Vor 50 Jahren stand eine Band zum ersten Mal auf der Bühne, die den Rock für immer verändern sollte: die Sex Pistols.

„An einer dicken Eisenkette baumelt ein Vorhängeschloss um den sehnigen Hals. An den Handgelenken blitzen spitze Stahlnieten auf breiten Lederbändern. Den Wodka trinkt Sid Vicious gleich aus der Flasche. Der 19-Jährige ist aggressiv, schnoddrig, gewaltbereit. Wenn der Bassist der „Sex Pistols “ auf der Bühne steht, spuckt er, genauso wie sein Kumpel Johnny Rotten, schon mal ins Publikum. Sid ist alles andere als ein begnadeter Musiker. Aber für die Gruppe, die der Punk-Bewegung nicht nur im Großbritannien der späten siebziger Jahre ihre Idole und Ideale gibt, ist er das perfekte Aushängeschild.

Im Mai 1977 veröffentlichen die „Sex Pistols“ passend zum Thronjubiläum von Queen Elisabeth II. die Single „God save the Queen“. Was wie eine harmlose Hymne an die beliebte britische Königin klingt, ist in Wahrheit ein schräger Abgesang auf die Monarchie. „No future, no fun“ heißt es darin über die Aussichten jener Punk-Generation, die in einem Land der Massenarbeitslosigkeit und Inflation aufwächst. Die Single löst einen Ansturm der Entrüstung aus. Als die Gruppe auf einem Boot namens „Queen Elisabeth“ auf einer provisorischen Bühne ein Konzert vor Fans  und Journalisten gibt, wird sie von Polizeibooten eingekreist. Die meisten Passagiere werden festgenommen, die Band flüchtet über die Hintertreppe. Die großen Radiostationen weigern sich, „God save the Queen“ zu spielen, die Boulevardpresse startet eine Hetzjagd.

Der von „Sex Pistols“-Manager  Malcolm Mc Laren eingefädelte Coup  mit dem provozierenden Konzert gelingt: Der Queen-Song der „Sex Pistols“ erobert die Top Ten der Hitparaden. „Im ganzen Land, wenn man die Charts an der Wand sah, dann war da eine schwarze Stelle bei der Nummer eins“, wird sich Mc Laren später erinnern. Vor allem mit ihrem „No future“ geben die „Sex Pistols“ dem Punk sein Motto. Noch heute gehört ein „No future!“-Logo neben den bunten Stachelhaaren zur Kleiderordnung.“ WDR.de

Tatsächlich hatte Sid Vicious und viele seiner Fans keine Zukunft:

Dies ist die Geschichte von John Simon Richie, der glaubte, Sid Vicious zu sein.
Seine traurige Story, über sein kurzes Leben und seinen elenden Tod übertrifft die aller anderen Drogentoten. Sein Leben und seine Karriere waren aussichtslos. Er stieg bei den Sex Pistols wegen ihres gewalttätigen Punk-Images ein. Sein Instrument, den Bass, beherrschte er nicht, aber seine Show war umwerfend. Er identifizierte sich mit dem eigenen Mythos und dem ganzen Reklame-Rummel. In Wirklichkeit war er scheu und leer. Seine Lebensangst und auch seine Angst vor dem Publikum versuchte er mit Heroin zu bekämpfen. Als er sich in London herumtrieb angelte ihn sich ein amerikanisches Mädchen – sie hieß Nancy Spungen. Sie war für ihn eher eine Mutter als eine Geliebte. Er war süchtig nach Heroin und nach Nancy. Sie flogen zusammen nach New York. Sid war so breit, dass er dort aus der Maschine getragen werden musste. Kurze Zeit später, am 12. 10. 1978 wurde Nancy in ihrem Hotelzimmer erstochen. Sid wurde des Mordes angeklagt, obwohl er derart auf Droge war, dass er zu nichts mehr fähig gewesen sein konnte. Er wurde auf Kaution entlassen, kam aber wegen einer Schlägerei noch mal kurz in den Knast. Auch dort kam er wieder frei – später, im Februar ’79 wurde er in einer Wohnung tot aufgefunden. Er konnte ohne Nancy nicht leben. Mit 21 Jahren war sein Leben zu Ende. Zurück blieb nicht nur ein toter Körper, sondern auch ein total verlogenes Image eines großen Rock-Helden. In Wirklichkeit war er ein tief verletzter, missverstandener, schnell vermarkteter Clown – ein großer Schwindel eben.
Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht – eine Sehnsucht nach Gott.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* Ich stimme zu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.