Von Scientology zur Freiheit in Jesus Christus

 
Karen Pressley
Karen
Pressley, ehemalige Scientologin, klärt heute über diese angebliche
Kirche auf. Ihre Zuhörer danken es ihr, wie hier im Bild mit Briefen.

Karen Pressley kennt die Scientology-Bewegung bestens. Sie gehörte
zum engsten Mitarbeiterstab in den US-Hauptquartier. Doch dann wurde
der Druck übermächtig, und sie ergriff die Flucht.

Eine von Ausserirdischen erschaffene Menschheit?
Das hat sie alles schon zigmal gehört, dieses Märchen von Aliens, die
vor Jahrtausenden den Grundstein für die menschliche Kultur gelegt
haben sollen. Filmschauspieler wie Tom Cruise verpacken diese Lehren
ganz geschickt und verbreiten sie überall. Karen Pressley dazu: "Die
wissen doch gar nicht, worum es im Hintergrund geht. Tom Cruise macht
genau das, was die Scientology-Führer von ihm erwarten: Er beeinflusst
als Prominenter die öffentliche Meinung. Für Scientology ist er ein
nützliches Werkzeug. Sie instrumentalisieren Leute wie ihn oder auch
Priscilla und Lisa Marie Presley (die Witwe bzw. Tochter von Elvis
Presley), Kirstie Gasse, Patrick Swayze, Greta Van Susteren, Chick
Corea und Isaac Hayes. Sie machen Scientology nach aussen hin
‚glaubwürdiger’ und ziehen andere mit hinein."

Mein Weg in die Sekte17
Jahre lang – fast die Hälfte ihres Lebens – steckte Karen Pressley in
dem Kult drin, davon 9 Jahre im internationalen Hauptquartier bei Palm
Springs in der kalifornischen Wüste. Ihr grosser Hunger nach Wahrheit
hatte sie dort hingeführt. "Mit 12 fing das so richtig an. Von der
katholischen Kirche hatte ich mich verabschiedet. Aber wo sollte ich
nun hin? Leider kannte ich damals keine Christen, die mich mit einem
strahlenden persönlichen Glauben hätten anstecken können."

In Houston, Texas, lernte sie, die
Modedesignerin, einen ehrgeizigen Musiker kennen, Peter Schless. Sie
zogen in die Nähe von Hollywood. 1982 schrieb Peter unter Karens
Mithilfe den Hit "On the wings of love" ("Auf den Flügeln der Liebe").
Jeffrey Osborne nahm den Song auf und landete damit sofort ganz oben in
den Charts. Das öffnete dem Paar die Glitzerwelt von Hollywood – und
damit auch von Scientology. Peter und Karen betrieben ein eigenes
Aufnahmestudio. Das brachte es mit sich, dass Peter mit Grössen wie
Melissa Manchester, BB King und den Allman Brothers herumtourte;
daneben auch als Pianist von Cher.

Scientology füllt die Leere"Scientology
hatte anscheinend Antworten auf alle meine Fragen", meint Karen
rückblickend. "Mir ist auch klar, warum Künstler und Leute aus dem
Showgeschäft so drauf ansprechen. Ihr Beruf bedeutet eine permanente
Verunsicherung. Man ist immer nur so gut wie sein letzter Erfolg, ob
nun in einem Film oder mit einem Lied. Eine Garantie, ob das auch so
weitergeht, gibt es nicht. Die Menschen müssen sich ständig einer
öffentlichen Meinung beweisen, die auch noch ihrerseits schwankt. Das
prägt die Leute, und Scientology nutzt das voll aus."

Normalerweise rechnet man beim Menschen mit 5
Sinnen, nämlich Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken; manchmal
noch ein sechster namens Intuition. Nach L. Ron Hubbard, dem Begründer
von Scientology, gibt es aber 57 solcher Sinne. Wenn man nun jeden
dieser Einzelbereiche weiterentwickelt, dann könne man schliesslich
sein Leben kontrollieren, einschliesslich der Karriere. Das macht die
Faszination dieser Lehre aus. Wer das oberste Level erreicht hat, der
könne sogar die Gedanken anderer steuern und allein mit seiner
Geisteskraft Gegenstände bewegen, wie man Karen beibrachte. Berichten
zufolge soll Tom Cruise eine halbe Million Dollar ausgegeben haben,
damit er alle negativen Einflüsse aus dem Leben verbannen kann.

