete sich für die Beziehung mit Jesus. Sie wurde als André akzeptiert, fühlte sich jahrelang wohl in dieser Gemeinschaft. Eines Tages sprach der Jugendpastor sie an: «Ich glaube nicht, dass es richtig ist, wie du lebst.» Er habe sie als Mensch angenommen, ihr Verhalten jedoch nicht gutgeheissen. Das machte sie nachdenklich. Einige Zeit später begann sie, ernsthaft über eine Umkehr nachzudenken.

«Das bin nicht ich»

Diese Erkenntnis und die zunehmende Geborgenheit in Jesus führte dazu, dass sie die Geschlechtsangleichung durch eine Detransition wieder rückgängig machte. Nach und nach setzte sie das Testosteron ab und wurde wieder zur Frau – allerdings ohne Brüste.

Die Fachfrau für Kinderbetreuung liebt Kinder. Rückblickend bereut sie, durch ihr Vorgehen für andere junge Mädchen ein Vorbild bezüglich Transition gewesen zu sein und nicht zu ihrem Geschlecht gestanden zu haben. «Es tut mir weh, dass andere sich selbst nicht lieben können und ich ihnen dabei noch unterstützende Dinge zu einer Transition hin gesagt habe, anstatt sie zu ermutigen, dass sie gut sind, so wie sie sind.»

Sie findet: «Wir müssen den Jugendlichen Interesse entgegenbringen. Es ist die Aufgabe der Eltern, der Familie, der Kirchen, den Kindern zu vermitteln, dass sie geliebt und wertvoll sind.» Das könne keinen Organisationen, der Schule oder den sozialen Medien abgegeben werden. «Es ist unsere Verantwortung!»

Hilfreiches Verhalten

In ihrer Zerrissenheit als Jugendliche hätte sich Melanie jemanden gewünscht, der da ist. «Jemand, der mir wirklich zugehört hätte. Der nachfragt: Woher kommen diese Gedanken? Was denkst du, ändert sich, wenn du ein Mann wärst?» Sie sehnte sich danach zu hören, dass sie geliebt ist. «Ich war sehr einsam und fühlte mich von allen verlassen – dabei wollte ich irgendwo zugehörig sein, so wie jeder andere Mensch auch.»

Unter Christen habe sie drei Reaktionen erlebt: Solche, die sie verurteilten und vermuteten: «Du bist von Dämonen besessen.» Gleichgültige, die schulterzuckend meinten: «Mach, was du willst, Gott liebt dich sowieso!» Und Aufrichtige, die ihr sagten: «Gott liebt dich, aber was du tust, ist nicht in seinem Sinne. Ich begleite dich auf dem Weg!» Das sei Liebe. «Solche Christen brauchen wir! Die einfach mal da sind, zuhören und nachfragen, ohne Verurteilung. Doch sie müssen überzeugt von Gottes Wort sein und dafür einstehen. Sie vermitteln: Du bist schön, kostbar und geliebt, so wie du bist! Gott hat dich gut gemacht!» So eine Haltung erlaube auch ermahnende Worte.

Melanie fühlt sich noch immer zu Frauen hingezogen. Doch sie lebt ihre Sexualität nicht mehr mit ihnen aus. «Weil ich überzeugt bin, dass Gott das nicht will.» Vorbild dabei ist Ed Shaw, ein homosexuell empfindender Priester, der zölibatär lebt. Er hat ein Buch dazu geschrieben, wie er seine Gemeinde als Familie erlebt. In dieser Vertrautheit kann er offen zu seiner Sexualität stehen, ohne sie zu praktizieren. Heute lebt Melanie gern als Frau. Und falls Gott ihr einen Ehemann schenken will, sagt sie nicht nein.

Autor: Mirjam Fisch-Köhler, 09.04.2024

Quelle: Livenet

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