"Scientology ist eine völlig egozentrische
Sache. Es geht einzig und allein darum, alles so zu steuern, damit
genau herauskommt, was ich mir vorstelle", beschreibt Karen den Inhalt
dieser Sekte. "Sie mag sich selber Kirche oder Religion nennen. Aber
alles richtet sich nach innen, nicht nach aussen. Über ein vages
‚höchstes Wesen’ geht die Lehre nicht hinaus."

In missionarischem EiferAllmählich
wuchsen Karen und Peter so sehr in die Organisation hinein, dass sie
ins internationale Hauptquartier umzogen. Ihren bisherigen aufwendigen
Lebensstil liessen sie hinter sich – um nun 16 Stunden pro Tag und
sechseinhalb Tage die Woche für ganze 45 Dollar zu arbeiten. "Ich hing
so sehr an Hubbarts Lehren, dass ich wirklich meinte, die täte der
Menschheit den grössten Gefallen damit, wenn ich Scientology auf ganzen
Welt verbreite." Sie stand mit dieser Einstellung nicht allein da. "Das
Leitungsteam arbeitet mit der Hingabe von Mönchen. Irgendwann glaubt
man tatsächlich, dass man sein Leben hingibt, um die Menschheit
voranzubringen."

Peter war in der Öffentlichkeitsarbeit. Er
komponierte Musik, die das Anliegen von Scientology unterstützen
sollte. Karen arbeitete in einer Abteilung, die für die "Gemeinden" auf
der ganzen Welt Kleider entwarf und herstellte. Sie reiste in der Welt
herum, um herauszufinden, wie sich die Kirchenmitglieder am
vorteilhaftesten kleiden, damit sie von ihrer Umgebung geschätzt
würden. Während aber Peter in seiner Arbeit aufging, liess sie in Karen
eine Leere zurück. Das Fehlen jeglichen Privatlebens und die übergrosse
Arbeitsbelastung wurden ihr zuviel; sie wollte weg. Peter sah das
anders. Doch zwei Fluchtversuche von ihr scheiterten.

Gefangen wie in einem Konzentrationslager"Die
Leute haben keine Ahnung, wie sehr Scientology alles und jeden
kontrolliert. Im Hauptquartier arbeiten ungefähr 800 Personen. Sie
stellen ihr ganzes Leben der Organisation zur Verfügung. Wir selber
arbeiteten von 8 Uhr morgens bis Mitternacht. Kinder kriegen war
verboten; es würde nur von unserer Mission ablenken. Das war nur
zahlenden Kunden gestattet wie etwa Tom Cruise, John Travolta und
anderen. Dafür konnten wir alle Seminare gratis besuchen, und das
wollte viel heissen. Als ‚Abtrünnige’ hätten sie mir aber trotzdem
225’000 Dollar für Kost und Logis sowie für die Unterweisungen von vier
Jahren in Rechnung gestellt. Wie hätte ich das je bezahlen sollen?"

Untergebracht waren diese Mitarbeiter teilweise
in Siedlungen ausserhalb des Geländes. "Bewachte Transportdienste
organisierten die täglichen Fahrten. Auch das Gelände selber war von
Drahtzäunen umgeben und streng bewacht", beschreibt Karen. "Niemand
sollte unbefugt eindringen können, wie man uns erklärte. Und wenn wir
uns selber nach draussen begaben, kam immer eine Wache mit. Auch die
Handy-Gespräche wurden kontrolliert."

Die HeimsuchungIm
Juli 1998 war Karen mit ihren Kräften völlig am Ende. Sie wusste, dass
es so nicht weitergehen konnte. Selbst wenn sie dabei ihren Ehemann
verlieren sollte – sie wollte fliehen. Mitten in diesen Überlegungen
wurde sie unerwartet von einem Frieden erfüllt, den ihr Gott selber
geschickt haben musste, wie sie im nachhinein erklärt. Dabei habe sie
Gott noch gar nicht gekannt und wusste ja auch nicht, wo sie ihn hätte
suchen solle. Es war für sie ein Erlebnis wie bei Paulus auf dem Weg
nach Damaskus.* "So einen Frieden hatte ich noch nie in meinem Leben
erfahren. Gott sprach mit mir im Geiste und gab mir sein OK zum
Weggehen. Ich wusste, er würde sich um mich kümmern." Karen beschloss,
nach Georgia zu ihrer Mutter zu fahren.

Die FluchtKaren
gehörte zu den wenigen Privilegierten mit einem eigenen Auto. Sie
wollte es nun als Fluchtfahrzeug verwenden. Bloss gab es da noch den
Kontrollposten an der Einfahrt. Am folgenden Nachmittag gab sie vor,
sie hätte Wäsche zu erledigen; eine Arbeit, für die sie eigentlich gar
kein Auto brauchte, denn die Waschküche war grade nebenan. In den
Körben versteckt hatte sie einige persönliche Kleinigkeiten sowie 48
Dollar an Bargeld. Die Wache stutzte zwar, dass sie so früh am Abend
mit Wäsche unterwegs war, aber sie liess sie passieren. "Es war, wie
wenn ihm die Augen zugehalten waren", meint Karen. Zusammen mit einem
Pendlerbus konnte sie die Abschrankungen hinter sich lassen.

So fuhr sie nach Los Angeles zu einem Bekannten,
der ihr einmal von seinem Glauben an Jesus erzählt hatte. Er erkannte
ihre Zwangslage und brachte sie in ein Hotel. Tags darauf fuhren sie
zum Flughafen von Las Vegas, wo er ihr einen einfachen Flugschein nach
Atlanta besorgte. Los Angeles wäre nicht infrage gekommen. Scientology
überwachte den gesamten Nah- und Fernverkehr der Region. Man hätte
sofort herausgefunden, wohin sie unterwegs war, und die eigene
Schutztruppe verständigt. Las Vegas hingegen wurde von diesem System
nicht mehr erfasst.

Neue PerspektivenWas
Karen nicht wissen konnte: Ihre Mutter war inzwischen zum Glauben an
Jesus gekommen und hatte immer mit ihrer Bibelgruppe gebetet, dass ihre
Tochter aus Scientology herauskommt. Ein halbes Jahr lang wollte Karen
jedoch nichts von Religion wissen. Aus der Sicht von Scientology waren
das alles nur gescheiterte Anläufe der Menschen – bis schliesslich
Hubbards System auf den Plan trat. In dieser Gedankenwelt war Karen
noch gefangen. Andererseits wollte sie auch nicht zu Scientology
zurück. "Ich war durcheinander und völlig erschöpft", gesteht sie.

Langsam jedoch fasste sie Vertrauen zu den
Vorschlägen ihrer Mutter und ging mit ihr an eine
Weihnachtsveranstaltung. Der Chor sang von Liebe und Vergebung und vom
Angenommensein durch Gott. Nach und nach begleitete sie auch ihre
Mutter in die Gottesdienste, bis sie im März 1999 ja sagte zu einem
eigenen Weg mit Jesus. Der Pfarrer hatte eine Predigtreihe mit einem
Vers aus Josua 24,15 beendet: "Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt.
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen." Karen: "Damals gab ich
Jesus mein Herz und mein Leben."

Bessere Ziele mit GottSeitdem
erlebt Karen, wie sie selber sagt, "eine geistliche Erneuerung, die nur
Christus geben kann. Ich habe die Wahrheit gefunden, die ich mein
ganzes Leben gesucht hatte, und ich weiss, dass ich meine Erlösung auch
dem beharrlichen Gebet meiner über 70jährigen Mutter verdanke."

Ihre Scheidung musste auf dem Schriftweg
vollzogen werden. Seit ihrer Flucht hat sie nie mehr ein Wort mit Peter
gewechselt. Scientology verbietet jeglichen Kontakt zu Ausgetretenen,
auch wenn man 21 Jahre miteinander verheiratet war.

Im Kirchenchor lernte sie ihren späteren Ehemann
Greg Pressley kennen. Seit 2002 leiten sie miteinander den Dienst
"Wings of Love" ("Flügel der Liebe"), über den Karen ihre Erfahrungen
weitergibt – auch an Menschen, die immer noch Angehörige in dieser
Sekte haben.

"Gott hat mich aus der Scientology herausgeholt,
damit ich diese falschen Lehren ans Licht bringe und denen helfe, die
dort ausbrechen. Ich habe eine Verpflichtung, Christen vor Scientology
zu warnen, damit sie ihnen nicht auf den Leim gehen. Vor allem aber bin
ich jetzt nicht mehr auf der Suche. Heute weiss ich: Die Quelle von
allem Wissen ist Jesus Christus!"

* Eine Anspielung auf einen Bericht im Neuen
Testament: Der Christenverfolger Saulus war unterwegs nach Damaskus,
als er von einem Licht zu Boden geworfen wird. Aus dem Licht spricht
Jesus zu ihm, und der bisherige Saulus wandelt sich zum Missionar
Paulus; nachzulesen in Apostelgeschichte 9.

jesus.ch

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